Katrin Öfinger-Hellwich (Dritte von links) bietet jeden Mittwoch im Neuhengstter Rössle beim Jobcafé ihre Hilfe bei der Arbeitssuche an. Foto: Biermayer

Durch den Zukunftsdialog gibt es in Althengstett viele ehrenamtliche Angebote. Eines davon ist das Jobcafé. Ursprünglich wurde es ins Leben gerufen, um Geflüchteten den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das Angebot ist nun auch für Einheimische offen.

Althengstett-Neuhengstett - Wenn sich die Suche nach einem Job schwierig gestaltet, ist man jeden Mittwochabend im Begegnungsraum im Neuhengstetter "Rössle" an der richtigen Adresse. Denn hier findet das Jobcafé statt. Ins Leben gerufen wurde es vor über einem Jahr, erinnert sich Mitinitiatorin Katrin Öfinger-Hellwich.

Angefangen habe man, wegen der Pandemie online, mit einer Beratung für geflüchtete Jugendliche, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren. Vielen hätten überhaupt nicht gewusst, welche Berufe es im Detail gebe. Hilfreich ist sicherlich, dass Öfinger-Hellwich vom Fach ist. Die Berufspädagogin arbeitet bei der Agentur für Arbeit in Nagold. Daher kennt sie sich mit den Fall­stricken bei der Jobsuche aus.

Ratschläge zu den Bewerbungsunterlagen

Im Juni diesen Jahres fand das Jobcafé dann erstmals im Begegnungsraum statt. An mehreren Computern können die Interessierten hier nach Jobs suchen. Zusätzlich bekommen sie Ratschläge zu ihren Bewerbungsunterlagen. Und auch kurze Übungen zu Vorstellungsgesprächen habe man schon gemacht, erzählt Öfinger-Hellwich. "Man kann einfach vorbeikommen", wirbt sie für das Jobcafé. Insgesamt soll es ein niedrigschwelliges Angebot sein. Es sei keine Anmeldung nötig. Und Kaffee sowie Kekse gebe es natürlich auch.

Allerdings werde sie nicht den Lebenslauf für jemand anderes schreiben. Sie helfe jedoch gerne dabei. Man solle immer erkennen, wer sich bewirbt. Es passe da nicht, wenn jemand erst vor Kurzem deutsch gelernt hat und ein Anschreiben dann im "Professorendeutsch" verfasst sei. Aber in den Herkunftsländern laufe eine Bewerbung oft anders ab. Deshalb müsse man die einzelnen Schritte erklären.

Es geht nicht nur um die reine Vermittlung

Die Berufe des KfZ-Mechatronikers, im Bereich der IT oder der Pflege seien bei den Menschen gefragt. Andere suchten aber auch einfach nur irgendeinen Job, weil sie unbedingt arbeiten wollten. Ihr gehe es aber um einen nachhaltigen Ansatz, erklärt Öfinger-Hellwich. Denn es bringe wenig, wenn sich jemand für einen Beruf entscheidet und bald merkt, dass es nicht passt und kündigt.

Hier unterscheide sich das Jobcafé auch von der Agentur für Arbeit. Dort gehe es oft nur um die reine Vermittlung. Das sei aufgrund der Vielzahl der Fälle auch nicht anders möglich. Aber im Jobcafé könne man sich Zeit nehmen und besser erkennen, welche Berufe in Frage kommen.

Dass sich das lohne, zeige das Beispiel der internationalen Pflegeklasse in Nagold, so Öfinger-Hellwich. Hier wurden Menschen aus unterschiedlichsten Ländern im Pflegebereich ausgebildet. Die Ausbildung dauerte ein Jahr länger, mit einem großen Fokus auf das Erlernen der deutschen Sprache. Das Feedback zum Projekt sei sehr gut, so Öfinger-Hellwich, gerade von den Arbeitgebern. Es zeige aber auch, dass sich mehr Zeit zu investieren am Ende auszahle.

Deutschkenntnisse seien auf dem Arbeitsmarkt aber unabdingbar, erklärt sie. Ohne diese könne man eigentlich nur Hilfsarbeiten verrichten. Mit ihnen öffne sich der Weg in eine qualifizierte Berufsausbildung. Ein anderes Problem sei oft die Anerkennung von im Ausland erworbenen Ausbildungen und Abschlüssen. Dazu komme, dass es je nach Status der Menschen eine Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde brauche. Diese werde aber nur für je ein Jobangebot erteilt und es dauere oft, bis sie ausgestellt sei. Dann sei die Stelle aber meistens schon weg.

Es sei aber wichtig, dass die Menschen, egal ob Deutsche oder Geflüchtete, schnell einen Job fänden. Denn Arbeit gebe Selbstwertgefühl. Man könne stolz auf den Beitrag sein, den man für die Gesellschaft leiste. Außerdem führe es zu Anerkennung bei den Mitmenschen. Und Geflüchtete bekämen auch so Kontakt zu vielen anderen Menschen.

Ein positives Beispiel ist Khaled Arab. Er kam vor vier Jahren aus Syrien und landete schließlich in Althengstett. In seiner Heimat hat er im IT-Bereich und in der Videoproduktion gearbeitet. "Ich konnte, als ich hier war, dafür aber keine Zertifikate vorweisen", erinnert er sich. Deshalb sei seine Jobsuche sehr schwierig verlaufen. Dann habe die Arbeitsagentur ihm eine Umschulung vorgeschlagen, die er jetzt mache. In zwei Jahren sei er dann Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Die Umschulung mache ihm großen Spaß. Es sei einfach toll, wie viel er dort jeden Tag lernen könne.

Und neben der Umschulung hilft Arab im Jobcafé. Er kümmert sich dort um die Computer und hilft beim Designen der Lebensläufe. Außerdem sei er wahnsinnig gut im Recherchieren, findet Öfinger-Hellwich. Und Arab helfe auch bei sprachlichen Barrieren. Sie sei sehr dankbar für seine Hilfe. Und auch Mitinitiatorin Angelika Hener sei ein große Stütze.

Toll sei außerdem, dass man mit dem Jobcafé gut im Zukunftsdialog und in der Gemeinde vernetzt sei. Und vielleicht kann Öfinger darüber ein Problem des Jobcafé bald lösen. Denn weil das Angebot so gut angenommen wird, geht im Begegnungsraum langsam der Platz aus.