Originalhemden des Jungvolks des Dritten Reichs lassen im Heimatmuseum erahnen, wie sehr die Menschen in der damaligen Zeit von klein auf beeinflusst wurden. Foto: Bantle Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatmuseum: Originalhemden des Jungvolks dienen als Anschauungsobjekte der geschichtlichen Aufklärung

Im Heimatmuseum der Gesamtgemeinde Niedereschach sind viele Dinge zu entdecken, die ein Archiv darstellen, das die Zeugnisse der Lebensweise in einer vergangenen Zeit anschaulich bewahrt.

Niedereschach. Dabei sind die Themen sehr vielfältig. Es gibt Uhrenmuseen, Puppenmuseen, Knöpfemuseen, Kaffeekannenmuseen und unendlich viele andere mit speziellen Besonderheiten, die sich mehr oder weniger eng mit einem Thema befassen. Dabei kann ohne weiteres auch der Heimataspekt eine Rolle spielen.

Nicht immer sind Dinge, die in ein Heimatmuseum gelangen, ganz unproblematisch. Sollten sie Personen betreffen, die zwar nicht mehr leben, aber noch lebende Bezugspersonen vorhanden sind, so ist zu prüfen, ob es bei einer öffentlichen Darstellung zu Interessenkonflikten kommen könnte.

Anders verhält es sich meist, sofern es sich um gebräuchliche und allgemein verfügbare Gegenstände handelt. Da können es auch Erzeugnisse von einer bestimmten Person sein wie zum Beispiel Schmiede- und Handwerksartikel, Kleidung und Trachten, Spielzeug und vieles mehr. Oft ist ein persönlicher Zusammenhang für die Identifizierung mit der Heimatgeschichte sogar von Vorteil. Im Vereinszimmer des Lebens-Spuren-Museums sind viele Gegenstände und traditionelle Gebrauchsartikel vorhanden, die unkommentiert durchaus Anlass zu Diskussionen geben könnten. Da sind zum Beispiel die über 100 Jahre alten Prunkfahnen der örtlichen Kriegsvereine, die Nationalität mit Kriegsverständnis nach unserer heutigen Ansicht verklären. Deshalb werden solche aus ihrer Zeit stammenden Zeugnisse entsprechend zu der heutigen Auffassung in Kontext gesetzt. Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern, aber aus einer Rückschau auf die Folgen kann man die damalige Begeisterung relativieren.

Ähnlich verhält es sich mit einer nun erfolgten ungewöhnlichen Überlassung eines Konvoluts von Originalhemden des Jungvolks des Dritten Reichs. Auch hier zeigt das Museumsteam die Methoden, aber auch Folgen der Beeinflussung schon im Kindesalter auf. Insofern dienen solche Anschauungsobjekte auch der geschichtlichen Aufklärung, da sie mehr vermitteln können als Bilder, sind die Museumsverantwortlichen überzeugt. Zu sehen, wie die Kinder schon der Indoktrination einer Wahnidee ausgesetzt waren, lasse auch die Tragweite dieses Handelns besser erleben. Weiterführend kann damit veranschaulicht werden, wie auch heute Ideologien versuchen, in die prägbaren Seelen der Kinder einzugreifen. "Ein Museum ist keine Lehranstalt, aber der interessierte Besucher wird doch sicher durch manche Objekte zu eigenen Gedanken angeregt, die sein Wissen, aber vielleicht auch seine Ansicht über manche Lebensweisen früher und heute, in ein anderes Licht setzen", sagt Museumsleiter Hans Otto Wagner.

Er und sein Team vom Lebens-Spuren-Museum laden regelmäßig dazu ein, dies selbst zu erleben und die Leistungen, aber auch Mühen und Verfehlungen der Vergangenheit aus erster Hand zu erfahren. Das Museumsteam hofft, bald wieder komplett öffnen zu können. Am Sonntag, 2. Mai, dem eigentlich geplanten Öffnungstag, muss das Museum wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben.

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