Thea Kornherr in ihrem Element. Foto: Daniel Schneider

Thea Kornherr lebt und arbeitet im Grünen. Zu Hause, in der Gärtnerei ihrer Familie nahe Tübingen, kann sie aus dem Vollen schöpfen. Dort findet die Heilkräuterexpertin, Floristin und Entspannungstrainerin alles, was sie braucht. Dort gibt sie ihr Wissen weiter – genau wie in Taiwan, Südkorea und China.

Wo anfangen bei dieser Fülle? Wo anfangen bei so vielen Eindrücken, so viel Schönem und so viel Natur? Wo anfangen bei Thea Kornherr? Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch das Leben der 44-Jährigen zieht, dann ist es die Fülle der Natur, die sie umgibt, und die Vielseitigkeit ihrer Fähigkeiten und Talente. Dazu kommt die Gabe, auch im Unscheinbaren das Besondere zu sehen.

 

Ausleben kann sie all das in ihrem „kleinen Paradies“, wie Thea Kornherr die Gärtnerei ihrer Familie nennt. Ein zwei Hektar großes Gelände in Dettenhausen bei Tübingen, „an der Schwelle zur Anderswelt“. So beschreibt Thea Kornherr mit einem Augenzwinkern die Lage am Waldrand – und meint es doch ernst. Hier lebt und arbeitet sie. Hier findet sie alles, was sie braucht. Thea Kornherr ist Floristin, Heilkräuterexpertin und Entspannungstrainerin.

Ein Blumenmädel

Den Grundstein für diese Vielseitigkeit haben Thea Kornherrs Eltern, Monika und Martin, 1979 mit der Gründung der Gärtnerei gelegt. Im Jahr davor war Töchterchen Thea geboren. Sie ist aufgewachsen zwischen all den Blumen und den Kräutern, die ihr Vater mit der Zeit zusammengetragen hat. In gewisser Weise war Thea Kornherrs Weg also vorgezeichnet.

Besser schlafen und das Immunsystem stärken durch die Kraft der Natur oder Wissen über Küchen-, Frauen- oder Hexenkräuter vermitteln: Da ist Thea Kornherr in ihrem Element. Foto: Daniel Schneider

Dass sie eine Ausbildung zur Floristin machte, war nicht verwunderlich. Dass es sie dabei, trotz aller Heimat- und Naturverbundenheit, auch in die große weite Welt zog, schon eher. Nach der Lehre in Stuttgart sammelte sie Erfahrung als Assistentin bei namhaften Meisterfloristen im Inland und Ausland. Sie verbrachte sechs Monate in Taiwan und absolvierte eine Ikebana-Ausbildung, erlernte also die japanische Kunst des Blumensteckens. Vier Jahre später ließ sich Thea Kornherr als Florist-Trainerin qualifizieren. Bis heute gibt sie ihr Wissen an andere Blumen-Spezialisten weiter – in Deutschland genauso wie in Taiwan, Korea und China. 2013 absolvierte sie eine Ausbildung in Phytotherapie, der Kräuterheilkunde, dann folgten Trainerscheine und Ausbildungen in Qi Gong, Entspannungstherapie und Zenbo Balance.

Alles fließt

Auf den ersten Blick sind das völlig unterschiedliche Bereiche. Doch alles fließt ineinander: So beschreibt die Dettenhausenerin die Melange, die sie lebt und arbeitet. Es gibt keinen Strauß, in den Thea Kornherr nicht Kräuter bindet, keinen Kurs, in dem nicht auch Entspannungstechniken vorkommen. Und wenn sie auf einer Bühne steht, um vor Publikum zu kochen, dann würzt sie mit eigenen Pflanzen aus dem 2015 eröffneten Kräutergarten Kornherr. Zu diesem gehört die „internationale Schule für Floral Design und natürliche Wege zur Gesundheit“.

