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Horb a. N. "Es fällt schwer, Horb zu verlassen"

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In Horb hängt er seinen Helm an den Nagel: Markus Megerle Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder Bote

Horb. Der Kommandant geht von Bord. Er verlässt nicht das sinkende Schiff, sondern eine exzellent aufgestellte freiwillige Feuerwehr. Trotzdem zieht es Markus Megerle nach Villingen-Schwenningen.

Wann werden Sie die Feuerwehr Horb verlassen?

Das ist noch nicht klar. Beide Oberbürgermeister wollen sich dort abstimmen. Da gibt es derzeit noch nichts Neues. Klar für mich ist aber: Wenn der Zeitpunkt da ist, werde ich mich von allen Abteilungen verabschieden, um möglichst jedem persönlich erklären zu können, warum ich gewechselt habe.

Wie schwer fällt es Ihnen, Horb zu verlassen?

Schwer. Man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weil man in den zehn Jahren viele Kontakte geknüpft hat und viel tolles Feedback bekommen hat von den Feuerwehr-Leuten. Dann fällt es einem natürlich schwer. Aber man muss auch gehen, wenn es am schönsten ist und am meisten wehtut.

Was bedeutet der Wechsel privat für Sie?

Ich bleibe in Horb wohnen. Das ist im Vorfeld so vereinbart worden. Ich behalte meinen Wohnsitz und mein Haus und werde täglich pendeln. Wenn größere Einsätze außerhalb der regulären Arbeitszeit sind, werde ich entsprechend von Horb aus dazukommen.

Müssen Sie dann bei jedem Einsatz von Horb nach Villingen-Schwenningen?

Nein. Villingen-Schwennigen ist von der Stadt her eine ganz andere Hausnummer. Sie haben eine komplette Einsatzleiter-Struktur, die rund um die Uhr alles sicher stellen kann. Meine Tätigkeit wird die des Feuerwehrkommandanten sein. Das bedeutet für mich unter anderem auch, sich um das Kameradschaftliche mit zu kümmern. Der Löwenanteil meiner Tätigkeit liegt darin, das eigens geschaffene Amt zu führen. Man ist aber relativ schnell über die Autobahn in Villingen-Schwenningen von Horb.

Wie oft werden Sie trotzdem mit zu Einsätzen ausrücken müssen?

Ich muss nicht der Erste sein. Das würde dort auch gar nicht gehen. Weil es dort inzwischen über 800 Einsätze gibt. Wenn man da überall mit müsste, dann wäre man 365 Tage, 24 Stunden irgendwo.

Werden Sie im Falle des Falles mit Blaulicht durch Horb und über die Autobahn fahren?

Das ist eine Abwägungssache. Die Möglichkeit, Sondersignal zu setzen, hängt von bestimmten rechtlichen Voraussetzungen ab. Daran halte ich mich natürlich.

Was reizt Sie an der Aufgabe in Villingen-Schwenningen?

Meine Verantwortung liegt darin, das ganze Feuerwehr-System so zu strukturieren, dass es rund um die Uhr funktioniert. Das am Wochenende genügend Aktive da sind und dass die Aufgabe der Feuerwehr nicht von einer Person – dem Feuerwehrkommandanten – abhängig ist. Sonst könnte man als Feuerwehrkommandant niemals Wochenende haben oder abends ein Viertele Rotwein trinken, wenn man nicht mehr fahren darf. Das Kameradschaftliche gehört dazu – der Besuch der ganzen Veranstaltungen, das Persönliche.

Wo sehen Sie die besondere Herausforderung?

Die Feuerwehr Villingen-Schwenningen besteht viele Jahre. Meine Aufgabe wird es erst mal sein, alles zu analysieren. Zu sagen, ich gehe da jetzt runter und habe schon ein Konzept vor Augen, das wäre unrealistisch und unseriös. Ich muss erst mal alles kennenlernen, im Gespräch mit den Feuerwehrleuten zu erfahren, wo es nicht optimal läuft. Wo man etwas verbessern könnte. Dann gilt es, zusammen Konzepte zu entwickeln. Und zwar in enger Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen der freiwilligen Feuerwehr und in Abstimmung mit der Verwaltung.

