Johanna Beisteiner ist auf der Gitarre eine Meisterin ihres Fachs. Foto: Beyer Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Ausnahme-Musikerin Johanna Beisteiner tritt in Villa Eugenia auf

Sie zählt zur internationalen Riege der innovativsten klassischen Gitarristen: Am Sonntagnachmittag gastierte Johanna Beisteiner wiederholt in der Villa Eugenia.

Hechingen. Sie hatte für ihr Konzert ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das eigene Arrangements über klassische Literatur deutschsprachigen Liedguts, Werke anonymer Urheber sowie spanischer Komponisten verschiedener Jahrhunderte beinhaltete.

Endlich wieder Kultur, das dürften sich viele gesagt haben, denn nicht nur die musikalische Matinee-Veranstaltung am Sonntag in der Alten Synagoge, sondern auch das Konzert am Nachmittag mit der Wiener Ausnahmegitarristin und Sopranistin war ausverkauft. Joachim Wien begrüßte als Chef des veranstaltenden Fördervereins die Gäste.

Die Gitarre als Liedbegleit- oder Soloinstrument wurde in der Musikwelt im späten 18. Jahrhundert immer beliebter. Auch der zur Jahreswende 1842/43 am Hohenzollerisch-Hechinger Hof weilende französische Komponist Hector Berlioz spielte neben Flöte auch Gitarre, jedoch nicht Klavier. Das Rezital Beisteiners unter dem Titel "Solokonzert und Liederabend", beinhaltete auch zwei Stücke als Referenz zum "Tag der jüdischen Kultur", wie den jüdischen Tango "Ich hab kein Heimatland".

Gleich zu Anfang imponierte die sich selbst an der Gitarre begleitende Sängerin mit ihrer ungemein präsenten, glockenklaren Sopranstimme in Liedern von Mozart und besonders in denen von Schubert – wie das stets gern gehörte "Die Forelle" oder das "Ständchen" mit seinem markanten Refrain. Beeindruckend war bereits hier und besonders später, wenn Beisteiner wie bei den Auszügen von Frederico García Lorcas "Canciones españolas antiguas" (alte spanische Gesänge) eindrucksvoll vollführte, wie das Beherrschen komplexer Griff- und Spieltechniken auf der Gitarre und das gleichzeitige Intonieren mit ihrer Sopranstimme sich in gelungener Versiertheit präsentierte. Beeindruckend erklangen derweil auch die weiteren Intonationen der Gitarrensolostücke spanischer Couleur. Etwa die Werksauszüge "Granada" und "Asturias" aus der "Suite española op. 47" von Isaac Albéniz (1860-1909).

Das Publikum wollte die Gitarristin am Ende schier nicht gehen lassen und so bestach Beisteiner bei einem Auszug aus Francisco Tárregas’ (1852-1909) berühmtem "Recuerdos al Alhambra" (Erinnerungen an die Alhambra) wiedermals mit anspruchsvollster Spieltechnik. Dabei intonierte sie mit den Fingern der rechten Hand auf den hoch klingenden Saiten der Gitarre ein stetiges Tremolospiel, um dazu gleichzeitig mit dem Daumen auf der tief klingenden E-Saite den Melodiegebenden Cantus Firmus anzustimmen – ein gewiss nicht einfaches Unterfangen.

Da kann man nur auf ein Da Capo und Wiedersehen warten – vielleicht im nächsten Jahr wieder in der Villa.

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