Joachim Kurth will in seinem Hausarztzentrum langfristig 250 bis 300 Dosen pro Woche verimpfen. Foto: Fritsch

Seit Dienstag wird nun auch in den Arztpraxen gegen das Coronavirus geimpft. Joachim Kurth, Inhaber des Hausarztzentrum Nagold, zeigt sich über den Impfstart erleichtert.

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Nagold - Man könne die Bevölkerung endlich flexibler impfen, sagt Kurth im Gespräch mit unserer Zeitung. Es werde zwar mit den über 80-Jährigen begonnen, allerdings können nun auch jüngere Menschen mit Vorerkrankung eine Dosis erhalten, falls Impfstoff übrig bleiben sollte. Es gehe darum, alle verfügbaren Dosen zu verwenden. "Hauptsache es wird nichts weggeworfen", sagt Kurth. Der Impfbetrieb laufe "von morgens bis abends".

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, habe er seine Praxis in zwei Flure aufgeteilt, erzählt Kurth. Einer ist für die normale Sprechstunde vorgesehen, der andere für die Impfungen. Zudem werden in einem zweiten Labor die Spritzen vorbereitet.

"Es ist viel Vertrauen verspielt worden"

Wer einen Impftermin hat, wird zunächst über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Dieser Vorgang nehme etwas Zeit in Anspruch, sagt Kurth. Die Impfung selbst dauere aber nur wenige Sekunden. Wer geimpft wurde, muss zudem noch einige Minuten zur Nachbeobachtung vor Ort bleiben.

Der Impfstoff kann von den Patienten nicht ausgesucht werden. Zu Beginn steht allerdings nur das Mittel von BioNtech/Pfizer zur Verfügung, noch im April sollen dann die Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson folgen. Das Hin und Her um den Astrazeneca-Impfstoff sieht Kurth kritisch. Es sei viel Vertrauen verspielt worden. Er selbst habe sich mit Astrazeneca impfen lassen.

Seine Praxis erhalte derzeit eine Vielzahl an Anrufen von Patienten, die einen Impftermin vereinbaren wollen, erzählt Kurth. Es finde eine regelrechte "Bewerbung" um die Impfung statt. Kurth weist darauf hin, dass sich die Praxen bei den Patienten telefonisch melden, sobald diese an der Reihe sind. Es sei eine Liste gebildet worden, die nach und nach abtelefoniert werde. Für den Fall einer Absage eines Patienten gebe es zudem eine Reserveliste.

Hohe Nachfrage und lange Wartelisten

In der ersten Woche stehen dem Hausarztzentrum 144 Dosen zu Verfügung, eine Woche später 172. Langfristig plant Kurth zwischen 250 bis 300 Dosen pro Woche zu verimpfen. Die Lieferung sei problemlos verlaufen und pünktlich zum Impfstart eingetroffen, erzählt Kurth. Seine Praxis habe ausreichend Impfstoff erhalten, allerdings seien zu Beginn insbesondere die Einzelpraxen unterversorgt. Ihnen stehe nur eine "lächerliche" Menge zu Verfügung.

Frauenarzt Wolfgang Henne aus Nagold konnte bereits am Montag mit dem Impfen beginnen, hat für die erste Woche jedoch lediglich 18 Dosen erhalten. Auch in seiner Praxis sei die Nachfrage hoch, die Warteliste lang. Er versuche alles, um mehr Impfstoff zu organisieren.

Zudem plane er, die Zweitimpfung um einige Wochen nach hinten zu verschieben, um möglichst vielen Patienten die erste Dosis verabreichen zu können. Was zur Verfügung steht, werde so schnell wie möglich verabreicht. "Wir sind bereit", sagt Henne. 20 Impfungen am Tag seien für seine Praxis bei entsprechender Lieferung kein Problem.

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