Der Schwarzwaldkrimi geht mit „Vogelfrey“ in die vierte Runde. In vielen Orten wurde bereits gedreht, und wer Glück hatte, konnte einen Blick auf die Schauspieler erhaschen. Auch die Drehbuchautorin ist manchmal mit am Set dabei.
Der Dreh des Schwarzwaldkrimis sorgt wieder für Begeisterung bei den Menschen in der Region. Unsere Redaktion hat nachgefragt, was die Drehbuchautorin Annette Reeker mit Freudenstadt verbindet und wie ihre Ideen entstehen.
Sie schreiben unter dem Pseudonym Anna Tebbe – wie kam es dazu?
Das hat sich vor vielen Jahren entwickelt. Ich habe den Schwarzwaldkrimi mit meiner früheren Firma produziert, war auch die geschäftsführende Produzentin. Anna Tebbe war mein zweites, kreatives Ich. Ich habe nach dem Ausscheiden aus meinem Unternehmen immer mal wieder überlegt, ob ich das Pseudonym, das ein offenes Geheimnis ist, aufgeben soll, aber es hat sich so etabliert und die Trennung ist manchmal hilfreich.
Aktuell entsteht wieder eine Fortsetzung des Schwarzwaldkrimis. Hätten Sie beim ersten Schwarzwaldkrimi gedacht, dass die Filme so erfolgreich sein würden?
Ich bin immer sehr fokussiert während der Drehbuchentwicklung und danach konzentriert auf die Produktion. Viel weiter denke ich da nicht. Die Hoffnung bestand aber schon. Doch, dass es so erfolgreich sein wird, hat uns alle positiv überrascht. Mich freut das total, weil’s unglaublich Spaß macht, die Geschichten zu entwickeln und auch, weil uns die Türen in Freudenstadt offenstehen und wir so willkommen sind.
Warum denken Sie übt der Schwarzwald so eine besondere Faszination auf die Leute aus?
Früher wurde gesagt man solle den Schwarzwald meiden, da man sich in den Wäldern gut verirren kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Landschaft die Sagen- und Mythen-Welt der Menschen bis heute beeinflusst. Auch von Touristen höre ich, dass der Schwarzwald etwas Geheimnisvolles, Mystisches und eine große Anziehungskraft hat.
Wie entstand die Idee zum aktuellen Film „Vogelfrey“?
Am Anfang war da eine vage Idee über die Zeit, die stehen bleibt. Und da wir ja im März die Zeitumstellung haben, gibt es eine Stunde, die wegfällt. Für die Kriminalisten bedeutet das: Wenn um 2.03 Uhr ein Mordfall passiert, dann notieren sie in ihrem Bericht als Todeszeitpunkt 3.03 Uhr. Die Spanne zwischen zwei und drei existiert für sie nicht. Und mit dieser Idee, es passiert etwas zu einer Zeit, die es nicht geben kann, habe ich gedanklich gespielt. Die Uhren in Freudenstadt und Umgebung verweigern die Zeitumstellung, bleiben einfach stehen.
Wenn Sie für das Drehbuch recherchieren, schauen Sie vor Ort nach Geschichten?
Ich führe viele Gespräche mit Menschen aus der Region, fahre herum, sehe mir besondere Orte an, wühle in Archiven, lese den Schwarzwälder Boten. Aus kleinen Anekdoten erspinne ich große Geschichten. Bei „Schneekind“ habe ich in den Freudenstädter Heimatblättern eine Legende gefunden und gedacht: „Wow, das klingt ja spannend.“ Das war der Anfang.
Wie lange schreiben Sie an so einem Drehbuch?
Ich sitze relativ lange an so einem Zweiteiler. Es dauert mehrere Monate bis sich alles ineinander fügt und es wird viel weggestrichen. Das ist eine sehr aufwendige Arbeit. Aber ich hoffe, dass das Fernsehpublikum die Sorgfalt spürt. Und ich hoffe, dass wir noch weitere Filme hier drehen können, obwohl eine solche Reiseproduktion teurer ist als ein Dreh an einem Medienstandort, wo Cast und Crew kurze Wege haben.
Würden Sie sagen, dass Sie eine besondere Verbindung zum Schwarzwald und gerade auch zu Freudenstadt haben?
Inzwischen schon. Ich werde nie vergessen, dass nach dem ersten Film die Producerin sagte: „Wir können jetzt weiterziehen.“ Da habe ich gelacht und gesagt: „Du glaubst gar nicht, wie viele Geschichten hier liegen.“ Und das liegt einfach daran, dass ich so eingetaucht bin. Am Anfang der TV-Reihe hatte ich großen Respekt vor der Reaktion der Menschen aus der Region. Denn ich verwebe ja Legenden mit historischen Begebenheiten und erdachten Kriminalfällen. Das ergibt das Charakteristische der Schwarzwaldkrimis. Die positiven Rückmeldungen freuen mich sehr und bestärken mich.
Sind Sie mit am Set und müssen auch mal Sachen umschreiben?
Man muss schon mal Sachen umstellen, ändern oder aufgeben, weil das Wetter nicht mitspielt oder weil das Motiv anders ist als gedacht, weil das Geld nicht reicht oder oder... Ich bin als kreative Produzentin immer für den Regisseur ansprechbar. Film ist Teamarbeit!
Max von Thun und Jessica Schwarz spielen die Hauptrollen. Was denken die beiden von Freudenstadt?
Wir haben einen Podcast mit Hintergrundinfos bei Spotify gemacht: „Tod & Teufel, Mord & Mystery.“ Grund dafür waren unter anderem die Nachfragen aus der Region. Jessica und Max sind in der aktuellen Folge zu hören. Max liebt den Sommer in Freudenstadt. Beide genießen die Zeit hier. Es fühlt sich inzwischen wie nach Hause kommen an. Beide kennen sich gut aus, wissen, wo sie abends essen können. Aber sie fluchen auch manchmal, wenn sie keinen Mobilfunk-Empfang haben. Aber wer tut das nicht?
Was erwartet die Zuschauer im neuen Film „Vogelfrey“?
Es beginnt etwas gruselig. Das hat damit zu tun, dass in der Nacht der Zeitumstellung die Uhr zwei geschlagen hat und dann stehen geblieben ist. In dieser verlorenen Stunde passiert ein Mord. Die Freudenstädter Doppelspitze stößt bei ihren Ermittlungen auf ein Verbrechen, das vor vielen Jahren geschah. Erst wenn sie den Schleier des Vergessens lüften können, wird sich der Zeiger der Freudenstädter Turmuhr weiterbewegen.
Autorin Annette Reeker
Werdegang
Reeker studierte an der WWU Münster, arbeitete als freie Journalistin und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag.
1989
gründete sie die „visuelle GmbH“, die unter anderem die Show Switch produzierte.