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Jobbeschreibung systemrelevant Nagolder Polizistin erzählt vom Alltag in der Pandemie

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Cora Maier schätzt es sehr, unter den Kollegen auch echte Freunde zu haben. Foto: Fritsch

Nagold - Die Politiker nennen sie systemrelevant. Dabei sind sie vor allem eines: unsere Helden in Corona-Zeiten, die durch ihre Arbeit das gesellschaftliche Leben aufrecht halten. Wie Cora Maier (25), die im Streifendienst beim Polizeirevier Nagold arbeitet. Wir haben bei ihr nachgefragt.

Wie sieht Ihr Alltag in Corona-Zeiten aus?

Mein Alltag in diesen Zeiten besteht außerhalb der Arbeit hauptsächlich aus Sport und Aktivitäten mit meinem engsten Familienkreis. Früher bin ich oft mit meinen Freundinnen in ein Café gegangen, war abends gerne was essen, shoppen oder bin meinem Sport im Verein nachgegangen. All diese Dinge fallen nun leider weg. Abends skype ich oft mit meinem Freundeskreis, ab und an kochen wir uns alle zusammen etwas, jeder bei sich zu Hause, und essen dann gemeinsam via Skype oder Facetime. Zudem verbringe ich sehr viel Zeit mit meinem Freund. Wir unternehmen Sachen, zu denen wir sonst selten gekommen sind, was auch sehr schön ist.

Was ist seit Beginn der Pandemie anders geworden?

Es hat sich vieles verändert. Zum einen die Einschränkungen im privaten Bereich, zum anderen gab es natürlich auch viele Veränderungen im Arbeitsleben. Auf Grund Corona-konformer Ablöseregelungen sehen wir die Kollegen der anderen Dienstgruppen nur noch sehr selten. Ein Bürgergespräch auf dem Wochenmarkt wird nicht gänzlich gemieden, ist aber lange nicht mehr so persönlich wie zuvor. Jeder versucht sich, soweit wie möglich von anderen fern zu halten und unnötige oder vermeidbare Kontakte zu meiden. Auch geht beispielsweise durch das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung viel an Mimik und Gestik verloren, was es uns als Polizei manchmal etwas schwierig macht, eine Person einzuschätzen.

Bekommen Sie von anderen Menschen Lob für Ihren Einsatz?

Auf Grund meiner Tätigkeit ist dies zwar eher seltener der Fall, ab und an gibt es aber trotzdem Menschen, die sich dafür bedanken, dass wir uns um die Einhaltung der Regeln kümmern und in gewissen Situationen eingreifen, wenn eine Situation zu eskalieren droht.

Das schönste Lob war…

Puh, das ist schwierig zu sagen. Viele Leute äußern ihre Dankbarkeit nicht in Worten in Form eines Lobes und man sieht ihnen dennoch an, dass sie froh waren, Hilfe von der Polizei bekommen zu haben. Manchmal ist es auch einfach Lob genug, zu sehen, dass es jemand nach einem eindringlichen Gespräch auf die richtige Bahn schafft oder sich eine Familie, in der es immer und immer wieder zu Streitigkeiten kommt, wieder zusammenrauft. Ein ausgesprochenes Lob, das ich aber immer in Erinnerung behalten werde, kam von einer siebenjährigen jungen Dame, deren Mama in einen Autounfall verwickelt war. Während sich der Rettungsdienst um die verletzte Mutter kümmerte und meine Kollegen den Unfall aufnahmen, versuchte ich das Mädchen ein wenig vom Geschehen abzulenken und ernannte sie kurzerhand zu meiner kleinen Assistentin. Ich bat sie darum, mir alle Dinge, die sie mir über ihre Mama und sich sagen kann, aufzuschreiben. Als die Unfallaufnahme beendet war und ihr Vater an der Unfallstelle eingetroffen war, um mit ihr gemeinsam zur Mutter ins Krankenhaus zu fahren, sagte sie zum Abschied zu mir: Danke, dass du meiner Mama geholfen hast. Du bist die tollste Polizistin, die ich kenne. Ich will auch mal so eine Polizistin werden wie du.

Was gibt Ihnen besonders Kraft in diesen Zeiten?

Besonders Kraft gibt mir in diesen Zeiten meine Familie, mein Partner und meine Dienstgruppe. Gerade in Zeiten, in denen es nicht immer leicht ist, soziale Kontakte zu pflegen, ist es schön, Kollegen zu haben, die nicht nur Kollegen, sondern auch echte Freunde sind.

Und was nervt Sie am meisten?

Am meisten nervt mich die Uneinsichtigkeit und Ignoranz mancher Bürger. Die derzeitige Situation ist für niemanden leicht und für jeden von uns eine Herausforderung, gerade in Bezug auf die Coronaregeln. Manche Menschen haben die Wichtigkeit dieser Maßnahmen noch nicht verstanden und verhalten sich auch dementsprechend, was sich wiederum zum Nachteil ihrer Mitmenschen auswirkt.

Können Sie diesen Zeiten auch etwas Positives abgewinnen?

Selbstverständlich. Bislang waren viele Dinge selbstverständlich, die es eben jetzt nicht mehr sind. Reisen, sich wann immer man möchte, mit Freuden treffen, ins Kino gehen oder in einer großen Gruppe Sport machen. Ich denke, dass jeder von uns diese Dinge wieder mehr zu schätzen weiß, wenn wir die Pandemie überstanden haben.

Gehen Sie mit der Politik im Umgang mit dieser Pandemie einig oder hätten Sie etwas anders gemacht?

Auf Grund der hohen Infektionszahlen war es nötig, Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Pandemie zu ergreifen. Ob jede dieser einzelnen Maßnahmen dazu geeignet ist, dieses Ziel zu erreichen, kann ich aus meiner Sicht nicht beurteilen.

Werden Sie sich impfen lassen?

Auf diese Frage kann ich noch keine eindeutige Antwort geben. Zum einen befürworte ich eine Impfung an sich sehr. Zum anderen habe ich mich viel mit dem Thema Impfung auseinandergesetzt und weiß, wie lange es normalerweise dauert, einen Impfstoff zu testen. Auf Langzeitstudien der Wirkungsweise des Impfstoffs kann man sich derzeit noch nicht berufen, weshalb ich mir über meine Entscheidung bezüglich einer Impfung nochmals Gedanken machen muss.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten…

… würde ich mir wünschen, dass wir diese Pandemie so schnell wie möglich überstehen und so viele Menschen wie möglich vor einer Ansteckung bewahren können. Ich würde mir wünschen, dass sich alle, so gut es ihnen möglich ist, an die Regelungen halten. Ein großer Wunsch wäre zudem, dass bald wieder ein normales Miteinander möglich ist, das Misstrauen der Menschen untereinander schnell wieder nachlässt und niemand mehr in der Angst lebt, sich beim anderen anzustecken.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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