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Hechingen Publikum in Klang-Extase gespielt

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Zog die Zuhörer mehr und mehr in seinen Bann: der Gitarrist Martin Scales. Mit Bassist Thomas Heidepriem, Schlagzeuger Michael Kersting und Pianistin Gee Hye-Lee gab er in der Synagoge ein bemerkenswertes Konzert. Foto: Stopper Foto: Schwarzwälder Bote

Improvisation, Leichtigkeit, tiefes Verständnis, brillante Musiker – wer am Samstagabend in der Synagoge das Konzert "As Wes Montgomery Guitar Night to Remember" gehört hat, wird diese Entscheidung zur Freitzeitgestaltung schwerlich bereut haben.

Hechingen. Ein toller Abend, auch wenn man als Jazz-Halbgebildeter mit dem Namen Wes Montgomery vielleicht nicht viel anfangen kann. Immerhin so viel sagt Wikipedia: 6. März 1923 in Indianapolis geboren, 15. Juni 1968 ebenda gestorben. Ein "US-amerikanischer Jazz-Gitarrist, der mit seinen mit dem Daumen angeschlagenen Oktavketten und melodiösen Läufen bis heute einer der einflussreichsten Jazzgitarristen ist."

In Hechingen begab sich nun ein exzellentes Quartett renommierter Musiker auf seine Spuren. Der Gitarrist Martin Scales (der ein bisschen brauchte, um reinzukommen, dann aber grandios aufdrehte), Thomas Heidepriem am Bass (ein Guru an den tiefen Saiten), der Schlagzeuger Michael Kersting (ein Zauberer mit seinem kleinen Trommelensemble) und Gee Hye-Lee (Wunderbar. Als Kind Klassikpreise gewonnen, mit 16 zum Jazz gewechselt, heute tief drin in der Stuttgarter Jazz-Szene).

Und das Tollste: Alle vier hatten dieses Programm noch nie zuvor zusammen gespielt. Noten per Mail hin- und herschicken, einmal proben – dass daraus so ein toller Abend wurde, zeigt vielleicht am meisten, welche musikalische Klasse hier auf den Bühnenbrettern der Synagoge versammelt war.

"Caravan" von Duke Ellington im Eiltempo

Gespielt wurden Stücke im typischen Wes-Montgomery-Stil, also Jazz der 60er und 70er. Im ersten Programmteil wirkte das noch manchmal etwas bemüht historisch, wenn auch wahrscheinlich sehr originalgetreu. Stücke wie "Jingels" mit einem Dauerbecken-Einsatz im Hintergrund oder der Jazz-Walzer "West Coast Blues" erhielten aber viel Beifall. Und die Soli erhielten andächtig-ehrfürchtigen Beifall.

Nach der Pause kamen Stücken wie "Four On Six" mit komplexem Rhtyhmus, wunderschöne Balladen, "Caravan" von Duke Ellington im Eiltempo – und das Publikum geriet immer mehr in eine Klang-Extase. Wie Piano und Gitarre hier zu einer Stimme verschmolzen, sich ergänzten, Melodie-Ideen fortsetzen – Wow-Effekte. Und Bass und Schlagzeug trieben mit unstoppbarer Energie wie eine Dampflok die Stücke voran, verzweigten sich dann wieder in Rhythmusabänderungen, Soli der Extraklasse, die immer wieder in kleinen Einsprengseln von den anderen Musikern begleitet wurden.

Riesenapplaus, Hurra-Rufe – was blieb der Band anderes übrig, als zwei Zugaben zu spielen? Kleiner Absacker zum Ende? Keineswegs. Die vier spielten nochmal zwei grandiose Stücke. Bei "Leila" und bei "All Blues" von Miles Davis steigerte sich Gitarrist Martin Scales in psychedelische Klänge hinein, fein aufgefangen von Pianistin Gee Hye-Lee. Ein glückliches Publikum verlies die Synagoge.

Ach ja. Nicht zu vergessen: Traditionell spielt vor den Hechinger Jazzkonzerten ein Lokalmatador. Diesmal war es Martin Michels, bekannt von der Band "Genezareth", wo er jetzt nach längerer Pause wieder die Gitarre zupft. Er spielte einen gelungenen Auftritt als Ein-Mann-Vorgruppe.

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