Die Turmuhr in Stadtteil Beuren schlägt nachts nicht mehr. Foto: Frey

Aktuell kein Glockenschlagen mehr zwischen 22 und 6 Uhr. Einwohner sind aufgebracht.

Hechingen-Beuren - Es ist ein Thema, das Beuren polarisiert: Das nächtliche Glockenschlagen. Fünf Bewohner fühlten sich in ihrer Nachtruhe eingeschränkt und beschwerten sich. Die Folge: Die Turmuhr schlägt nachts nicht mehr. Viele Einwohner sind aufgebracht.

Großer Andrang in der Ortschaftsratssitzung in Hechingens kleinstem Stadtteil Beuren. Der Saal ist voll, die Stimmung angespannt. Es ist ein Thema, das die Bürger stark berührt. Es geht um die Kirchturmuhr. Seit 6. Februar schlägt sie um 22 Uhr das letzte Mal. Erst um sechs Uhr morgens können sich die Bewohner wieder an dem vertrauten zeitgebenden Schlagen orientieren. Doch wieso schlägt die Kirchturmuhr in Beuren nachts nicht mehr?

Hintergrund ist eine Beschwerde von fünf Einwohnern des beschaulichen Dorfes, in dem gerade einmal 179 Menschen wohnen. Der anwesende Beschwerdeführer Ronald Roth erklärt die Hintergründe: "Es geht uns nicht um das liturgische Läuten, das wollen wir überhaupt nicht anrühren. Es geht ausschließlich um das nächtliche Glockenschlagen zwischen 22 und 6 Uhr." Von den insgesamt fünf Personen, die sich an der Beschwerde beteiligt haben, leiden zwei unter Tinnitus und eine Person unter "ärztlich diagnostizierter Hyperakusis" –­ eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen.

Dass die Glocke nachts nicht mehr schlägt, stößt bei vielen Bewohnern auf wenig Gegenliebe

Nachdem die Beschwerde Ende vergangenen Jahres zunächst an Ortsvorsteher Peter Gantner gegangen ist, verwies dieser an das Landratsamt. Eine Geräuschpegelmessung am Ort des Beschwerdeführers ergab, dass die Glocke 65 Dezibel laut ist. Zulässig sind maximal 60 Dezibel. Ein Unterschied von fünf Dezibel erscheint im ersten Moment nicht sehr viel. Allerdings handelt es sich bei Dezibel um eine logarithmische Skala, was bedeutet, dass eine Steigerung von 10 Dezibel bereits eine Verdopplung der wahrgenommenen Lautstärke entspricht, betont Ortschaftsrat Daniel Dingeldey.

Peter Gantner: "Die Gesundheit des Menschen darf nicht beeinträchtigt werden"

Infolgedessen wurde die Glocke seit dem 6. Februar zwischen 22 und sechs Uhr abgeschaltet. Diese Maßnahme stößt bei vielen Bewohnern auf wenig Gegenliebe. 63 Unterschriften wurden gesammelt, die sich für eine Beibehaltung des nächtlichen Schlagens aussprechen. Ein Bürger meint dazu während der Sitzung: "Wir sind dafür, dass die Glockenschläge nachts erhalten bleiben und unter Einsatz von technischen Möglichkeiten versucht wird, den entsprechenden Lärmpegel zu senken." Es sollen demnach Maßnahmen ergriffen werden, um die Lautstärke in der Nacht zu verringern. Ob das technisch umsetzbar ist, muss geprüft werden.

Gantner selbst sprach sich dafür aus, die Glocke nachts nicht mehr schlagen zu lassen: "Die Gesundheit des Menschen darf nicht beeinträchtigt werden. Meine Empfehlung ist, es so zu lassen, wie es ist." Er verwies auf geltende Gesetze und Lärmbelastungsgrenzen. "Kein Mensch braucht heutzutage noch aus einem objektivem Grund einen nächtlichen Zeitgeber. Praktisch jeder hat eine Uhr zuhause, auf die er bei Bedarf schauen kann."