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Horb a. N. Rexingerin erlebt Odyssee in Corona-Krise

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Nach einer Odyssee kehrte Elke Bouctot wieder zu ihren Pferden und Ponys auf der Rötebergkoppel in Rexingen zurück. Foto: Wagner

Horb-Rexingen - Im Optimalfall dauert ein Flug von Stuttgart nach Bristol (England) circa dreieinhalb Stunden. Aufgrund der weltweiten Corona-Krise und des plötzlichen Reiseverbots erlebte Elke Bouctot auf ihrem Rückflug eine wahre Odyssee. Ihre Erlebnisse schildert die Rexingerin in unserem (SB+)Artikel.

Bouctot betreibt in Rexingen einen Aussiedlerhof (Rötebergkoppel) mit 25 Pferden und Ponys. Mit ihrer Geschäftspartnerin, einer Angestellten und mehreren freiwilligen Helfern kümmert sich Bouctot täglich um das Wohl der Tiere und die weiteren anstehenden Arbeiten auf dem Hof. Auch ihre Tochter und Enkelin leben auf einem Reiterhof mit zehn Pferden in England, welcher sich in der weiteren Umgebung von Bristol befindet.

Wegen einer dringenden Operation musste ihre Tochter für mehrere Tage in ein Krankenhaus. Deshalb reiste Bouctot am 14. März nach England, um sich um die Familie und die Tiere zu kümmern. Nach einen Zwischenstopp in Amsterdam landete Bouctot schließlich in Bristol, von wo aus sie mit einem Mietwagen zu ihrer Tochter fuhr. Bereits zwei Fälle von Corona-Infizierten habe Bristol zu diesem Zeitpunkt gemeldet, darunter ein Todesfall. Daraufhin wurden im dortigen Krankenhaus ausschließlich Corona-Infizierte behandelt, weshalb die Tochter nach Oxford verlegt wurde. "Dort war sie praktisch ganz alleine. Es gab zu jenem Zeitpunkt noch keine Corona-Patienten in diesem Krankenhaus", resümierte Bouctot.

Hamsterkäufe auch in England

Die Tagesmeldungen in der Presse sowie die Maßnahmen der Regierungen von Deutschland und Großbritannien hätten sich zu jenem Zeitpunkt geähnelt. "Das Einkaufen ging noch, aber die Schulen und Pubs wurden bereits geschlossen", berichtete Bouctot. Ebenso ähnelte das Einkaufsverhalten der Engländer dem der deutschen Bevölkerung. Toilettenpapier, Nudeln, Reis und Konserven standen auch auf der Insel als begehrte Objekte bei Hamsterkäufen auf der Einkaufsliste. "Eine britische Zeitung hat daraufhin sogar den deutschen Begriff ›Hamstern‹ übersetzt und erklärt. Das Wort gab es bei denen noch gar nicht", konstatierte die Rexingerin.

Ihr Rückflug war für Samstag, 21. März, vorgesehen. Am Donnerstag wurde sie jedoch von der holländischen Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines darüber informiert, dass ihr Rückflug gestrichen sei. Bis zu fünf Stunden versuchte Bouctot, mit dem auswärtigen Amt Kontakt aufzunehmen. "Die waren keine große Hilfe", lautete ihr Fazit. "Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich in England festsitze und nicht in Marokko. Die wussten trotzdem nicht, wie ich heimkommen sollte", berichtete Bouctot.

Letztlich wurde die 72-Jährige fündig. Sie ergatterte einen Rückflug in London am Flughafen Heathrow. Der Flughafen in Bristol war mittlerweile geschlossen worden. So machte sich Bouctot am Samstagmittag um circa 12 Uhr mit ihrem Mietwagen auf den Weg nach London, um pünktlich um 19.30 Uhr das Flugzeug betreten zu können. Währenddessen ging auch ein Ersatzflugangebot von KLM ein. "Da war ich dann aber schon in London", resümierte Bouctot. Um 22 Uhr landete sie mit einer Stunde Zeitverschiebung in Genf, wo Bouctot für zwölf Stunden festsaß. "Ich wollte ein Hotel aufsuchen. Mir wurde aber mitgeteilt, dass ich den Flughafen nicht verlassen darf", verriet sie.

27 Stunden Reisezeit

Zu Beginn der Woche wurde der Flughafen Genf dicht gemacht. Lediglich sechs Personen hielten sich mit Bouctot am Flughafen auf. "Einen beinahe komplett leeren Flughafen sieht man auch nicht jeden Tag", gab sich Bouctot leicht amüsiert.

Weniger spaßig waren hingegen die Umstände, unter denen die gestrandeten Passagiere die Nacht am Flughafen verbringen mussten. Kein Kiosk und keine Lebensmittelautomaten seien in Betrieb gewesen. "Und besonders bequem sind diese Gitterbänke am Flughafen auch nicht, um darauf schlafen zu können", verriet Bouctot. Am nächsten Morgen konnte sie um 10 Uhr ein Flugzeug besteigen, welches in Frankfurt landete. Von dort aus musste sie per Zug weiter nach Stuttgart reisen.

Nach insgesamt 27 Stunden Reisezeit kam Bouctot letztendlich um 16 Uhr erschöpft am Bahnhof in Horb an. "Ich bin eigentlich ein recht unaufgeregter Mensch. Ich denke immer, dass es irgendwie weitergeht. Diese Nacht werde ich aber nicht so schnell vergessen", stellte Bouctot abschließend fest.

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