2013 absolvierte sie eine Ausbildung in Phytotherapie, der Kräuterheilkunde, dann folgten Trainerscheine und Ausbildungen in Qi Gong, Entspannungstherapie und Zenbo Balance. Foto: Kornherr

Den Kräutergarten hat sie einer Zwangspause zu verdanken. Durch eine Hüft-Operation wurde Thea Kornherr ausgebremst. Ausgerechnet dieser jähe Stopp, und das passt dann doch wieder in den Lauf der Dinge von Thea Kornherrs Leben, verschaffte ihr die Zeit, die Phytotherapie-Ausbildung zu machen. So stellte sie das Wissen, das sie von ihrem Vater bekommen hatte, auf eine solide Basis. Mit Esoterik, das ist der 44-Jährigen wichtig zu betonen, hat die Kräuterheilkunde für sie nichts zu tun. Sie stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Basis indes sind die 350 verschiedenen, essbaren Wildpflanzen, die Martin Kornherr im Lauf der Jahrzehnte zusammengetragen hat. „Die werden wirklich gehegt und gepflegt.“ Früher, erinnert sich die Tochter, sei die Familie belächelt worden, wenn sie Löwenzahn zu Ausstellungen mitbrachte. Mittlerweile wissen nicht nur die Kornherrs zu schätzen, was die heimische Natur schenkt. Ihr Wissen gibt Thea Kornherr in Kursen weiter. Wer daran teilnimmt, macht Hustenbonbons oder stellt Salben her, sammelt Kräuter im Garten oder auf der Wiese und kocht daraus ein Fünf-Gänge-Menü. Und dekoriert davor noch den Tisch mit selbst gemachtem Blumenschmuck – es fließt tatsächlich alles ineinander.

Giersch statt Salz

Essbare Pflanzen sehen nicht nur schön aus, sie sind auch gesund. „Generell tut es gut, so viel Grün wie möglich zu essen und so viele Wildkräuter“, erklärt Thea Kornherr. Je frischer, desto besser. Das liegt unter anderem am Chlorophyll. Das Blattgrün ist laut der Expertin sehr gut für die Zellen. Auch viele andere Inhaltsstoffe der Pflanzen tun Menschen gut. Doch wer kennt schon die Vogelmiere? Eine kleine Handvoll deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C. Oder Giersch, der, wenn überhaupt, als Unkraut bekannt ist, hilft bei Arthrose, Gicht und anderen Gelenkerkrankungen. Zudem würzt er super, erklärt Thea Kornherr. So lässt sich Salz einsparen – was ebenfalls gesund ist.

Thea Kornherr sorgt in Basics- oder Impuls-Schulungen für frischen Wind in der Floristik – weltweit, so wie hier in Taiwan. Foto: Kornherr

Ein Lieblingskraut hat die Pflanzenexpertin nicht. „Es wäre ungerecht einem anderen Kraut gegenüber.“ Sie schaut eher, welches Leiden am größten ist und welche Pflanze helfen kann. Dabei ist ihr wichtig zu betonen: „Wir brauchen selbstverständlich die Schulmedizin.“ Vor dieser hat sie großen Respekt. Aber für viele Wehwehchen, etwa in der Erkältungszeit, gibt es eine pflanzliche Alternative. Und bei schweren Erkrankungen stehen Kräuter zur Verfügung, die neben der normalen Medikation unterstützend wirken können. Das kann zum Beispiel für Krebspatienten ein Entspannungstee während der anstrengenden Therapie sein.

Gegen den Stress

So schließt sich der Kreis zu Thea Kornherrs drittem Wirkungsbereich als Entspannungstrainerin: Nicht nur Kräuter wirken, auch die richtigen Techniken unterstützen beim Umgang mit Stress. Als Floristin weiß sie, wie hoch die Erwartungen der Kunden sein können. Wenn sie angehende Kolleginnen und Kollegen ausbildet, merkt sie, wie schwer es sein kann, mit diesem Druck richtig umzugehen. „Der Stresspegel ist sehr hoch“, ist ihre Erfahrung aus den Kursen, die sie auch in völlig anderen Unternehmen anbietet. Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen von ihr Entspannungsmethoden genauso wie Tipps für die richtige Haltung – die ist auf dem Schreibtischstuhl vor dem PC genauso wichtig wie beim Binden eines Straußes im Stehen.

