Die Hollywood Vampires haben am Samstagabend in der Schleyerhalle begeistert: Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry überzeugten gut 100 Minuten lang mit hartem Rock und perfekt inszenierter Traumtänzerei.
Ursprünglich hatte Johnny Depp die Schule mit 16 ja geschmissen, um Rockstar zu werden. Nachdem dieses Projekt früh gescheitert war, sollte es bis 2022 dauern, ehe dem Hollywood-Filmstar an der Seite des englischen Gitarrenheroen Jeff Beck auch als Musiker die ersehnte Anerkennung zuteilwurde. Nachdem Jeff Beck nach Abschluss der umjubelten gemeinsamen Tournee vor einem halben Jahr gestorben war, reaktivierte Johnny Depp seine bessere Hobbyband Hollywood Vampires und präsentierte am Samstagabend in der Stuttgarter Schleyerhalle gemeinsam mit seinen alten Kumpels Alice Cooper, Joe Perry und Tommy Henriksen ein ergreifendes Jeff-Beck-Tribute-Instrumental mit eben Perry an Becks Originalgitarre.
Das sehnsüchtig-trotzige Tribut mit Diashow markiert einen emotionalen Höhepunkt eines an berührenden Momenten reichen Konzerts, das das Leben zelebriert, wenngleich viele seiner Songs den Tod im Titel tragen: Johnny Depp brilliert als schnoddrig-cooler Sänger und agiler Rhythmusgitarrist im Jim-Caroll-Cover „People who died“. Joe Perry, ein der Hairrock-Ästhetik der späten siebziger Jahre verpflichteter Brachialvirtuose, erlebt im Aerosmith-Cover „Walk this Way“ seinen siebten Frühling. Alice Cooper, ehemals sogenannter Schockrocker, überzeugt als erfrischend uneitler Conférencier der großen We-love-you-Johnny-Show und covert sich zum Schluss in „School’s out“ lustvoll selbst: Da ihnen und ihrem Publikum klassische Rockmusik derart überschäumende Freude bereitet, sehen die Hollywood Vampires in Stuttgart augenscheinlich keinen Grund, auch nur ein Reserverädchen des Rock neu zu erfinden.