Szene aus „A crab in the pool“ Foto: Trickfilm-Festival Stuttgart

Vom 23. bis 28. April findet in der Landeshauptstadt das Internationale Trickfilmfestival statt. Die pralle Schau richtet sich sowohl an Profis als auch an Laien, an Erwachsene und Kinder. Auf diese Veranstaltungen können Sie sich freuen.

Aus Russland kommen derzeit keine guten Nachrichten. Die Animationskünstlerin Daria Volchok liefert eine wunderbare Ausnahme mit ihrem Film „Crosswalk“, der beim diesjährigen Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart, kurz itfs, in der Kategorie „Student Competition“ zu sehen ist. „Crosswalk ist gerade einmal eine Minute und fünfundfünfzig Sekunden lang, aber trotz dieser knappen Erzählzeit unglaublich witzig.

 

Vor einer roten Ampel warten Fußgänger wie eingefroren in der Zeit auf den Wechsel zu grün. Die mit zwei schweren Einkaufstüten behängten Arme einer Frau ziehen sich in der Wartezeit wie Gummi, bis sie schließlich lose von den Schultern in der Luft hängen. Ein Junge leckt an einer Kugel verflüssigtem Schoko-Eis, während dessen Hund in Zeitlupe Kotwürste von sich gibt, die in respektvoller Beachtung der roten Ampel der Schwerkraft trotzen. Im Gegensatz zur starr wartenden Menschenschar hetzt ein nur mit Unterhose und Aktenkoffer bekleideter Mann an einer viel befahrenen Straße entlang. Am Mast der Ampel angekommen, schrumpft er auf Däumlingsgröße und rauscht mit einem winzigen Aufzug ins Obergeschoss der Signallampe, um dort als grünes Ampelmännchen auf der Stelle zu rennen. Mit ihm läuft eine grüne Ampelphase lang das Leben auf der Straße weiter.

Daria Volchoks humorvolle Miniatur gibt ein schönes Beispiel für den Ideenreichtum der Animationskünstler, die sich zum 31. Mal beim Trickfilmfestival im Areal um die Innenstadtkinos tummeln. Zwischen dem 23. und 28. April kommen dort Kreative aus der ganzen Welt zusammen, um sich auszutauschen und ihre Werke in den verschiedenen Wettbewerbskategorien vorzustellen.

Die Wettbewerbe

Das umfangreiche und in diverse Kategorien zersplitterte Festivalprogramm mag auf den ersten Blick verwirren, dabei lässt sich schnell eine Struktur erkennen. Der Wettbewerb für internationale Filmkünstler, die „International Competition“ zum Beispiel, gliedert sich in fünf Themenblöcke, in „Leerstellen“ (24.04., 12.30 Uhr), „Welcome to the Dark Side“ (24.04., 20 Uhr), „Heimat“ (25.04., 12.30), „Der Weg zu mir“ (26.04., 20 Uhr) und „Wer bin ich?“ (27.04., 20 Uhr), Spielstätte für alle ist das Gloria-Kino 1. Daneben gibt es im Gloria-Saal 2 jeweils um 18 Uhr vier Wettbewerbsrollen für junge Nachwuchsanimatoren, die „Student-Competition“, zu den Oberthemen „Wildlife“ ( 24.04.), „Growing Up“ (25.04.), „Body and Soul“ (26.04.) und „Stop Making Sense“ (27.04.).

Wer es nicht zu den Erstaufführungen der Wettbewerbe schafft, erhält weitere Chancen bei mehreren Wiederholungen. Ausgezeichnet werden aber auch Animationsfilme in Spielfilm-Länge, die sogenannten „AniMovies“. Außerdem gibt es im Wettbewerb vier Kurzfilmrollen speziell für Kinder, die „Tricks for Kids“ (24., 25., 26., 27.04., jeweils 15.30 Uhr, Gloria 2) und die „AniMovie Kids“ in Spielfilmlänge.

Die Filmrolle zum „Trickstar Nature Award“ (26.04., 20 Uhr, Gloria 2) vereint Werke zum Thema Umwelt und Natur. Im spanischen Beitrag „To Bird or not to Bird“ von Martin Romero etwa erlebt man aus der Vogelperspektive, wie der Mensch mit seinem Wohlstandsmüll den Lebensraum von Tauben, Eulen und anderem Federvieh zerstört.

Außer Konkurrenz: Die Länderschwerpunkte

Daneben präsentiert das Kuratoren-Team in Schwerpunkten die aktuelle Produktion einzelner Nationen. Der „Focus Ireland“ zeigt Werke junger irischer Filmschulabsolventen (24.04., 15 Uhr, Gloria 1) und vernetzt geladenes Fachpublikum mit den Kreativen bei einem nicht-öffentlichen Mittagessen. Außerdem stellen sich zwei international renommierte Hochschulen aus Irland mit ihren Studiengängen für Animation vor: Das Institute of Art, Design and Technology und das Ballyfermot College (24.04., 10 Uhr, Cinema). Von Irland begeisterte Laien können sich beim Open-Air-Programm „Emerald Dreams“ (24.04., 19 Uhr, Schlossplatz) einen Überblick über die irische Animationskunst verschaffen. Außerdem widmet die Schau den Ländern Portugal, Polen, Griechenland und Bulgarien eigene Kurzfilmrollen.

Zum ersten Mal hebt das itfs die deutsche Produktion hervor mit den Programmen „German Animation 1: Don´t look Back“ und „German Animation 2: Onwards into the Future“, um dem hierzulande unterschätzten Kurzfilmformat zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. „Neue Namen und etablierte Filmschaffende stehen hier nebeneinander, genauso wie Abschlussfilme und Filme, die über die, leider immer noch sehr knapp bemessenen, Fördermöglichkeiten für Kurzfilm in Deutschland entstanden sind“, schreibt Annegret Richter, die neue künstlerische Leiterin des Festivals, im Katalog. Und vermittelt damit eine Ahnung, wie schwer es Kreative besonders aus dem Bereich der Animation in Deutschland nach wie vor haben.

Ins Gespräch kommen und Mitmachen

Der Austausch über Arbeits- und Produktionsbedingungen, über Ideen und Potenziale ist deshalb ebenfalls fester Bestandteil des Festivalprogramms. In Talk-Panels geben Filmschaffende Einblick in ihre Werke und beantworten Fragen aus dem Publikum (zum Beispiel beim „Filmmakers Talk“, 24.-27.04., 10 Uhr, 28.04., 12 Uhr). Über die gesamte Dauer des Festivals gibt es mit der Game Zone ein Computer-Zocker-Paradies für alle in der Königsbau-Passage. In der Trickfilmwerkstatt entwerfen 11- bis 16-jährige Animationsfans ein eigenes Werk unter professioneller Anleitung. Langweilig wird es in der prallen Festival-Woche also nie; wer noch mehr Gründe sucht, um mindestens einen Blick zu riskieren, findet alle Informationen im Festivalkatalog.