Ende Februar bis Anfang März war Thea Kornherr wieder in Taiwan, um Floristen auszubilden. Etwa dreimal im Jahr fliegt sie dafür nach Asien. Vor Corona hat sie gar 40 Prozent ihrer Zeit dort verbracht. Trotzdem hat sie die „normale Arbeit“ einer Floristin nie aufgegeben. Bis heute ist die Gärtnerei Kornherr ein Drei-Mann-Familienbetrieb. Und selbst wenn die Junior-Chefin in der Szene eine gewisse Bekanntheit hat und auf Instagram und Facebook zu sehen ist: „Ich mag natürlich fancy Floristik und im Rampenlicht zu stehen“, meint sie, „aber es macht genauso viel Spaß, an der Basis zu sein.“ Dazu gehört auch, Unkraut zu jäten und den Rasen zu mähen. Es geht darum, „das wahrzunehmen, was man im Moment tut“. Mit Blumen und Kräutern könne man Menschen in den Moment holen. „Das ist heutzutage ein großer Luxus, weil alles so schnelllebig ist.“

Ein Tausendsassa: Ob Würze fürs Essen oder „Würze“ für die Psyche – Thea Kornherr verbindet ihre Leidenschaften zu einer stimmigen Symbiose. Foto: Kornherr

Je länger sie in ihrem Beruf arbeitet, desto weniger kann Thea Kornherr mit hochgezüchteten Blumen anfangen. Das passt für sie nicht zum Respekt vor der Natur. Deshalb hat sie sich dieses Jahr zum ersten Mal entschieden, am Valentinstag keine roten Rosen mehr zu verkaufen. Vor solchen Tagen wird die Auslieferung der Rosen von den Erzeugern extra gebremst, um sie kurz vor dem 14. Februar teuer verkaufen zu können, erzählt die Dettenhausenerin. Dann stimme allerdings auch die Qualität nicht mehr. Ohnehin mögen die Kornherrs das Unscheinbare und Bescheidene besonders. Gräser oder kleine Blüten von der Wiese sind ihnen in einem Strauß oder Blumenarrangement genauso wichtig wie Züchtungen aus dem Gewächshaus. Mit Schlagworten kann Thea Kornherr nicht viel anfangen, weil sie so abgedroschen klingen. Regionalität und Nachhaltigkeit sind ihr dennoch wichtig. „Ich bin nicht als Moralapostel unterwegs“, erklärt sie. Aber zumindest in ihrer kleinen Welt will sie versuchen, einen Unterschied zu machen, auch indem die Floristin alternative Steckhilfen benutzt, ohne Draht und Mikroplastik.

Wahre Kunst

Eins ergibt sich aus dem anderen: So war das immer in Thea Kornherrs Berufsleben. Sie hat Dinge getan, ohne zu wissen, wohin dies führt. Die 44-Jährige zieht den Vergleich zum Schneeballsystem: Was klein anfängt, nimmt an Fahrt auf und wird immer größer. Aufgrund eines von ihr veröffentlichten Floristik-Fachartikels unterrichtete sie an der Landesberufsschule in Südtirol. Und seit einmal eine Tübingerin in der Gärtnerei ihren Geburtstag feierte, finden dort auch Junggesellenabschiede oder Kindergeburtstage statt. Und aus der Nähe zum Museum Ritter in Waldenbuch haben sich bereits zwei besondere Ausstellungen ergeben: Sie hat Kunstwerke aus der Sammlung floral interpretiert, ihnen also kunstvolle Blumenarrangements gegenübergestellt. „Ich liebe die Auseinandersetzung mit Formen und Farben“, sagt Thea Kornherr. Eine Grenze zwischen Floristik und Kunst gibt es ohnehin nicht, das zeigt sich spätestens beim Blick auf ihre Werke.

Besser schlafen und das Immunsystem stärken durch die Kraft der Natur oder Wissen über Küchen-, Frauen- oder Hexenkräuter vermitteln: Da ist Thea Kornherr in ihrem Element. Foto: Daniel Schneider

Thea Kornherr schöpft aus dem Vollen, bei allem, was sie tut. „Ich glaub, dass ich das wahnsinnige Glück habe, das zu machen, was ich aus ganzem Herzen liebe“, sagt sie. Dass dafür an manchen Tagen 24 Stunden reichlich knapp sind, das merkt auch Thea Kornherr. Stressig sei das schon manchmal. „Aber was zurückkommt, gibt so viel Kraft und so viel Motivation“, sagt sie gerade über das Unterrichten in Asien. Und wenn sie doch einmal müde ist? Auch dagegen ist ein Kraut gewachsen: Dann trinkt die 44-Jährige einfach einen Gute-Nacht-Tee aus der eigenen Teekollektion.

