Traditionellen Agroforst gibt es schon lange – zum Beispiel die Streuobstwiesen. Jetzt will der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit einem Modellprojekt, das auf dem Hof Sonnenwald in Schernbach gestartet ist, neuen Schwung bringen.
Die Wolken hängen tief, die Böden sind vom Dauerregen aufgeweicht, kein ideales Wetter zur Besichtigung des Agroforst-Modellprojekts auf dem Hof Sonnenwald in Seewald-Schernbach. Landrat Michael Rückert packt denn auch gleich seine Gummistiefel aus.
Mit dabei bei der Veranstaltung des Naturparks und der Universität Hohenheim sind auch zahlreiche Landwirte, die sich für Agroforstsysteme interessieren. Er sei erfreut, dass das Projekt zur Förderung von Agroforstsystemen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgerechnet in seinem Landkreis startet, sagt Landrat Rückert. Es gehe um moderne Landwirtschaft und Klimaschutz.
Markus Stollsteimer vom Landesbauernverband räumt zwar ein, dass er die Sache auch „ein bissle kritisch“ sehe. Aber auch ihm sei klar, dass die Landwirtschaft angesichts des Klimawandels neue Wege gehen müsse. Es könne „nicht einfach weitergehen wie bisher, man darf sich nicht dem Neuen verschließen“.
Moderne Form noch eher in den Kinderschuhen
Ganz neu ist die Idee Agroforst freilich nicht. „Die traditionelle Form von Agroforst sind die Streuobstwiesen“, auf die Baden-Württemberg so stolz sei, sagt Paul Hofmann, Landwirt auf dem Hof Sonnenwald, der schon seit längerem mit Agroforst-Projekten experimentiert. Es sei die Kombination von Wiesen und Äckern mit Baumbestand. Die moderne Agroforstwirtschaft hingegen, bei der „Acker- und Gehölzstrukturen gemeinsam angebaut werden“, so Hofmann, stecke noch eher in den Kinderschuhen – wohl nicht zuletzt wegen mangelnder Förderung, wie Hofmann andeutet.
Dem will das Modellprojekt, das vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord entwickelt wurde, jetzt abhelfen. „Mit unserem Modellprojekt unterstützen wir bis zu zehn landwirtschaftliche Betriebe dabei, Agroforstsysteme anzulegen“, heißt es. Zum Auftakt der Aktion gab es auf dem Hof Sonnenwald eine symbolische Baumpflanz-Aktion. Es heißt, das Projekt sei zunächst auf zwei Jahre angelegt.
Hof Spitzenreiter in Sachen Agroforst
Die Vorteile der Agroforst-Systeme seien mannigfaltig. Sie „schützen vor Bodenerosion, haben eine hohe Kapazität an Wasserspeicherung und CO2-Bindung und erhöhen die Bodendiversität“, so die lobenden Worte der Initiatoren des Projekts. Damit seien sie resilienter gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels wie etwa längeren Trockenperioden oder Starkregen-Ereignissen.
Der Hof Sonnenwald ist den Angaben zufolge Spitzenreiter in Sachen Agroforst im Südwesten, auf 16 Hektar wurden hier in den vergangenen Jahren mehr als 30 000 Gehölze auf Acker- und Grünlandflächen angelegt – angeordnet in jeweils langen Streifen, die genügend Abstand haben, dass auch größere landwirtschaftliche Maschinen gut hindurchfahren können. Es handelt sich laut Naturpark um das größte Agroforst-Projekt in Süddeutschland. Auf den Wiesen zwischen dem Gehölz können auch Rinder und Schafe grasen, so Hofmann weiter.
„Die Gehölze mindern die Windgeschwindigkeit oder reduzieren bei Starkregen die Wassermengen und schützen so den Boden vor Erosion“, loben die Experten vom Naturpark. Das Modellprojekt sei ein erster Schritt, hieß es. Jetzt müsse sich zeigen, wie es angenommen wird. „Landwirtschaft ist Klimaschutz“, meint der Bürgermeister der Gemeinde Seewald, Dominic Damrath.