Der Röthenlochhof wird in diesem Jahr 350 Jahre alt. Unterkirnachs Ehrenbürger Helmut Glatz verstarb im Jahr 2006 und lebte mit seiner Familie auf diesem Hof. 1962 wiederholte er eine Wette, die ein Wagnergeselle bereits im Jahr 1562 geschafft hatte.
Im September feiern Silke und Klaus Richter das 350-jährige Jubiläum des Hofs „Röthenloch“. An zehn Tagen werden sie mit einem umfangreichen Programm – auch das Forstamt der Stadt Villingen feiert mit – an die lange Geschichte dieses Hofs erinnern.
Familie Richter hat den Hof saniert und umgebaut, sodass er jetzt schmuck dasteht, aber trotzdem erkennt man an alten Bildern den Hof wieder.
So hat sich auch Helmut Glatz vor mehr als 20 Jahren im Gespräch mit unserer Redaktion an seine Zeit im Röthenloch erinnert. Glatz, der vor 20 Jahren verstarb, war 1932 in Villingen geboren und lebte ab seinem vierten Lebensjahr mit seinen Eltern und Geschwistern im Röthenloch. Der Hof gehörte der Stadt Villingen und der Vater von Helmut Glatz war als Waldarbeiter beim Villinger Forstamt angestellt.
Das Röthenloch liegt zwar auf Unterkirnacher Gemarkung, ist aber doch ein Stück von der Gemeinde entfernt, mitten im Wald. „Als ich nach Unterkirnach zur Schule ging, gab es weder einen Bus noch gute Wege zur Straße, die von Unterkirnach nach Vöhrenbach führt, und ich musste laufen“, berichtete er damals.
Lehre als Wagner
Das sei im Sommer recht und gut gewesen, aber im Winter, und damals gab es lange Winter, sei es anstrengend gewesen, erinnerte er sich. Morgens ganz früh habe er mit der Kuh einen Weg zur Straße bahnen müssen, die Kuh zurückbringen und dann den Weg zur Schule (heute das alte Schulgebäude) tippeln müssen, so Glatz.
Als er angefangen habe, Musikunterricht zu nehmen, damals bei Hermann Furtwängler im Schlegeltal, sei das auch noch einmal ein extra Fußmarsch gewesen. Glatz wollte sich nicht beschweren, so sei es eben auf dem Land mit Außenhöfen gewesen.
Aber das war noch nicht alles, denn Helmut Glatz machte in Vöhrenbach eine Lehre als Wagner. Da musste er morgens um 7 Uhr mit der Arbeit beginnen, diese ging bis 18 Uhr. Und da ein Lehrling zu dieser Zeit von dem Lehrherren nicht bezahlt wurde, im Gegenteil, der Lehrling musst den Lehrherren bezahlen, arbeitete er morgens vor 7 Uhr und abends nach 18 Uhr noch im Stall des Lehrherren.
Wer die Lage des Röthenlochhofs kennt und weiß wo Vöhrenbach liegt, kann sich vorstellen, welche Strecke er zweimal am Tag zurücklegen musste, auch im Winter. „Ich bin meistens gerannt“, erzählte er trocken.
1962 wiederholte Helmut Glatz die Wette, die ein Wagnergeselle im Jahr 1562 geschafft hatte, und die von manchen Bürgern der Stadt Villingen nicht so recht geglaubt wurde. Glatz, der damals im städtischen Dienst im Werkhof tätig war, wollte die Wette wiederholen, um zu beweisen, dass dies möglich war und um die Ehre seines Kollegen aus dem Jahre 1562 zu retten.
Wette in 24 Stunden
Innerhalb von 24 Stunden musste er ein Rad anfertigen, mit diesem nach Rottweil laufen, wobei er das Rad mit der Hand antrieb. Er lief über Nordstetten, Kappel und Niedereschach nach Rottweil. Dort wurde er von seinen Musikerkollegen aus Unterkirnach erwartet. In der Gaststätte verzehrte er den Wert des Rades, das waren etwa 40 Mark. Zwei Stunden nach seiner Mahlzeit lief er zurück, wobei der Rückweg von Zuschauern dicht gesäumt wurde. Um halb sechs Uhr erreichte er Villingen, mit dem Bau des Rads hatte er am Vorabend um 18 Uhr begonnen.
Er wurde von der Kavallerie, der Bürgerwehr, der Villinger Stadtmusik, der Musikkapelle Unterkirnach und vielen Bürgern erwartet und gefeiert.
In Unterkirnach war Helmut Glatz von 1965 bis 1994 Mitglied des Gemeinderats. Er war Dirigent des Musikvereins von 1981 bis 1997 und kümmerte sich auch um die Ausbildung vom musikalischen Nachwuchs. Für den Tourismus in der Gemeinde setzte er sich unermüdlich ein, so war die Wahl der Heidelbeerkönigin seine Erfindung und ein großer Erfolg. Glatz war Ehrendirigent des Musikvereins und Ehrenbürger der Gemeinde Unterkirnach. Er verstarb 2006 im Alter von 74 Jahren.