Das Ehepaar Hans Georg und Elikonida Silvia Yourievsky beim Fotoshooting in der Villa Eugenia. Foto: Krasser

Die Villa Eugenia in Hechingen hat viele Mitglieder und Förderer. Aus diesem Unterstützerkreis sticht nun ein schillerndes Paar heraus, mit dem sich ein mehr als 200 Jahre alter Kreis schließt, beginnend bei einem russischen Zaren. Die Geschichte dazu lesen Sie hier.

Dass diese Villa in den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts von der damaligen Fürstin Eugenie, Stiefenkelin des französischen Kaisers Napoleon, erbaut wurde, hat auch viel mit Napoleons mächtigstem Gegner zu tun, an dessen weitem Land und erbarmungslosem Winter der französische Kaiser mit seiner „Grande Armée“ im Jahr 1812 scheiterte: Alexander I., dem Herrscher Russlands.

 

Einer der reichsten Männer seiner Zeit

Eben dieser Alexander war es, der im Zuge des Wiener Kongresses eine tiefe Männerfreundschaft zu Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais entwickelte und letztlich dafür sorgte, dass Eugène, während Napoleons Herrschaft Vizekönig von Italien, für seine verlorenen italienischen Güter nach dem Sturz des französischen Kaisers mehr als fürstlich entlohnt wurde.

Eugène, der mit seiner Familie nach dem Sturz des französischen Kaisers zu seinem Schwiegervater Max I. nach Bayern flüchtete, galt dank dieser finanziellen Entschädigungen damals als einer der reichsten Männer im Land. So reich, dass auch seine Kinder und damit besagte Eugenie, die vor 198 Jahren Fürstin von Hechingen-Hohenzollern wurde, im damaligen Hochadel als besonders gute Partie galten. Was die damals 17-Jährige in ihre Ehe mit dem finanziell eher klammen Hechinger Fürstenhaus mitbrachte, war ein Segen für das kleine gebeutelte Land – und finanzieller Grundstock für den späteren Bau der Villa im heutigen Fürstengarten.

Hans Georg Yourievsky gilt als letzter Urenkel des Zaren Alexander II

Dem Zufall war es zu verdanken, dass sich heute erneut ein Abkömmling eines russischen Zaren diesem klassizistischen Bau als Förderer zuwendet und sich damit historisch der Kreis schließt: Hans Georg Yourievsky gilt als letzter Urenkel des russischen Zaren Alexander II. Der 62-Jährige residiert mit seiner Frau Elikonida Silvia, die aus einer deutsch-eidgenössischen Unternehmerfamilie stammt, in einer Villa am Hallwilersee in der Schweiz.

Einblick in die Fotosession in der Villa Eugenia Foto: Krasser

Beide sind unternehmerisch tätig, er im Immobiliensektor, seine 55-Jährige Frau als ganzheitliche Gesundheitsmanagerin. Eine gute PR ist Grundlage für ihre unternehmerischen Aktivitäten – und damit auch eine ständig aktualisierte Website. So suchte das Paar, das bei offiziellen Anlässen mit „Ihre Durchlauchten Prinz und Prinzessin“ angesprochen wird, in Zeiten der Corona-Pandemie ein schlossähnliches Ambiente für eine Fotosession, dank derer die eigene Homepage wieder auf den neuesten Stand gebracht werden sollte. Und man fand diese wie für solche Zwecke geschaffene Location in Hechingen – in der Villa Eugenie.

Paar sichert Förderverein weitere Spenden zu

Einen halben Tag verbrachten die Yourievskys mit befreundetem Kameramann und Maskenbildner in der Rotunde und in den früheren fürstlichen Gemächern der Villa. „Fantastische Bilder“ seien hier entstanden, schwärmt Elikonida Silvia Yourievsky noch Jahre später von diesem Shooting in der Hohenzollernstadt und legt als Beweis eine Fülle von standesgemäßen Porträts und Einzelaufnahmen in stilvollem Ambiente auf den Tisch.

Tanzszene in der Rotunde der Villa Eugenia Foto: Krasser

Geblieben ist den Yourievskys neben der gelungenen Erweiterung des familieneigenen Fotoalbums auch die Erinnerung an eine einzigartige Location – an die Villa Eugenia. Und weil dieses blaublütige Paar zudem noch verwandt ist mit Eugenies Familie - deren jüngster Bruder Maximilian heiratete 1839 die russische Großfürstin Maria, die älteste Tochter des russischen Zaren Nikolaus I., und damit Schwester von Hans Georg Yourievskys Urgroßvater – blieben sie der Villa so sehr verbunden, dass sie sich nun bei der Neuordnung ihrer Domizile in der Schweiz und in Deutschland erkenntlich zeigen wollten: mit vermachten Möbeln, die zum Stil der Villa passen. Bei diesen Geschenken soll es aber nicht bleiben. Zugesichert hat das Paar dem Förderverein weitere großzügige Spenden, darunter eine Salon-Sitzgruppe, barocke Beistelltische und Kommoden, die in der an Möbeln eher spartanisch ausgestatteten Villa einen neuen würdigen Platz bekommen sollen.

Dreikaiserbund lässt Konfrontation im Ersten Weltkrieg nicht verhindern

Für Historiker von besonderer Bedeutung ist der von dem Paar in Aussicht gestellte wertvolle Porzellanteller aus dem Dreikaiserservice, das an eine besondere Gegebenheit erinnerte: Im Jahr 1872 kam es zwischen dem österreichisch-ungarischen Monarchen Franz Joseph I., dem deutschen Kaiser Wilhelm I. und dem russischen Zaren Alexander II. in Berlin zu einem Zusammentreffen, das als politische Demonstration gedacht war und als Dreikaiserverhältnis und schließlich als Dreikaiserbund in die Geschichtsbücher einging. Ein Bündnissystem, das nicht lange überdauerte und die militärische Konfrontation von Deutschland und Österreich mit Russland im Ersten Weltkrieg nicht zu verhindern vermochte.

Solche private Unterstützung wie von den Yourievskys kann der Förderverein Villa Eugenia gut gebrauchen. In den vergangenen Jahren gingen die Spendeneinnahmen deutlich zurück. Während in den Anfangsjahren des Fördervereins private Spendengelder laut Kassier Edmund Belser noch reichlich flossen, sind solche privaten Zuwendungen heute eher eine Ausnahme. Dabei hat der Verein für den Erhalt der Villa jährlich Ausgaben im hohen fünfstelligen Bereich zu schultern. Allein im Jahr 2022 verschlang die denkmalgeschützte Villa Heizenergie für mehr als 18 000 Euro.

Über den Förderverein

200 Mitglieder
Der Förderverein Villa Eugenia wurde 2001 gegründet, um den Erhalt der Villa zu sichern. Neben der denkmalgerechten Sanierung des historischen Gebäudes strebte der Verein von Anfang an eine weitestgehende öffentliche Nutzung der Villa an. Der Förderverein hat rund 200 Mitglieder – darunter zahlreiche aktive Helfer, die Jahr für Jahr ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm auf die Beine stellen, darunter Konzerte, Ausstellungen und offene Kaffeenachmittage.