So sah das Bürgerhaus noch kurz vor der Eröffnung aus, inzwischen haben die Kippenheimer das Gebäude mit Leben gefüllt. Foto: Köhler

„Das Bürgerhaus mit Leben zu füllen“: Diesen Auftrag hatte Bürgermeister Matthias Gutbrod den Kippenheimer Bürgern und Vereinen zur Eröffnung des Sieben-Millionen-Euro-Projekts gegeben. Nun, 101 Tage danach, ziehen Vereine und Organisationen Bilanz, wie ihnen das Bürgerhaus gefällt.

„Insgesamt wurde das Bürgerhaus sehr gut angenommen“, zieht Kippenheims Bürgermeister Matthias Gutbrod Bilanz. „Wenn ich dort bin und mit den Leuten rede, erhalte ich viele positive Rückmeldungen, die Mehrheit ist sehr begeistert“, erklärt er. Er selbst sei zwei bis drei Mal die Woche im Bürgerhaus, auch die Gemeinderatssitzungen finden dort inzwischen statt. Besonders freut es Gutbrod, dass das Bürgerhaus sich zu einem Ort entwickelt hat, wo jeden Tag etwas geboten ist. Die Gruppen, für die das Bürgerhaus gedacht war, hätten sich dort sehr gut eingelebt und weitere würden anfragen. „Es ist ein schöner Ort, wo das Leben in Kippenheim spielt“, freut er sich.

 

Die Bücherei verzeichnet einen Zuwachs ihrer Leser: „Wir freuen uns, dass wir am neuen Standort im Bürgerhaus nun viel präsenter sind und besser wahrgenommen werden“, sagt Carmen Karcher vom Bücherei-Team. Seit der Eröffnung des Bürgerhauses ist die Bücherei dort zu finden. „Die exponierte Lage an der Hauptstraße, die gute Sichtbarkeit der Bücherei durch die raumhohen Fenster und die Fahne mit unserem Maskottchen, dem Bücherwurm Willi, ziehen viele neue Leser – insbesondere Kinder – in die Bücherei“, erklärt Karcher.

Der neue Standort der Bücherei im Bürgerhaus kommt sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern gut an. Foto: Schillinger-Teschner

Mit der Kinder-Leseecke sei die Bücherei besonders für die Jüngsten ein Magnet und bringt Kinder in einer Wohlfühlatmosphäre zum Lesen. Das Verweilen auf dem großen Plüschkrokodil und den bunten Blumenkissen, zwischen den kindgerecht angebotenen Büchern in Bücherkisten, biete eine Pause vom ansonsten durch Technik dominierten Alltag. Regelmäßig kommen ganze Kindergartengruppen und Schulklassen auf Besuch, nicht nur an den Vorleseveranstaltungen, vorbei und fühlen sich sichtlich wohl.

Der Spielplatz hinter dem Bürgerhaus bietet den Kinder zwischendurch auch Gelegenheit, sich körperlich austoben, um dann wieder bei einem Buch chillen zu können.

Den Kindern der Hausaufgabenbetreuung gefällt es dort: Die Grundschüler der Kippenheimer Hausaufgabenbetreuung besuchten im Mai das neue Bürgerhaus. „Wir wurden von den Damen der Bücherei herzlich empfangen. Leider war zuvor noch keiner der Schüler in dieser tollen Bibliothek – ein Buch in die Hand zu nehmen, es neugierig zu lesen und dabei zur inneren Ruhe zu kommen war eine neue Erfahrung“, erklärt Ulrike Kesselring, Leiterin der Hausaufgabenbetreuung. Nach einer Stunde wollten alle einen Leseausweis und auf jeden Fall immer wieder kommen, um sich ein Buch auszuleihen, erinnert sie sich. Im Festsaal des Bürgerhauses fand zeitgleich eine Firmenveranstaltung statt. Bücherei und Saal konnten ohne gegenseitige Beeinträchtigungen parallel genutzt werden. „Ein tolles Bürgerhaus – ein sehr gelungenes Bauwerk! Herzlichen Dank dafür!“, so ihr Fazit.

Raumprobleme der Volkshochschule wurden verbessert: „Als VHS, aber auch persönlich, sind wir mit dem Bürgerhaus sehr zufrieden. Das Gebäude ist funktional, gemütlich und repräsentativ – kurzum eine Bereicherung für die Gemeinde Kippenheim und alle Nutzer“, ziehen die Kippenheimer Volkshochschul-Leiter Cordula und Heinz Siefert Bilanz. Auch die Rückmeldung der Teilnehmer und Dozenten sei „außergewöhnlich positiv gewesen“, erklären die Sieferts.

