Mit dem Unternehmen gerät auch das Lebenswerk des Ex-Arbeitgeberpräsidenten ins Wanken, meint Klaus Köster.
Die Allgaier-Werke in Uhingen waren noch nie ein Branchenriese. Gemessen an Umsatz oder Mitarbeiterzahl ist der Autozulieferer sogar ein Zwerg. Seinen Ruf verdankt das Familienunternehmen vor allem dem langjährigen Chef und Eigentümer Dieter Hundt. Gekonnt verband er seine politischen Positionen, die er als Arbeitgeberpräsident drei Kanzlern vortragen konnte, mit den Geschicken seines Unternehmens. Auf der politischen Bühne trat er für die Sozialpartnerschaft ein und konnte zugleich darauf verweisen, diese im eigenen Unternehmen vorbildlich mit Leben zu erfüllen. Sich selbst verschaffte Hundt damit Glaubwürdigkeit, seiner Firma Reputation.
Spätestens seit dem Ende von Hundts Amtszeit aber geht es mit dem Unternehmen in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit bergab. Der erfahrene Insolvenzverwalter Michael Pluta sucht fieberhaft nach einem Investor, der einspringt, bevor der Sparte Prozesstechnik endgültig das Geld ausgeht. Viel zu fordern gibt es für die Belegschaft dabei nicht – sie kann einstweilen froh sein, wenn sich überhaupt ein Anleger findet, der das zeitnah drohende Aus einer wichtigen Sparte noch abwendet. Auch die Autosparte ist aus eigener Kraft derzeit nicht überlebensfähig.
Mit dem Unternehmen gerät auch das Lebenswerk des Unternehmers Dieter Hundt ins Wanken, der seine Firma fast 50 Jahre lang groß gemacht hat und dann an der wichtigsten Aufgabe scheiterte, die es im Berufsleben eines Unternehmers geben kann: an der Übertragung des eigenen Lebenswerks an die nächste Generation.
Der Verkauf an Westron war ein dramatischer Fehlgriff, begangen im guten Glauben daran, dass auch dieser Konzern zu den chinesischen Investoren zählt, deren Engagement deutschen Firmen guttut. Doch nach einem Chaosjahr unter Westron kämpft Allgaier nun ums Überleben. So tragisch es für alle Beteiligten auch ist: Allgaier als Vorzeigeunternehmen der deutschen Wirtschaft und das Lebenswerk des Unternehmers Dieter Hundt werden wohl nur in den Geschichtsbüchern weiterleben.