Heilsames aus der Natur

Dost
Dost oder wilder Majoran tut den Atemwegen gut. Er wirkt krampflösend, desinfizierend und schafft es, dass die Nase wieder frei wird. Dafür wird ein Teelöffel Majorankraut zusammen mit einem Esslöffel Salz im Mörser zerrieben. Anschließend übergießt man ein bis zwei Esslöffel dieser Mischung mit 250 Milliliter heißem Wasser und inhaliert unter einem Handtuch, empfiehlt die Expertin.

Schafgarbe
Krampflösend, blähungs- und entzündungshemmend, zudem verdauungsfördernd: Das sind die Eigenschaften der Schafgarbe. Tee oder Wickel helfen bei krampfartigen Bauchschmerzen – egal ob diese von der Verdauung oder der Menstruation herrühren. Für den Wickel vier Esslöffel Schafgarbe mit einem Liter heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen.

Efeu
Die Kletterpflanze eignet sich nicht nur als natürliches Waschmittel, sie hat auch eine schleim- und krampflösende sowie hustenlindernde Wirkung. Efeu findet sich darum in entsprechenden Präparaten. Vorsicht: Selbst gesammelte Efeublätter dürfen nur äußerlich angewendet werden, etwa als Anti-Cellulite-Öl. Dafür wird eine Handvoll Blätter mit 40 Gramm Ingwer und 400 Milliliter Mandelöl gemischt.

Minze
Minze riecht nicht nur gut, sie wirkt auch schmerzlindernd, krampflösend, verdauungsfördernd, antibakteriell und kühlend. Tees und Wickel helfen bei Fieber, ätherisches Minzöl macht die verstopfte Nase frei. Dafür an dem Öl oder einem zerriebenen Blatt schnuppern. Zusätzlich hilft es, über Nacht eine Schale mit Wasser und zwei bis drei Tropfen Minzöl ins Schlafzimmer zu stellen.

Kamille
Blühende Kamille sieht nicht nur schön aus, sondern hat auch viele gute Eigenschaften: Als Tee hilft sie bei Blähungen, Durchfall, Verdauungsstörungen und krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden. Bei Entzündungen der Haut hilft eine Waschung, auf Wunden eine Auflage. Bei Atemwegserkrankungen bietet sich eine Inhalation an.

Brennnessel
Die Brennnessel strotzt vor Lebenskraft, die sie weitergibt. Das gilt auch für die Samen, die sich einfach in Salate oder andere Gerichte mischen lassen. Die Blätter werden wie Spinat zubereitet. Ein Brennnesselblatt, aufgelegt auf die betroffene Stelle, hilft bei arthrosebedingten Schmerzen. Als Tee wirkt die Pflanze auch bei Harnwegsinfektionen und Prostatabeschwerden.

Mädesüss
Ein eher unbekannter Helfer gegen Fieber und Schmerzen ist Mädesüß. Dabei ist das Salicin, das er enthält, auch die Basis für Aspirin. Bei fieberhaften Infekten hilft es laut Thea Kornherr, morgens und abends eine Tasse Mädesüß-Tee zu trinken. Wer ein Tuch mit einem starken Mädesüß-Aufguss tränkt und als Kompresse verwendet, beruhigt schmerzende Gelenke.

Der große Wiesenkopf
Bereits im Mittelalter wurde der große Wiesenkopf als blutstillendes Heilmittel verwendet. Auch heutzutage kommt er noch in der Volksheilkunde zum Einsatz. Er wird äußerlich als Umschlag bei Hauterkrankungen verwendet und innerlich zum Gurgeln bei entzündetem Zahnfleisch. Kleingeschnitten bringen seine Blätter zudem Würze in viele Speisen.

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