Wie viele Bäume müssen dem Hochwasserschutz weichen? Bei der Infoveranstaltung zur Hochwasserschutzmaßnahme an der Austraße wurden verschiedenen Bauverfahren vorgestellt. Bedenken und Forderungen gab es von Seiten der Bürger. Wie es weitergeht entscheidet sich am Dienstag.
Einig, dass Hochwasserschutz wichtig und erforderlich ist, waren sich Stadtverwaltung und Bürger bei der Infoveranstaltung zur Hochwasserschutzmaßnahme M4 am Neckar zwischen Freibad und Mauser-Parkplatz.
Die Meinungen zur Umsetzung der Hochwasserschutz-Maßnahme gingen jedoch auseinander. Zwei Möglichkeiten standen zur Debatte. Stefan Rapp vom Büro „Wald+Corbe“ präsentierte die beiden Bauverfahren, bevor sich die Verwaltung den kritischen Fragen der Bürger stellte.
Die Spundwand. Entlang der Austraße besteht ein so genanntes Freibord-Defizit. Als Freibord wird der Abstand zwischen dem Wasserspiegel und der Oberkante des Ufers bezeichnet. Nimmt man ein hundertjähriges Hochwasserereignis (HQ100) als Grundlage, so müsste der Damm vom Freibad bis zur Firma Rheinmetall rund 50 Zentimeter höher sein, um als sicher zu gelten. Deshalb ist die Errichtung einer Spundwand geplant, so Rapp.
So sehen die Verfahren aus
Die Verfahren im Vergleich. Die Einsetzung der Spundwand sei in zwei verschiedenen Bauverfahren möglich. Die Verwaltung sprach sich für das Verfahren mittels eines Baggers mit Anbaugerät aus. In diesem Verfahren müssten 39 Bäume gefällt werden. Dafür würden jedoch auch 56 Bäume zum Ausgleich neu gepflanzt, so Rapp. Der Abtransport der gefällten Bäume sei über eine Baustraße möglich. Ebenso könnten Hindernisse und Eventualitäten gut bewältigt werden. Jedoch seien Erschütterungen möglich. Diese Variante liege bei circa 3,31 Millionen Euro brutto, einschließlich der Rodung der Bäume.
Die alternative Variante wäre ein Verfahren nach der „Silent Piler“-Methode. Dabei müssten fünf Bäume gefällt, aber 34 Bäume könnten erhalten werden. Aufgrund des großen Gewichts der Geräte müssten die Spundwände sechs Meter tief in den Boden. „Für den Hochwasserschutz sind vier Meter nötig“, erklärt Rapp. Herausforderungen seien zum Beispiel das Bergen von Rammhindernissen im tieferen Untergrund oder das Versagen des Geräts an unzugänglichen Stellen. Die „Silent Piler“-Variante liege bei circa 3,88 Millionen Euro brutto, somit bei Mehrkosten von knapp 570.000 Euro.
Das sagen die Bürger
Die Meinung der Bürger. Gegen die favorisierte Variante der Verwaltung sprach sich die Mehrheit der anwesenden Bürger aus. Vor allem das Fällen der Bäume sahen viele problematisch.
Beatrix Lamprecht, Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Oberndorf Sulz, beklagt vor allem den ökologischen Ausgleich. Die Ausgleichs-Pflanzungen seien nicht ausreichend. Auch die Frage nach der fehlenden Beschattung und dem dadurch folgenden Wassertemperaturanstieg sei nicht geklärt. „Wir hoffen, dass es im laufenden Verfahren zu einem erneuten Gespräch kommen wird, damit wir es schaffen, den Artenschutz und den ökologischen Ausgleich trotz der billigeren Varianten zu stärken“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Gut fand sie die Möglichkeit zum Austausch, sie hoffe, dass die Bürgschaft öfter miteingebunden werde.
Auch Peter Beiter, Vorsitzender vom Angel- und Naturschutzverein Oberer Neckar, hielt gegen den Vorschlag der Verwaltung. „Wir sollten eigentlich noch viel mehr Bäume pflanzen als diese zu fällen“, verdeutlichte er.
Entscheidung fällt im Gemeinderat
Spaß mache es ihm sicher nicht, die Bäume zu fällen, doch man müsse auch Ökonomie gegen Ökologie abwägen, hob Bürgermeister Matthias Winter hervor. Er versprach, nochmals auf die Gruppen zuzukommen und die Stimmen der Bürger im laufenden Verfahren einzubringen.
Welche Variante zum Zug kommen wird, entscheidet der Gemeinderat am kommenden Dienstag in seiner öffentlichen Sitzung.