Mit dem Thema "Mikrokosmos" beschäftigt sich Angelika Kalchert in ihrer Malerei. Sie ist Aktives Mitglied im Kunstverein Hechingen und Chef-Galeristin in der Villa Eugenia. Positiv für sie an der aktuellen Situation: Sie hat mehr Zeit zum malen. In ihrem Atelier hängen auch ältere Arbeiten von ihr an den Wänden. Fotos: Stopper Foto: Schwarzwälder Bote

Kunstserie: Angelika Kalchert beschäftigt sich malerisch mit dem Thema "Mikrokosmos" / Neuestes Bild vor drei Monaten begonnen

Manchmal können selbst die kleinen Dinge, mit denen man sich beschäftigt, bedrohliche Ausmaße annehmen. "Mikrokosmos" ist das Thema, dem Angelika Kalchert seit drei Jahren in ihrer Malerei folgt. Es geht um die kleinsten Elemente, die die Natur bilden. Corona auch?

Hechingen. Naja, als Pandemie-Malerin sieht sie sich auf keinen Fall. Allerdings räumt sie ein beim Blick auf ihr jüngstes Bild, "das hat schon was von Zellen, von kleinsten Elementen der Natur und wie sie zusammenhängen".

Angelika Kalchert ist in Hechingen nicht nur als Aktive im Kunstverein Hechingen bekannt, sie ist auch die Cheforganisatorin der Galerie in der Villa Eugenia. Und dort geht es derzeit zu wie bei Dornröschchen. Die Ausstellung von Joche Warth und Andre Beutler hängt unberührt seit drei Monaten an den Wänden. Ohne Betrachter. "Aber wir haben gesagt, wir lassen das mal so, vielleicht geht ja noch was", erzählt Angelika Kalchert. Jetzt will sie zunächst beobachten, wie sich die Dinge entwickeln. "Mit guter Aufsicht, Mundschutz und so könnte man die Ausstellung vielleicht doch noch eine Zeit lang wieder öffnen", hofft sie.

Andererseits gibt sie offen zu, dass sie die Ausstellungsfreie Zeit auch genossen hat. "Ich komme jetzt endlich viel zum Malen, es zieht mich sehr da runter in mein Atelier". Was dort entsteht sind Bilder mit deutlich erkennbarer Handschrift. Viele sind aus amorphen Farbflächen aufgebaut, die Formen ähneln Aufnahmen von Einzellern im Mikroskop. Diese Aufnahmen kenne sie, ein wenig Inspiration seien sie auch, sagt sie, aber ihr geht es in ihren Motiven allgemein um Natur, um Strukturen, die sie dort sehe, um die kleinen Teile, die Gesamtheiten bilden.

Auch ihre Freude an der Kunst beruht auf der Gesamtheit zweier Dinge. Das selber malen und die Beschäftigung als Galeristin mit den Arbeiten und Ideen anderer Künstler. "Durch das Ausstellungen-Organisieren habe ich so tolle Künstler persönlich kennen gelernt", erzählt sie, Idee und Konzepte erfahren, sich austauschen. Das sei sehr inspirierend, "und das ist jetzt natürlich auch das, was mir fehlt."

"Ihr neuestes Bild hat sie vor etwa drei Monaten begonnen, eigentlich schon vor Jahren. Da war es eine jener missglückten Arbeiten, die bei vielen Künstlern in der Ecke verstauben. "Ich habe mir das noch mal vorgenommen, mit weißer Farbe das intensive Gelb rausgenommen, irgendwie ging das dann voran."

Angelika Kalchert: "Das ist ein echter Kampf"

Wenn sie malt, legt sie die Bilder flach auf dem Boden, benutzt sehr dünnflüssige Acrylfarbe, streut auch Steinchen und Sand auf die Leinwand, um die Oberfläche mit in das Bild einzubeziehen. Sie kennt die Farbenlehre, kalkuliert Kontraste sehr bewusst, versucht gleichzeitig, sich vom Zufall überraschen zu lassen. "Das ist schön, wenn das klappt", sagt sie, wenn das, was sie als Ziel spüre sich wirklich auf der Leinwand abbildet. Manchmal ein zermürbendes Spiel, das nicht immer glückt. Sie sagt: "Das ist ein echter Kampf".

Mittlerweile hat sie das Gefühlt, dass ihr Bild fertig ist. Sie sieht ein Fließen darin, Bewegung. "Das würde zur Kunstvereins-Jahresausstellung im Rathaus passen", sagt sie. Da sei "Mobilität" das Thema. "Wäre auf jeden Fall schön, wenn es bis dahin wieder normalen Ausstellungsbetrieb geben würde."

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