Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Keiner hegt und pflegt das Dorf so wie er

Von
Hat für sein Heimatdorf viel gearbeitet: Adelbert Beuter wird heute 80 Jahre alt. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder Bote

Landwirt sollte er werden, Metzger wollte er werden, Maler ist er geworden. Der Berufsweg von Adelbert Beuter, der vor genau 80 Jahren in der Eutinger Luftgasse – heute Göttelfinger Straße – als zehntes von elf Kindern geboren wurde, war von der Lehrstellenknappheit jener Zeit geprägt.

Horb-Bildechingen. In eine Zeit voller Kriegswirren, Zerstörung, Hunger und Not hineingeboren, konnte sich der heutige Jubilar seinen späteren Beruf nicht aussuchen, er musste froh sein, dass er überhaupt eine Lehrstelle fand. Und dies, obwohl er in der Schule immer der Beste war, wie sein Klassenkamerad im persönlichen Gespräch vor wenigen Tagen erwähnte. In der "Bahnhofsrestauration Gündringen", schon damals ein Betrieb, der auf mehreren Beinen stand, ging Adelbert Beuter dann in die Lehre. Wahrlich kein Zuckerschlecken, ein Acht-Stunden-Tag war völlig unbekannt, und die Farben mussten aus Kreide und Leim zusammengerührt werden.

Nach seiner Gesellenzeit in Stuttgart, Böblingen und Sindelfingen hat er noch Autolackierer bei Daimler gelernt, bevor es ihn wieder zurück ins Gäu zog. Mit dem Abstand, den nur das Alter bringt, schaut er heute auf diese Zeit zurück, aber man spürt, dass sie ihn geprägt hat.

1962 heiratete er mit Pauken und Trompeten, wie es sich zu jener Zeit gehörte, das Fräulein Maria Möhrle aus dem Nachbarort Bildechingen, das er zuvor schon fünf Jahre lang poussierte. Die Oma von Maria hatte Bedenken, dass das Mädle ganz abwandert und bot dem frischvermählten Paar 2000 DM an, wenn sie in Bildechingen bauten. Der Bauplatz in der Hölderlinstraße kostete damals 6000 DM, und so fiel die Entscheidung nicht schwer. Nach dem Hausbau 1964 ging es in olympischer Zeitrechnung weiter. Vier Jahre später kam Sohn Ullrich zur Welt, vier Jahre später Tochter Evelin. Die Meisterprüfung 1976 war gleichzeitig der Startschuss für die Gründung des Familienbetriebes "Maler Beuter".

Wie viele Häuser und Wohnungen er in seinem langen Arbeitsleben renoviert, gestrichen, tapeziert und modernisiert hat, an wie vielen Neubauprojekten seine Firma beteiligt war, weiß er nach all den Jahren beim besten Willen nicht mehr. Irgendwann habe er aufgehört, sie zu zählen. Es waren viele, und Ehefrau Maria war in all der Zeit für die Buchhaltung zuständig. Oft musste sie bei den Schuldnern persönlich vorsprechen und saß so manche Stunde wartend in einem Vorraum oder Büro.

Vor 17 Jahren hat er seine Firma an Sohn Ulrich, dem heutigen Ortsvorsteher und Gemeinderat, übergeben, sich aber keineswegs auf das Altenteil zurückgezogen. Zu vielfältig sind seine privaten Interessen. So war er bis 2016 Vorstand vom Obst- und Gartenbauverein, dem er zuvor 24 Jahre als Ausschussmitglied und Kassierer angehörte. Ein weiteres Augenmerk von ihm lag auf der Restaurierung und Instandsetzung von Feldkreuzen auf der Gemarkung Bildechingen. Sein Faible für die Erhaltung des Vergangenen legte auch den Grundstein für das heutige Heimatmuseum von Bildechingen.

Sein Engagement in der Bürgerinitiative "Abwasser" ist fast schon legendär

Er war es, der alte Gegenstände sammelte und im Untergeschoss des Vereinsheims aufbewahrte. Gemeinsam mit seiner Frau Maria pflegte er auch die Blumenbeete bei der Turn- und Festhalle und gegenüber dem Rathaus. Eine Aufgabe, die die 78-jährige Maria Beuter heute noch innehat. Sechsmal war bei den Beuters "Land unter" im Keller in der Hölderlinstraße, daher ist sein Engagement in der Bürgerinitiative "Abwasser" fast schon legendär. Oberbürgermeister Peter Rosenberger wird sich aus jener Zeit sicher noch an seine erste Begegnung mit Adelbert Beuter erinnern.

Früher wanderte der Jubilar alle 14 Tage mit dem Seniorenwanderclub und war jeden Dienstag mit dem Trekking-Rad unterwegs. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit verwandelte er sich zudem in den heiligen St. Nikolaus und beschenkte die Dorfkinder unterm Weihnachtsbaum beim jährlichen Konzert des Musikvereins. Es war ihm also wahrlich nie langweilig, doch die Gesundheit bremste ihn in den letzten Jahren massiv aus. Vor rund vier Jahren ließ seine Sehkraft durch eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) stark nach, und in den letzten beiden Jahren litt er nach einer Fehlbehandlung stark an Atemnot. "I wär fast erstickt, denn die Ärzte hören ja nicht auf das, was ihnen der Patient sagt", schimpft er noch heute in seiner unnachahmlichen Art über das, was die Mediziner mit ihm angestellt haben.

Heute geht es ihm, dem Eutinger, der zum echten Bildechinger wurde, wieder besser. Er geht mit Frau und Ulis Hund viel spazieren, trifft sich mit seinem Jahrgang 1939 aus Eutingen alle vier Wochen zum Einkehren und hat vor, sein Jubiläum im kleinen, familiären Kreis zu feiern. Sein einziger Wunsch ist, dass das "bissle Gesundheit", das er noch hat, noch eine Weile erhalten bleibt.

Artikel bewerten
3
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.