So sieht ein entspannter Mops nach dem Spielen aus. Die kleinen Hunde lieben Menschen. Und sie sind erstaunlich schnell unterwegs und können sehr gut mit ihren langbeinigen Fellkumpels auf der Wiese mithalten. Foto: Thiercy

Willkommen im Mopsiversum! Wer sich auf die Rasse einlässt, taucht ein in ganz neue Welten mit Mops-Rennen, Mops-Treffen, Mops-Verrückten. Die Züchter setzen sich dafür ein, dass aus der Qualzucht wieder gesunde Hunde werden.

Es war ein brüllend heißer Tag vor 15 Jahren. Drei kleine Kinder plärrten, die Nudeln kochten über, mein Mischling Rudi hatte einen epileptischen Anfall. Mitten in diesem Chaos rief mein Literaturagent an. Die Idee zu den Mopsbüchern war geboren. Unter dem Pseudonym Silke Porath durfte ich eine Reise in ein Paralleluniversum der Hundewelt beginnen.

 

Eine Mischung ausMarzipanschwein, Frosch und Katze

Band eins erschien. Zur ersten Lesung kamen Frauchen, Herrchen – und Möppels. Ehrlich gesagt waren das meine ersten Kontakte zu dieser Rasse, die sich einordnen lässt irgendwo zwischen Marzipanschwein, Frosch und Katze. Das erste Mopsbuch hatte ich quasi blind geschrieben und der arme Buchhund wog 25 Kilo und fraß Pommes. Der Shitstorm der Tierschützer war programmiert. Aber: Die Mops-Community hält eisern zusammen und setzt sich dafür ein, dass aus der als Qualzucht verschrienen Rasse wieder gesunde Hunde werden.

Ich hatte Glück: Unser Baudelaire Napoléon ist ein Retromops. Er hat eine lange Schnauze, atmet frei und rast auf der Hundewiese hinter jedem Schäferhund her. Bohdi, wie er genannt wird, stammt von einer Züchterin aus Speyer. Gekauft hatte ich ihn heimlich. Sie hatte mich in einer Mopsgruppe bei Facebook angetickert. Sie hätte einen besonderen Rüden, zig Interessenten, aber sie mag meine Bücher und ob ich nicht…

Silke Thiercy mit Baudelaire Foto: Thiercy

Tja. Vor sieben Jahren war es so weit und wir haben das Fellknäuel abgeholt. Mein Monsieur, dessen Abenteuer Sie übrigens im Magazin „Waldrausch“ nachlesen können, ist geschmolzen wie französische Butter in Cannes, als der Minihund auf ihn zuwackelte. Es war November, es war eiskalt, er packte mich und den Mops (gekleidet in einen Ringelpulli) in eine Decke. Baudelaire, benannt nach dem Lieblingsdichter meines Mannes, heulte beim Abschied von seiner Mama, schlief dann ein und spuckte mir nach nicht mal zehn Kilometern in den Ausschnitt. Willkommen in der Familie!

Die Mops-Community ist… anders. Es gibt nichts, was es nicht mit dem Aufdruck dieser Plattnasen gibt.

Ein echter Mopskönig, so richtig mit Schärpe und allem

Seit unser Möppel bei uns eingezogen ist fluten Tassen, Teppiche, Bilder, Stifte oder Bettwäsche mit Plattnasen-Aufdruck unseren Haushalt. Wir reisen zu Mopstreffen in der ganzen Republik. Beim Mops-Volksfest Nürnberg wurde mein Mann zum Mopskönig gekürt, so richtig mit Schärpe und allem.

Natürlich hat Bohdi auch an Mopsrennen teilgenommen. In Oberndorf zum Beispiel oder in Winnenden, wo es eine Mopsstatue gibt. Dort soll ein Rassehund einst zur Ehre seines Besitzers Hunderte Kilometer zurück aus Budapest gelaufen sein. Unsere Ehre… ging flöten. Denn anders als andere Besitzer hatten wir nicht eisern trainiert. Baudelaire trödelte in Rennen eins. Beim zweiten Mal lockten wir zwar in der Ziellinie mit Spätzle, er bog dennoch lieber zu den Hundedamen am Rand der Rennbahn ab.

Neulich hatten wir Besuch aus Bayreuth. Constantin Schenk und sein Mops Bobby waren vor einiger Zeit das Gesicht der Wagner-Festspiele. In Singen wirbt ein Dessous-Laden mit einem in schwarzer Spitze gewandeten Mops.

Ob wir uns wieder für die viel kritisierte Rasse entscheiden würden? Unbedingt – sofern der Hund aus einer Retrozucht stammt. Wir haben keine Lust auf teure und für das Tier schmerzhafte Operationen. Wohl aber auf all die drolligen Momente. Dann zum Beispiel, wenn Monsieur Mops in seinem Stammlokal selbstständig in die Küche trottet, um sein Wienerle einzufordern. Wuff.