Haben Sie schon eine Agenda für Villingen-Schwenningen?

Ich war schon unten und bin herzlich aufgenommen worden. Es war immer ein offener und ehrlicher Dialog mit allen Beteiligten. Wichtig ist mir, dass man nicht über die Köpfe anderer entscheidet. Das wird Zeit brauchen. Die Zeit habe ich in Horb gebraucht und die wird es auch in Villingen-Schwenningen brauchen.

In Horb haben Sie hervorragende Arbeit geleistet. Warum der Wechsel?

Villingen-Schwenningen ist um ein Vielfaches größer. Man hat die Verantwortung für ein eigenes Amt. Das ist eine ganz neue Herausforderung und die Perspektive. In Horb habe ich mich zehn Jahre eingearbeitet und habe viel bewegt. Man hat es geschafft, alle Abteilungen miteinander zu verbinden. Sie können heute Atemschutzträger und Führungspersonal von Betra und vom Dießener Tal mischen, von Mühlen bis Mühringen – das funktioniert heute alles. Es interessiert mich, solche Prozesse zu gestalten und da erwarte ich in Villingen-Schwenningen eine neue Herausforderung für mich. Ein weiterer Beweggrund war die lukrative Stelle und der Aufstieg in den höheren Dienst. Und die Aussicht, eine neue Perspektive zu bekommen.

Wo liegt diese Perspektive?

Als Amtsleiter kommt baurechtlich der vorbeugende Brandschutz dazu. Und der komplette Zivilschutz. Diese ganze Planung wird in Villingen-Schwenningen auch zentral über die Feuerwehr geregelt. Beispielsweise ein Blackout – also der komplette flächendeckende Stromausfall oder Unwetterlagen. Das heißt, in dieser Position sich nicht nur um die Feuerwehr zu kümmern, sondern darum, wie man die Bevölkerung schützen kann. Wie kann man evakuieren? Wo kommen die Menschen unter?

Villingen-Schwenningen, Wohnsitz in Horb. Haben Sie dann zwei Alarm-Pieper?

Nein. In Horb würde ich dann bei der Feuerwehr aufhören. Des wäre auch nicht fair gegenüber dem Nachfolger. Wichtig ist mir aber, dass ich weiterhin alle Prüfungen mache, die auch ein normaler Feuerwehrmann macht. Denn ich halte nichts davon, von oben zu agieren. Nur wenn man das macht, was das normale freiwillige Feuerwehrmitglied auch zu absolvieren hat, bleibt man auch als Führungskraft glaubwürdig.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in Horb?

Wenn man Einsätze hat, wo Existenzen bedroht werden oder sogar Menschen ihr Leben verlieren, trifft es einen schlimmer, als wenn man einen Großbrand hat mit hunderten von Einsatzkräften. Das geht mir persönlich sehr nahe und bewegt mich. Genauso, wenn ein Feuerwehrmann verunglückt. Vielleicht hat man noch die Verantwortung und schickt ihn in das Gebäude rein, und nachher trägt er einen Schaden davon. Das sind so Sachen, die einen sehr belasten.

War die Eröffnung des Rettungszentrums das Highlight Ihrer Tätigkeit in Horb?

Ja. Aber weniger das materielle und die Bauten. Das Highlight war, mit dem Rettungszentrum die Menschen zusammenzubringen. Ob links oder rechts vom Neckar oder Hohenzollerisch. Dass sich jetzt alle als eine Feuerwehr Horb begreifen und Hand in Hand zusammenarbeiten. Das haben wir inzwischen geschafft. Und wenn man hier im Rettungszentrum sitzt, dann ist jeden Tag irgend jemand von den Kameraden da – auch ohne Einsatz.

Die Feuerwehr Horb hat es geschafft, die Trendwende der sinkenden Mitgliederzahlen zu stoppen.

Das liegt auch an dem Zusammenwachsen. Es gibt nach außen ein ganz anderes Bild, wenn alle Abteilungen diese Einigkeit auch nach außen tragen.   Die Fragen stellte Jürgen Lück

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