Vier der fünf Mühltor-Häuser sind fertig. Wenn nicht Corona und auch kein Winter wäre, könnte man an dem neuen Platz auch gemütlich zusammensitzen. Foto: Maier

Neues Mini-Viertel in Klein-Venedig auf Liste mit 99 anderen herausragenden Neubauten.

Da schau her: Das neue Mini-Viertel rund um den Mühltorplatz in Klein-Venedig findet überregional Beachtung. Vorgestellt wird es im Deutschen Architekturführer 2021. Zudem gehörte es zu den Vorhaben, die auf der Liste für den Preis des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt am Main (DAM) stehen.

Balingen - Für eine Auszeichnung beim DAM-Preis hat es zwar nicht gereicht, allein die Erwähnung auf der Liste zusammen mit 99 anderen prominenten und herausragenden Neubauten in ganz Deutschland kann sich indes sehen lassen. Gemeinsam auf die Beine gestellt haben das Balinger Vorhaben die Wohnbau und die Stadt. Das neue Wohnquartier wurde von nbundm Architekten entworfen. Die Pläne des Münchner Büros hatten bei dem im Jahr 2013 von Stadt und Wohnbaugenossenschaft ausgelobten Architektenwettbewerb überzeugt. Der Entwurf und die Planung der Freianlagen stammen von Andreas Kicherer, Büroinhaber von OK Landschaft aus München/Waiblingen.

"Formensprache von Klein-Venedig wird fortgeführt"

Bis zum Baustart im Jahr 2016 mussten die Wohnbau und die Stadt einige Stolpersteine überwinden – der dickste und finanziell beträchtlichste davon waren die Grabungen, die das Landesamt für Denkmalpflege in diesem historisch sensiblen Bereich durchführte. Im Verlauf der Buddelei gewannen die Denkmalpfleger für die Geschichte der Stadt relevante Erkenntnisse.

Entstanden ist in der Folge ein ruhig und idyllisch nahe der Eyach gelegener Komplex mehrerer Mehrfamilienhäuser, dessen Architektur die Formensprache der Klein-Venedig-Silhouette fortführt. Zwei durch die Bebauung entstandene Altstadtgässchen münden in einem kleinen, öffentlichen Quartiersplatz, den Mühltorplatz. Dieser grenzt an die Fischtreppe an, wo der frühere Gerberkanal, der vom Zollernschloss her kommt, eine Biegung in Richtung Eyach macht. Vier der insgesamt fünf geplanten Gebäude rund um den Mühltorplatz sind soweit fertiggestellt; das letzte entsteht gerade. Sobald es fertig ist, soll auch die Verbindung in Richtung Färberstraße hergestellt werden.

Die Beschreibung im Architekturführer

Wohnen am Mühltorplatz, Balingen, Deutschland: Die Idee zur Wohnbebauung am Mühltorplatz in Balingen wurde durch einen konstruktiven Dialog zwischen Bauherr und Stadt ins Leben gerufen. Er hatte zum Ziel, öffentlichen Raum mit städtischem Charakter zu schaffen. Vier neue Stadtbausteine wurden zu einer identitätsstiftenden Wohnbebauung gruppiert, sodass ein öffentlicher Platz, ein Anger, und gleichzeitig eine hohe Wohnqualität mit privaten Freiflächen entstanden sind.

Das städtebauliche Konzept fußt auf einer intensiven Analyse der Stadtgeschichte und historischer Strukturen. Im und um das Wettbewerbsgebiet lässt sich eindrücklich die bewegte Stadtgeschichte Balingens nacherzählen. An keiner Stelle der Stadt treffen noch vorhandene mittelalterliche Strukturen so unmittelbar auf die klassizistische Neuordnung des Stadtgrundrisses aus dem frühen 19. Jahrhundert. Entlang der Eyach greift die neue Bebauung das Motiv historischer Gerberhäuser auf, welche sich giebelständig zum Fluss und zur Alb orientieren. Sensibel komplettiert sie die östliche Stadtsilhouette. Dahinter besetzt ein weiterer Baustein den ehemaligen Standort einer Mühle. Er erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung mit Blick auf Mühlkanal und Zollernschloss.

Schließlich ergänzt ein Anbau "Beim Mühltor" das Ensemble und bildet den Verlauf der inneren Stadtmauer nach. Die Hausformen ergeben sich aus historischen Flurgrenzen, Fragmenten zivilisatorischer Hinterlassenschaften, Ausblicken und Orientierungen.

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