Die VHS Kippenheim belegt im derzeitigen Semester Räumlichkeiten des Bürgerhauses mit zwei Pilates- und drei Yoga-Kursen sowie einem Gymnastik-Kurs. Darüber hinaus sind im Spätjahr zwei Workshops und ein Filmvortrag geplant. Für die Kurse am Morgen und am Nachmittag habe die VHS dank des Bürgerhauses deutlich bessere Möglichkeiten. An den Abenden hielten sich die Möglichkeiten wegen der Nutzung durch mehrerer Vereine eher in Grenzen. Das war aber so zu erwarten gewesen. „Die Raumprobleme für die VHS werden zwar nicht gelöst, in jedem Fall aber verbessert“, erklären sie .

Musikverein musste sich an neue Akustik gewöhnen: „Wir nutzen seit der Einweihung das Bürgerhaus für Proben und Jugendausbildung, und das Frühlingskonzert hat im neuen Saal stattgefunden“, berichtet Josef Kupfer, Vorsitzender des Musikvereins. Die Akustik des Bürgerhauses sei in den ersten Wochen eine Umstellung gewesen, weil die Akustik im Gegensatz zur alten Festhalle „relativ trocken“ sei. „Also der Ton schwebt nicht noch einen kurzen Augenblick im Raum, sondern bricht sofort ab, wenn die Instrumente verklingen. So vernimmt es der Dirigent und auch wir Musiker auf der Bühne. Von den Konzertbesuchern wurde das teilweise bestätigt, häufig wurde aber auch der Klangkörper des Orchesters gelobt, weil die einzelnen Instrumentalgruppen differenziert zu hören waren“, berichtet Kupfer.

Der Musikverein hatte am Wochenende sein Foto: Schillinger-Teschner /Silvia Schillinger-Teschner

Gewöhnungsbedürftig sei auch die völlig in schwarz gehaltene Bühne als neuer Proberaum. Sie werde noch von etlichen der Musikern als eher drückend empfunden. Eine gute Lösung sei dagegen die doppelflügelige Tür, die direkt von der Bühne ins Freie geht.

„Die Bühnengröße passt, und auch der Saal ist für unsere konzertanten Unternehmungen von der Größe her geeignet. Sehr schön und zweckmäßig ist das Foyer mit angegliederter Küche, der Gastrozeile und dem großen Kühlraum“, lobt Kupfer.

Was die Mitglieder jedoch vermissen, sei ein Gemeinschaftsraum, „der nur von uns für kameradschaftliche Treffen oder für Treffen unseres Musiknachwuchses, etwa für den Jungmusikerstammtisch, genutzt werden kann. Da hat die alte Festhalle deutlich mehr Möglichkeiten geboten. Der von den Machern und Planern dafür vorgesehene Instrumentenraum ist einmal von der Größe nicht geeignet, und zum anderen ist er ohne Tageslicht ausgestattet“, so Kupfer.

Männergesangverein freut sich über neue Bleibe: „Es ist eine schöne Atmosphäre hier im Bürgerhaus“, erklärt Thomas Gehrlein, Vorsitzender des Männergesangvereins Liederkranz (MGV) im Gespräch mit unserer Redaktion. Der MGV probt seit der Eröffnung im Seminarraum, in dem man „gut angekommen“ sei. Die Noten seien dort inzwischen untergebracht, auch über den Kühlschrank für das ein oder andere erfrischende Getränk nach der Probe freuen sich die Sänger.

Besonders froh macht Gehrlein, dass der MGV mit dem neuen Probenraum nun eine „langfristige Perspektive“ habe. „Wir waren bei der katholischen Pfarrgemeinde, bei der alten Post und während Corona haben wir in der Festhalle geprobt“, skizziert der stellvertretende Vorsitzende Markus Studer ein gewisses „Nomadenleben“. Das wichtigste jedoch: „Der Klang ist gut, die Bühne ist groß genug“, sagt Gehrlein. Beim Auftritt bei der Eröffnung habe man dies festgestellt. Auch Studer erkennt eine gute Akustik: „Zumindest gab es von unseren Frauen keine Kritik“, sagt er lachend. Die nächste Feuerprobe für die Akustik im Bürgerhaus wird das Sommerkonzert des MGV am 15. Juli sein.

Photovoltaik ist da

Inzwischen sind auch die Module der Photovoltaik-Anlage angekommen und auf dem Dach des Bürgerhauses installiert, erklärt Bürgermeister Gutbrod. Von unten sehen kann man sie aber aufgrund der Form des Daches nicht. Der dort gewonnene Strom wird ins Stromnetz eingespeist, eine Direktverbindung zum Bürgerhaus gibt es nicht.