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Horb a. N. Corona-Krise verschärft Problem der Wohnungslosigkeit

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Die Wohnungssuche ist ganz besonders schwierig für Alleinerziehende, noch dazu mit Haustieren. Foto: Sommart – stock.adobe.com

Horb - Wenn der Verlust der Wohnung droht, sind die Gründe oft vielfältig: von der finanziellen Not bis hin zur Überforderung. Die Erlacher Höhe hilft in diesen Fällen. Besonders die Corona-Situation macht die Notwendigkeit dieses Angebots wieder deutlich.

Schwierige Wohnsituationen können aus den unterschiedlichsten Gründen entstehen. "Die Ursachen sind so vielfältig wie unsere Gesellschaft, genauso wie die Menschen, die zu uns kommen", erklärt Manuel Trick, Sozialarbeiter, der bis vor zwei Jahren für die Erlacher Höhe in Horb tätig war und nun für Freudenstadt zuständig ist. Bei Menschen in Wohnungsnot dürfe man auch nicht an den bärtigen Obdachlosen auf der Straße denken. "Das haben wir im Kreis Freudenstadt eher selten", erklärt Trick. Insgesamt seien es alte Menschen, Suchtkranke, Haftentlassene, Menschen, die aus Programmen herausfallen und auch Alleinerziehende.

In Horb sind eher Fraun von Wohnungslosigkeit bedroht

Im Vergleich zu den Fällen in Freudenstadt seien es besonders in Horb eher Frauen, – speziell Alleinerziehende – die bedroht seien, ihre Wohnung zu verlieren. Das bestätigt Sabine Laabs-Buschbacher, die in Horb als Sozialarbeiterin arbeitet. Sie stellt diese Entwicklung auch in Zahlen – bis Juni 2020 – dar: In Freudenstadt liegt der Anteil bei 27,5 Prozent Frauen, welche die Fachberatung nutzen. In Horb sind es hingegen 46 Prozent. Ebenso beim ambulanten betreuten Wohnen: In Freudenstadt nutzen 35 Prozent Frauen dieses Angebot, in Horb sind es 44 Prozent.

Warum in Horb eher Alleinerziehende betroffen seien, liege einerseits daran, dass es in Freudenstadt ein besseres Netzwerk auch durch das Familienzentrum gebe. Dort würden viele Fälle vorher abgefedert. "In der Beratung in Freudenstadt sind es deutlich weniger Alleinerziehende", berichtet Trick von seinen Erfahrungen in Horb und Freudenstadt. Zudem sei das Wohnraumangebot in Freudenstadt besser, sagt Laabs-Buschbacher. "In Horb ist die Lage prekär." Der Druck auf Alleinerziehende – ob Mann oder Frau – sei in dieser Notsituation besonders groß, denn der Verlust der Wohnung bedeute oft auch den Verlust der Kinder. Denn wenn eine Person in eine Unterkunft untergebracht werde, sei das Kindeswohl gefährdet – ein enormer Druck also. "Die Fälle werden oft jedoch noch abgewendet, indem es Hilfe durch die Kommune gibt", berichtet Trick.

Nicht nur Alleinerziehende betroffen

Inzwischen sei die Situation, dass dringend Wohnraum gebraucht werde, erkannt. Vor ein paar Jahren sei das noch anderes gewesen, sagt Günther. "Mit Immobilien lässt sich derzeit sehr viel Geld machen, doch dabei wird nicht der soziale Wohnraum favorisiert", sagt Trick. Dennoch brauche Wohnraum, der auch auf andere Gruppen, als die Gutsituierten abziele.

"Die Abhängigkeit vom Jobcenter bei der Wohnungssuche macht es schwierig", schildert Laabs-Buschbacher ein Problem, das nicht nur Alleinerziehende betreffe. Oft sei die Wohnung schon weg, bis die Anfrage beim Jobcenter durch sei. "Mit Kindern ist die Wohnungssuche noch schwieriger", sagt Trick – und seine Kollegin, Laabs-Buschbacher, ergänzt: "Mit Kindern und Tieren braucht man gar nicht erst anzufangen." In diesem Zuge betonen die Mitarbeiter der Erlacher Höhe, dass sie sich jederzeit freuen würden, wenn sich Vermieter bei ihnen melden würden.

In erster Linie gehe es in der Arbeit der Sozialarbeiter darum, den Menschen aus ihrer schwierigen Wohnsituation zu helfen und die Obdachlosigkeit zu vermeiden. Der Kontakt zu den Menschen entstehe dabei auf ganz verschiedene Weise: teilweise über das Jobcenter oder aber auch über Gerichtsvollzieher. In einer anonymen Fachberatung werde dann die Lebenslage festgestellt – was wird gebraucht, und wo liegen die Probleme? Manchmal seien es Mietschulden, dann würden die Soziarbeiter bei den nötigen Anträgen helfen. "Bei dem Verlust des Wohnraums entstehen extrem hohe Kosten, die gilt es zu vermeiden", so Trick. Ebenfalls komme eine große psychische Belastung auf die Menschen zu, fügt Wolfgang Günther, Abteilungsleiter der Erlacher Höhe hinzu.

Im Fall des tatsächlichen Verlusts der Wohnung gebe es einerseits die ordnungsrechtliche Unterbringung – im Fall von Horb ist diese in Dettingen am Sportplatz verortet. Hier gelte jedoch nur der absolute Mindeststandard in der Unterkunft. Die Erlacher Höhe hat in Freudenstadt außerdem ein stationäres Aufnahmeheim.

Die Corona-Krise sei für die Mitarbeiter der Erlacher Höhe ebenfalls spürbar. "Es kommen viele Fälle rein. Große Probleme gibt es speziell bei Selbstständigen", schildert Laabs-Buschbacher. Wenn nun die teilweise ausgesetzten Mietzahlungen wieder fällig werden und Sanktionen wieder gelten, werde es vermutlich noch mehr werden. "Allein diese Woche hatte ich schon drei Fälle. Die Nachwirkungen werden uns noch lange beschäftigen. Wenn sich jemand vor Corona in einer leicht prekären finanziellen Situation befunden hat, dann hat sich die jetzt massiv verschärft und zu einem richtigen Problem gewandelt", ist sich die Sozialarbeiterin sicher. Viele seien am absoluten emotionalen Limit.

Die Erlacher Höhe arbeitet im Auftrag des Landkreises. Für die Zukunft wünscht man sich einen Tagesaufenthalt in Horb. Zudem hoffen die Verantwortlichen auf eine bessere Wohnraumversorgung. "Das ist immer Thema, und hier herrscht ein großer Engpass", fassen die Mitarbeiter abschließend zusammen.

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