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Homeschooling in Loßburg "Regierung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht"

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Der Online-Fernunterricht, der noch vor wenigen Monaten überwunden geglaubt war, hat wieder Einzug gehalten. Aufgaben gibt es per Internet-Plattform, Unterricht per Video-Konferenz. (Symbolfoto) Foto: Felix Kästle/dpa

Seit Anfang dieser Woche haben Schüler wieder Unterricht. Auf welche Weise der stattfindet, da darf jede Schule ihr eigenes Süppchen kochen. Schulleiter Thomas Gisonni aus Loßburg wünscht sich klarere und vor allem einheitliche Richtlinien von oben.

Loßburg - Die Schüler der Gemeinschaftsschule in Loßburg sind allesamt daheim. Der Online-Fernunterricht, der noch vor wenigen Monaten überwunden geglaubt war, hat wieder Einzug gehalten. Aufgaben gibt es per Internet-Plattform, Unterricht per Video-Konferenz.

Auf der Videoplattform gehen nur Textnachrichten

Auch für die oberen Klassenstufen, die bald die Abschlussprüfungen vor sich haben, gibt es keine Ausnahme. Alles andere, so Schulleiter Gisonni, wäre unverantwortlich. "Die Inzidenz-Zahlen gehen wieder hoch und wir haben jetzt auch noch eine neue Version des Corona-Virus. Ich denke, dass die Gesundheit nun einfach an erster Stelle stehen muss."

So hat die Loßburger Schule entschieden. Einheitliche Vorgaben vonseiten der Regierung gebe es nicht. "Es ist nicht geregelt, ab welcher Inzident-Höhe Fernunterricht angebracht ist", erklärt Gisonni. "An diesem Donnerstag wird, soweit ich weiß, in der Landesregierung noch einmal beraten, wie es weitergeht", sagt er. "Eine Grundentscheidung in dieser Hinsicht wäre hilfreich."

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Von der Arbeit der Landespolitik ist der Schulleiter bisher enttäuscht. "Die Regierung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht." Am ersten Tag seien die Server, über die alle Schulen auf ihre digitalen Plattformen zugreifen, dermaßen überlastet gewesen, dass sie zusammengebrochen seien. Ein normales Arbeiten sei nicht mehr möglich gewesen. "Bei uns fängt der Unterricht verhältnismäßig früh an", erklärt Gisonni. "Am morgen hat die Online-Kommunikation noch funktioniert. Aber als sich die anderen Schulen dann auch ins Netz eingewählt haben, ging irgendwann gar nichts mehr." Ihm dränge sich der Verdacht auf, dass die verantwortliche Kultusministerin so hartnäckig auf Präsenzunterricht als aus ihrer Sicht einzig richtigen Ansatz für Schule gepocht habe, weil das Problem bekannt war. Man habe es einfach versäumt, die Plattformen und Server so aufzurüsten, dass sie auf den Ansturm der vielen Schüler und Lehrer gerüstet sind.

Ebenso sieht das Matthias Wagner-Uhl, Vorsitzender des Vereins für Gemeinschaftsschulen Baden-Württemberg. Er nennt es den "nächsten Höhepunkt kultusministeriellen Versagens". Nach gut 45 Wochen mit Schulen im Corona-Modus scheinen die technischen Voraussetzungen für den Heimunterricht kaum weiter zu sein, als im Frühjahr 2020, schreibt er in einer Mitteilung. "Die Wut der Beteiligten könnte kaum größer sein. Was wurde verkündet, verlautbart und palavert." Doch vom Reden digitalisiere sich Schule nicht. "Da haben tausende von Kollegen die Ferien damit verbracht, sich auf den Schulstart gut vorzubereiten und dann scheitert es – wieder einmal – an den technischen Voraussetzungen."

Auch Gisonni sieht die Schuld nicht bei den Lehrern. "Die Kollegen haben viel Arbeit hineingesteckt, damit alles funktioniert. Und dann konnten wir die Plattformen gar nicht richtig nutzen."

In den darauffolgenden Tagen sei es ein wenig besser gelaufen. Aber noch längst nicht akzeptabel. "Es gibt zum Beispiel ein Videotool vom Land, das viele Möglichkeiten eröffnen sollte", nennt Gisonni ein Beispiel. "Das einzige, was da halbwegs funktioniert, ist die Chat-Funktion. Für die Video-Funktion reicht die Kapazität nicht."

Immerhin habe die Loßburger Gemeinschaftsschule inzwischen eine Soforthilfe bekommen, mit der ein guter Satz I-Pads angeschafft worden sei. Die werden nun an Schüler ohne Endgeräte für den Digitalen Unterricht verliehen. Auch auf Landesgelder im Rahmen des Digitalpakts hofft Gisonni schon lange. Die Anträge sind gestellt, Medienentwicklungspläne aufgebaut und eingereicht. Nun kam die Bestätigung, dass Schule und Gemeinde ihre Hausaufgaben gut gemacht haben. Die Mittel sind damit bewilligt, aber bis sie tatsächlich ankommen, so Gisonni, könne es noch dauern.

Gemeinschaftsschule kann Leistungsniveau noch halten

Die technischen Herausforderun gen haben die Schüler in den vergangenen Tagen fast an den Rand der Verzweiflung gebracht. Die Motivation dagegen sei nicht das Problem. "Wir erreichen die Schüler und vermissen nur wenige." Dass der Lehrstoff, ausgebremst durch die verlängerten Sommer- und Weihnachtsferien, nicht bis Jahresende durchgebracht werden könnten, glaubt Gisonni nicht. "Vielleicht müssen wir bei manchen Punkten auf dem Lehrplan Abstriche machen. Dementsprechend müssen natürlich auch die Prüfungen angepasst werden. Aber das hat schon im vergangenen Jahr gut funktioniert." Da sei der Abschluss-Durchschnitt sogar besser gewesen als in den Jahren zuvor. Das, so überlegt er, könne daran liegen, dass Schüler, die eine Gemeinschaftsschule besuchen, ohnehin das selbstständige Arbeiten gewohnt sind. Für sie sei die Umstellung auf das digitale Klassenzimmer nicht mehr so groß gewesen.

Wie es weitergehe hänge von der Entwicklung der Pandemie ab. Gisonni wäre es recht, wenn die Schulhäuser nun für zwei oder drei Wochen zu bleiben, damit man anschließend wieder richtig durchstarten könne. "Das ständige auf und ab schlaucht nämlich viel mehr."

Kommentar: Enttäuschend

Von Katja Fuchs

45 Wochen. Das ist ein knappes Jahr im Ausnahmezustand. Vor allem auch für die Regierung. Es ist aber auch ein Jahr, um Lösungen umzusetzen. Genutzt wurde es vonseiten des Kultusministeriums hauptsächlich, um über diese Lösungen zu reden. Das Ministerium scheint überfordert, die Schulen fühlen sich allein gelassen. Kaum zu glauben, dass es 50 Jahre nach dem ersten bemannten Mondflug nicht möglich ist, die Grundlagen für digitalen Unterricht zu schaffen. Die Arbeitsweise der Bildungs-Verantwortlichen passt nicht zu der Leistungsgesellschaft, die sie ein Stück weit selbst geschaffen haben. Der Fokus im System Schule liegt nämlich nicht auf lebensnahem Lernen und langem Überlegen. Der Fokus liegt auf Noten – und die werden weiterhin erbarmungslos eingefordert. Die Leidtragenden sind die Schüler, die für die Situation am wenigsten können.

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