"Dreist und unverschämt", so bezeichnet eine Leserin aus Sulz das Verhalten einiger Mitbürger, das sie kürzlich miterleben musste – im Rahmen der Sperrmüllsammlung. Aus einer einfachen Angelegenheit, nämlich, sperrige Abfälle zu entsorgen, wurde für sie eine lange Odyssee, die viele Nerven gekostet hat.
Sulz - Doch alles der Reihe nach: Unsere Leserin hat sperrige Abfälle angemeldet, diese entsprechend sortiert und zwei Tage vor dem Termin herausgestellt. Die Sammlung sollte vor dem Elternhaus in der Vorstadt erfolgen. Sie selbst wohnt nicht dort – und das stellte sich als ein massives Problem heraus. Denn gleich in der ersten Nacht wurde gewühlt, mitgenommen – und jede Menge dazugestellt. Das Gleiche wiederholte sich in der zweiten Nacht, berichteten ihr die Nachbarn.
Auch Abfälle, die nicht zum Sperrmüll gehören, wurden abgestellt. Das Ende vom Lied: Der Müll wurde vom Entsorgungsunternehmen Alba nicht mitgenommen, weil er nicht mehr sortiert war. Er blieb stehen – und die Müllberge wuchsen und wuchsen von Tag zu Tag.
Erschreckende Ausmaße
Dass nicht getrennte Abfälle nicht mitgenommen werden, bestätigt auf Nachfrage auch Hannes Oesterle, Geschäftsführer der ALBA Süd GmbH & Co. KG: "Generell werden im Landkreis Rottweil Altholz, Restsperrmüll, E-Schrott und Metall-Schrott getrennt gesammelt. Seitens der Bürgerinnen und Bürger muss dies auch so angemeldet werden. Zudem müssen die Haushalte ihre Abfälle korrekt getrennt bereit stellen. Andernfalls – und dafür bitten wir um Verständnis – können wir die Abfälle nicht abholen und auch nicht ausschließen, dass unerlaubt Dinge dazugestellt werden."
Für unsere Leserin war die Situation unbegreiflich. "Jeder, der Müllgebühren zahlt, darf doch zweimal im Jahr seinen Sperrmüll kostenlos anmelden. Warum machen die Menschen dann so was? Warum laden sie ihren Müll nachts bei fremden Menschen ab?" fragt sie sich. "Über 14 Tage hatten wir Müllberge vor dem Haus, über die Hälfte war fremder Müll", schildert sie.
Erschreckende Ausmaße
Und die Ausmaße waren erschreckend: Mehrere alte PC-Monitore, Kühlschränke, eine kaputte Waschmaschine mit versiffter Wäsche drin. Aber auch einfach auf den Haufen geworfene, zum Teil aufgerissene Säcke mit Kleidung, offene alte Koffer mit Schuhen waren dabei. "Alles kunterbunt", sagt die Leserin.
Immer wieder versuchte sie tagsüber, dem Müll-Chaos wenigstens ein bisschen Herr zu werden, die Sachen zu sortieren, in Säcke zu verpacken. Sie hat auch Schilder aufgestellt: "Hier ist kein Müllablagerungsplatz." Das hat allerdings kaum geholfen. "Es war furchtbar", sagt unsere Leserin.
Um das Problem zu lösen, war sie viel mit dem Landratsamt in Kontakt. "Wir mussten das dann als wilden Müll melden", erklärt die Sulzerin.
Erleichtert war sie, als die wilde Müllablagerung dann vom Entsorgungsunternehmen "Esslinger" abgeholt wurde. Der Elektroschrott blieb noch einige weitere Tage stehen und wurde später von "Alba" abgeholt. Für unsere Leserin war der Alptraum zu Ende.
Sperrmüll: kein Rückgang
Dass die Mengen an Sperrmüll seit Beginn der Corona-Krise massiv zugenommen hätten, stellt man auch bei Alba fest. "Auch ist ein Rückgang derzeit nicht absehbar", sagt Oesterle mit Blick auf die aktuelle Situation.
Doch Abfälle zur Sammlung anmelden ist das eine, und seinen Müll bei fremden Menschen einfach dazuzustellen das andere. Gibt es da überhaupt eine Handhabe?
Ein Polizeisprecher macht klar: "Solche Fälle werden im zivilrechtlichen Bereich geregelt. Ausschlaggebend ist, was zwischen dem Anwohner und dem Entsorger vertraglich vereinbart ist." Die Polizei schaltet sich hier normalerweise nicht ein. "Nur wenn zum Beispiel jemand Altöl-Kanister dazustellt, die dann kaputt gehen und es zu Umweltschäden kommt, dann kommt es zu Ermittlungen", erklärt der Sprecher. Sonst fallen solche Situationen in den Zuständigkeitsbereich des Ordnungsamtes.
Bußgeld für Täter
Sabrina Glöckler, Sachgebietsleitung Bürgerdienste bei der Stadtverwaltung Sulz, berichtet: "Wir haben hin und wieder Rückmeldungen, dass Sperrmüll nicht abgeholt wird, weil die Gegenstände nicht angemeldet sind. Von den Betroffenen kommt dann die Rückmeldung, dass die Ablagerungen nicht von ihnen stammen und einfach dazugestellt worden sind. Manchmal werden auch Gegenstände entwendet."
In diesen Fällen, führt Glöckler aus, ermittle zunächst der Ordnungsdienst, ob in der Nachbarschaft Beobachtungen gemacht worden seien. "Wenn ein Täter/eine Täterin ermittelt wird, leiten wir ein Bußgeldverfahren ein. In einigen Fällen bleiben diese Taten leider unbeobachtet", so Glöckler.
Nicht zu früh bereitstellen
Die Stadtverwaltung rät den Betroffenen, Sperrmüll nicht vorzeitig bereitzustellen, damit die Gelegenheiten für Täter minimiert werden. Generell sollte er laut Glöckler maximal einen Tag vor der Sperrmüll-Abholung bereitgestellt werden.