Angesichts der angespannten Haushaltslage ziehen es die Mehrheit der Räte und die Verwaltung vor, wieder auf fossile Energieträger umzuschwenken. Die gesparte fünfstellige Summe soll in ein anderes Projekt investiert werden, um trotzdem etwas ökologisch Sinnvolles zu tun.
In diesem Jahr kommt der Strom für Neubulach noch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Doch das ändert sich ab 2025: Nach jetzigen Berechnungen spart die Stadt nämlich 20 000 Euro pro Jahr, wenn sie wieder auf Strom aus fossilen Energieträgern umschwenkt.
Anlass, überhaupt über einen solchen Wechsel nachzudenken, bot die Tatsache, dass darüber entschieden werden musste, die Beauftragung der Gt-service GmbH fortzuführen. Und da waren sich die Räte einig, dass die Firma für die Stadt wieder die Ausschreibung der Strom- und Erdgaslieferung vornehmen soll.
Bessere Preise erzielen
Das Ganze geschieht als sogenannte Bündelausschreibung – was schlicht und einfach bedeutet, dass sich mehrere Kommunen als Abnehmer bündeln, um so „bessere Preise am Markt zu erzielen“, wie Bürgermeisterin Petra Schupp in der Sitzung erklärte.
60 000 Euro können gespart werden
Und bei der weiteren Teilnahme an den Ausschreibungen konnte wieder gewählt werden, welche Art von Strom und Gas für die kommenden drei Jahre bezogen werden soll. Genau das war Zündstoff für reichlich Diskussion im Rat. Angesichts des Haushalts – der in einem ersten Entwurf mit einem Ergebnis von Minus 3,5 Millionen veranschlagt ist – argumentierte Lars Dannenmann (UWV) dafür, „auf normalen Strom zu gehen“. Das unterstützten einige Räte. Norman Schroth (UWV) meinte, „den Betrag der Allgemeinheit aufzubürden, ist es mir nicht wert“. Es ist – nach derzeitigem Stand – von etwa 60 000 Euro die Rede, die bei der Entscheidung gegen Ökostrom in den drei Jahren gespart werden.
Schule verbraucht Großteil
Doch dieser Wert wird sich wohl ändern: Denn, wie die Bürgermeisterin zu bedenken gab, betreffe ein Großteil des Stromverbrauchs die Gemeinschaftsschule und Festhalle, die aber ab der nächsten Heizsaison mit einer Hackschnitzelanlage versorgt werden sollen. So wie dieser Schritt schon ökologisch sinnvoll sei, sagte Andreas Kubesch (UGL) auch mit Blick auf Ökostrom, dass das heutzutage doch Standard sein müsste. Und da die Stadt ja sowieso bald wegen der neuen Heizung in der Schule und Festhalle weniger verbrauche, würden auch die Kosten für den ökologischen Strom sinken, ergänzte Björn Ahsbahs’ (UGL). Andreas Blaurock (CDU) brachte seine Meinung schließlich so auf den Punkt: Man müsse zwar jeden Cent sparen, „doch bei der Energie ist das kurzzeitig gedacht“.
„Ein Rückschritt“ für Neubulach
In verärgertem Ton sagte er, dass die Stadt auf der einen Seite mit der Hackschnitzelanlage etwas ökologisch Sinnvolles mache, sich auf der anderen Seite beim übrigen Strom und Gas aber auf einen Wertstoff festlege, „wo ich keinen ökologischen Sinn sehe“. Für Neubulach, die als ökologisch wirtschaftende Stadt Fortschritt machen wolle, „wäre das ein Rückschritt“.
Eine „Selbstverpflichtung“
Das Ende vom Lied war schließlich mal wieder ein Kompromiss, den Bernd Schwarz (UWV) anstieß: Er plädierte dafür, sich von Ökostrom und Biogas zu verabschieden und mit dem gesparten Geld in eine PV-Anlage auf der Festhalle zu investieren. Das begrüßte die Mehrheit der Räte und die Bürgermeisterin bezeichnete den Vorgang, die fünfstellige Summe für die PV-Anlage im Kopf zu behalten, als „Selbstverpflichtung“.
Dem ursprünglichen Vorschlag der Verwaltung, wie aktuell 100 Prozent Ökostrom und Erdgas mit einem Anteil Biogas auszuschreiben, stimmten letztlich nur die Stadträte Björn Ahsbahs (UGL), Andreas Blaurock (CDU) und Andreas Kubesch (UGL) zu, während sich Alois Jerges (CDU) enthielt.