Reiner Kröhnert sorgte in der Kulturfabrik mit seinem politischen Kabarett für viele Lacher.
Jacques Barthillat brachte es auf den Punkt: „Zwischendurch muss es auch mal politisches Kabarett sein.“ Mit Reiner Kröhnert hatten die Macher der Kulturfabrik ein Schwergewicht des Genre eingeladen. In seinem neuesten Programm ER langte der begnadete Kabarettist wieder kräftig zu. Vor allem aktuelle und ehemalige Politiker unterschiedlicher Couleur bekamen ihr Fett weg und wurden allesamt klasse parodiert.
Da passte einfach alles: Auftreten, Stimme, Tonfall, Gestik. Friedrich Merz hatte er besonders auf dem Kieker. Kein Wunder, denn Kröhnert hat eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit dem Vorsitzenden der CDU. Merz, der „Grökaz“ – der größte Kanzler aller Zeiten – beschwor die deutsche Kriegstüchtigkeit, die erreicht werden müsse, um es „dem Russen“ so richtig heimzuzahlen.
„Väterchen Frost“
Dabei assistierte ihm Boris Pistorius, der davon schwadronierte, dass die Erderwärmung ja unser Verbündeter sei – als Ausgleich gegenüber Russlands „Väterchen Frost“, an dem schon so manche Invasion scheiterte. Dann kam Adolf Hitler – in giftgrünes Scheinwerferlicht getaucht – aus dem Jenseits zurück und wetterte gegen Friedrich Merz, der bei „BlackRock“ dem großen Geld hinterhergehechelt sei. Ein schwer verdaulicher Brocken für die Gäste war das – bitterböser Zynismus, gepaart mit gnadenloser, ja brutaler Ironie. Das berühmte Lachen blieb hier tatsächlich im Halse stecken.
Gerhard Schröder beschwerte sich in seiner unnachahmlichen Art über „die schwäbische Krawallschnecke“ – Saskia Esken – die ihn aus der SPD schmeißen wolle: „Alles ist traurig an der SPD.“
Skurriler Auftritt
Beim Talkshow-Format „Krieg – aber fair!“ dozierte Robert Habeck darüber, was Wahrheit bedeute. Ein harmloser Fön werde, in die Badewanne geworfen, zur Mordwaffe und: Man könne einen Panzer eben auch zur mobilen Wärmepumpe umrüsten.
Köstlich war der skurrile Auftritt von Erich Honecker aus dem Jenseits, der sich in seinem charakteristischen Singsang völlig verwirrt über seine heutige SED und Sahra Wagenknecht zeigte. Auch Boris Becker und Daniela Katzenberger wurden von Reiner Kröhnert gekonnt durch den Kakao gezogen.
Das Publikum ließ sich gern auf die meist mit brachialer Direktheit und teils verrohter Ausdrucksweise vorgetragenen „Peinlichkeiten“ des Künstlers ein – schimmerte doch dahinter eine ganz andere Botschaft. Und die kam bei den Besuchern durchaus an, wie der kräftige Applaus bewies.