Das Einüben von Alltagssituationen ist laut Hundetrainer Andreas Schwämmlein unerlässlich. Foto: Jana Behr - stock.adobe.com

Andreas Schwämmlein setzt sich gegen die Amazon-Mentalität bei Besitzern und die Überforderung ihrer Hunden ein. Bei seinen Übungsstunden stehen Authentizität, eine klare Körpersprache und feste Strukturen im Vordergrund.

„Mein Job ist es, den Leuten ein Bauchgefühl für ihre Tiere zu geben“, sagt Andreas Schwämmlein und blickt von der Bank sitzend auf den angrenzenden Rasen seines Trainingsgeländes.

 

Schwämmlein ist seit mittlerweile 24 Jahren Hundetrainer und hat das Gefühl, so gebraucht zu werden wie lange nicht mehr. „In den ländlichen Gebieten in Rumänien haben die Menschen noch einen natürlichen Umgang mit den Hunden“, sinniert er.

Aussehen statt Bedürfnisse wichtig

Bei uns zulande sei dies mittlerweile verloren gegangen. „Es herrscht eine gewisse Amazon-Mentalität vor“, zieht er einen Vergleich. Oftmals würden Hunde einzig und allein nach ihrem Aussehen ausgewählt. Die Bedürfnisse, die die Tiere aufgrund ihrer gezüchteten Merkmale hätten, träten hingegen in den Hintergrund.

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So seien Schoßhunde beispielsweise extrem auf den Menschen angewiesen, während Herdenschutzhunde vollkommen autark arbeiten könnten. Man sollte stets beachten, was die ursprüngliche Aufgabe des jeweiligen Nutztieres gewesen sei, gibt der Experte zu bedenken.

Besitzer „ wieder auf Spur“ bringen

Große Bandbreite an Erwartungen

Einen Spagat erwartet ihn meist bei dem ersten Treffen der Welpengruppe. „Ein Hund soll sozial verträglich sein, im Wald nicht jagen, aber gleichzeitig den Einbrecher im eigenen Haus stellen können“, skizziert Schwämmlein die Bandbreite an Erwartungen, die seitens der Halter an die Vierbeiner herangetragen werden.

„Ich bin dafür da, die Besitzer dann wieder auf die normale Spur zu bringen“, erklärt er seine Aufgabe. Nötig sei, dass sie verstünden, zu was ihre Tiere biologisch überhaupt in der Lage seien und welche Vorstellungen utopische Wunschträume seien.

Erste Wochen sind entscheidend

Etwas, mit dem er sich häufig konfrontiert sieht, ist die Auseinandersetzung mit Angstproblemen. Häufig handele es sich dabei um Tierheimhunde, die mit den Menschen in ihrer Umgebung nicht zurecht kämen. Doch sei es nur selten der Fall, dass die jungen Hunde, etwa, wenn sie aus Südosteuropa stammten, schlechte Erfahrungen gemacht hätten.

„Maßgeblich für die Sozialisation ist, was sie in ihren ersten 16 Lebenswochen gelernt haben“, erklärt Schwämmlein. Und wenn sie in dieser Zeit in Gegenden aufgewachsen seien, in denen sie kaum Kontakt zu Menschen hatten, ist das eben – nichts. Sie seien mit der Masse an Menschen hier schlichtweg überfordert.

Struktur und Körpersprache

Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt deshalb im Einzelunterricht. „Der Hund muss lernen, in unserer komplexen Umwelt zurechtzukommen“, erläutert er. So seien Alltagsbegegnungen zentraler Bestandteil der Übungen, beispielsweise mit anderen Hunden, aber auch Joggern oder Radfahrern.

„Von seinem Wesen her ist der Hund immer noch ein Beutegreifer“, beschreibt der Trainer die Grundlagen des Wolfsabkömmlings. Und entscheidend für solch ein Rudeltier sei eine klare Struktur und eine deutliche Körpersprache.

„Die Tiere brauchen auch in einer Familie klare Hierarchien“, überträgt Schwämmlein das Rudelverhalten in die heutige Zeit. Das gäbe ihnen Sicherheit und Struktur im Alltag.

„Wie trete ich vor Hund auf?“

Grenzsetzung für Struktur und Sicherheit

Manchmal habe er das Gefühl, dass Hunde viel zu wichtig genommen und ein ein demokratisch-gleichberechtigtes Miteinander mit ihnen gepflegt werden würde. Doch sei eine klare Grenzsetzung wichtig, da diese den Tieren eben die Struktur und Sicherheit vermittle, die für eine gute Erziehung notwendig sei.

„Demokratisches Miteinander funktioniert nicht“, sagt der Trainer und verweist auf das fehlende moralische Denken eines Hundes. „Wenn ihm etwas nicht passt, dann zeigt er es sofort“, hebt Schwämmlein die Direktheit und Ehrlichkeit der Tiere hervor. Umso wichtiger sei, diese Zeichen klar deuten zu können und auch selbst eine sichtbare Körpersprache auszusenden. „Wie trete ich vor dem Hund auf, wie stehe ich da?“, laute die zentrale Frage.

Mensch sollte „in sich ruhen“

Denn das wichtigste Kommunikationsmittel sei schlichtweg die Körperhaltung der Tiere. „Beim Freispiel sollte der Mensch anhand der Körperhaltung erkennen, wie es dem Hund geht“, nennt er das Ziel. Denn schließlich kommuniziere der Mensch auch nur zu sieben Prozent durch Sprache. Der Großteil des zwischenmenschlichen Verstehens laufe nonverbal ab. „Hundebesitzer sollten ruhige Menschen sein, die ,bei sich’ sind“, erläutert Schwämmlein. Das spüre der Hund und könne sich gut darauf einstellen. Für Welpen sei es wichtig, Sozialkontakte mit Artgenossen zu haben und an Umweltreize herangeführt zu werden. „Ab der achten Woche können die jungen Hunde zur Welpengruppe“, empfiehlt der Trainer.