Animation des Planungsstandes für das Prüf- und Technologiezentrum Immendingen: Hervorgehoben ist die sogenannte Bertha-Fläche, die für die Erprobung von hochautomatisiert fahrenden Fahrzeugen ausgelegt ist. Foto: Animation: Daimler financial media relations

In Immendingen wird "die Mobilität der Zukunft mitgestaltet". Zentrum der Daimler AG kompensiert Abzug der Militärs.  

Immendingen/Donaueschingen - Googles selbstfahrendes Auto kurvt über die Straßen des US-Bundesstaates Nevada. Daimlers künftige autonom gesteuerte Fahrzeuge dürften ihre ersten Kilometer bei Immendingen im Kreis Tuttlingen zurücklegen. Hier baut der Autokonzern auf dem ehemaligen Militärareal sein Prüf- und Technologiezentrum. Und nimmt dafür ordentlich Geld in dier Hand. Rund 200 Millionen Euro fließen in das Projekt. Voraussetzung dafür ist, dass die im Bundes-Immissionsschutzgesetz-Verfahren beantragten Prüfmodule für die Weiterentwicklung von Fahrzeugen genehmigt werden.

Auf dem Immendinger Testgelände sollen vorrangig Fahrerassistenzsysteme weiterentwickelt werden, die zur Unfall-Prävention beitragen. Ebenso soll an der Zukunft des autonomen Fahrens gearbeitet werden. Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf der Optimierung von Verbrennungsmotoren sowie der Entwicklung innovativer Antriebstechnologien einschließlich der Erprobung dieser Zukunftstechnologien. Thomas Weber, Vorstand der Daimler AG für Konzernforschung und Entwicklung Mercedes-Benz Cars, blickt erwartungsfroh in die Zukunft, denn "auf dem Weg zum emissions- und unfallfreien Fahren kommen wir gut voran".

Bei der Umsetzung der Technologie-Offensive des Autobauers werde das neue Prüf- und Technologiezentrum einen entscheidenden Beitrag leisten. Die Daimler AG betrachtet den Standort Immendingen als eine weitere wichtige Säule ihrer globalen Wachstumsstrategie.

Über das Zentrum sollen 300 Arbeitsplätze in Immendingen geschaffen werden. Zudem ist davon auszugehen, dass die Investition Impulse für das Gesamtgewerbe in den Kreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen nach sich ziehen wird. Die geplante Investition in einen heimischen Standort zeige, so Weber, dass der Forschungs- und Entwicklungsstandort Baden-Württemberg für Daimler auch zukünftig eine hohe Priorität habe. In Immendingen werde "die Mobilität der Zukunft mitgestaltet".

Die Daimler AG und das Verteidigungsministerium hatten im Mai 2013 eine Vereinbarung zur Übergabe des Geländes der Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne geschlossen. Die Vereinbarung regelt die Übergabetermine für den Standortübungsplatz (ab Mitte 2014), die Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne (Mitte 2016) und die Schießanlage (Mitte 2017).

Immendingens Bürgermeister Markus Hugger (CDU) empfindet das Interesse der Daimler AG, das Technologiezentrum auf dem Standortübungsplatz der Schreiber-Kaserne errichten zu wollen, als einen Sechser im Lotto. Denn die knapp 6000 Einwohner zählende Gemeinde verlor durch den Abzug der Panzerpionierkompanie 550 sowie französischer Einheiten im Jahre 2011 Potenzial. Über 300 Wohnungen standen mit einem Schlag leer, die für diese Klientel aufgebaute Infrastruktur mit Kindergärten und Schulen, ein zweisprachiges Mitteilungsblatt und kulturelle Berührungspunkte, finanzielle Schlüsselzuweisungen gingen verloren.

Donaueschingen steht ohne Franzosen vor ähnlichen Problemen

Auch die kommunalen Eigenbetriebe spürten den Abzug des Militärs durch geringeren Frischwasserverbrauch und geringere Abwassermengen. Immendingen gingen über Nacht zudem quasi 25 Prozent der Geschäftskunden verloren. Ein schwerer Schlag für die Wirtschaftskraft also.

Vor ähnlichen Problemen wie Immendingen steht derzeit die nahe gelegene Stadt Donaueschingen. Das französische 110. Régiment d’Infanterie, fast 1000 Soldaten stark, wird voraussichtlich ab Mitte 2014 vom Standort der deutsch-französischen Brigade abziehen. Der bundespolitischen Zusage, dass das deutsche Jägerbataillon 292 weiter in Donaueschingen stationiert bleiben wird, traut man in der Stadt nicht so recht. Auch der geplante Bau eines 170 Hektar großen Standortübungsplatzes auf Donaueschinger Gemarkung im Brigachtal, Kostenpunkt rund 20 Millionen Euro, taugt kaum jemandem als Standortsicherungszusage.

Immerhin waren in den vergangenen Jahren 77 Millionen Euro in den Militärstandort geflossen, um für die Truppenstärke von etwa 2000 Soldaten die Infrastruktur bereitzustellen. Nun zeigt sich alles in neuem Licht: Durch den Abzug des Militärs werden 15 Hektar Fläche frei.

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