An ihrem ersten Tag im Kreißsaal wusste Franziska Haas schon: „Hier bin ich richtig“. Nun eröffnet die 26-Jährige eine eigene Praxis in Holzhausen. Uns erzählt sie, warum werdende Mütter keine Angst haben müssen und welch schwerer Weg hinter ihr selbst liegt.
Informieren, untersuchen, Ängste nehmen, in jeder Phase der Schwangerschaft und des Mutterseins beistehen und ja, auch Streit schlichten gehört zu Franziska Haas’ Aufgaben als Hebamme. Denn wenn aus Partnern Eltern werden, ist das eine sehr emotionale Zeit für die Betroffenen, sagt die Holzhauserin.
Dass Franziska Haas eines Tages beruflich mit Kindern zu tun haben würde, war ihr immer klar. „Ich bin mit sechs Geschwistern aufgewachsen, da war das Haus immer voll“, sagt sie lachend. Allerdings wollte sie eigentlich Kinderärztin oder -krankenschwester werden.
Alles kam anders
Doch während des Abiturs 2016 verstarb Haas’ Mutter. Und trotz eines immer noch guten Notendurchschnitts, reichte dieser nicht für ein Medizinstudium aus.
Stattdessen begann sie in Tübingen ein Lehramtsstudium in Deutsch und Chemie. In beiden Fächern war sie an der Schule Jahrgangsbeste gewesen. Doch sie merkte schnell, dass das nichts für sie war.
Franziska Haas reiste daraufhin um die Welt, war etwa in Japan und arbeitete auf einer schottischen Schaffarm. Parallel bewarb sie sich als Kinderkrankenschwester und Hebamme. Für Letzteres kam die Zusage zuerst.
Traumberuf gefunden
„Und an meinem ersten Tag im Kreißsaal wusste ich: Hier bin ich richtig“, erinnert sich die 26-Jährige. Und selbst wenn jetzt die Zusage für ein Medizinstudium käme, für sie wäre es nun, da sie den Hebammenberuf kennt, keine Option mehr, sagt Franziska Haas.
Ihre Ausbildung absolvierte sie in der Uniklinik Tübingen, danach arbeitete sie ein Jahr lang im Geburtshaus in Horb. Als ihr Vater starb, brauchte Franziska Haas eine Veränderung, wie sie sagt. Seit einem Jahr arbeitet sie in der Klinik in Freudenstadt in der Geburtshilfe.
Eröffnung am Sonntag
Parallel dazu hat sie nun ihre eigene Hebammenpraxis in der Holzhauser Lindenstraße 14 und feiert am Sonntag, 19. November, ab 15 Uhr große Eröffnung. Dabei wird auch etwas in Erinnerung an ihren Vater enthüllt. Die Erinnerung an ihre Mutter Petra, die sich immer gewünscht hatte, dass ihre Tochter Hebamme wird, findet sich im Namen „Holzhauser Hebammenstüble“. Denn einst führte die Mutter in Holzhausen „Petra’s Seifenstüble“. „Ich bin mir sicher, dass meine Eltern sehr stolz auf mich wären“, sagt die 26-Jährige lächelnd.
Ihre positive Art hilft ihr auch bei der Arbeit. Ein Vertrauensverhältnis zu den werdenden Müttern ist Franziska Haas sehr wichtig. „Mich kann man als Bezugsperson zu jeder Zeit alles fragen – vor, während und nach der Geburt“, betont sie. Tabu-Themen gebe es nicht. Kommunikation sei sehr wichtig. Und Anspruch auf eine Hebamme habe eine werdende Mutter bereits ab dem Tag des positiven Schwangerschaftstests.
Von der Vorbereitung bis zum Wochenbett
In ihrer Praxis bietet Franziska Haas alles vom Geburtsvorbereitungskurs über die Stillberatung bis zur Rückbildung an. Auch Notfall-, Babymassage- und Säuglingspflege-Kurse wird sie anbieten. Lediglich entbinden kann man in der Praxis nicht. Die Kosten für die Versicherung für selbstständige Geburtshelferinnen seien einfach zu hoch, erklärt Haas.
Apropos: In ihrer Ausbildung und bisherigen Berufszeit hat die Holzhauserin schon rund 200 Babys auf die Welt geholfen.
Einprägsame Erlebnisse
Und von jedem Fall bleibe etwas im Kopf. Bei ihrem ersten Tag im Kreißsaal wurde Franziska Haas als Heldin gefeiert, weil sie etwas ertastete, das sich wie die Nase eines Säuglings anfühlte. Tatsächlich handelte es sich um eine Gesichtslage, die einen Kaiserschnitt erforderlich machte.
Ein anderes Mal sei sie dabei gewesen, als ein Mann seiner Frau während der Geburt einen Heiratsantrag machte. „Ich könnte wirklich ein Buch über die ganzen Fälle schreiben“, sagt Haas lachend. Und ja, mancher Fall gehe einem auch besonders nahe, etwa bei Krankheiten oder Totgeburten.
Angst nehmen
Als eine der wichtigsten Aufgaben sieht Franziska Haas, den werdenden Müttern die Angst zu nehmen. Oft würden Gruselgeschichten über die Geburt erzählt. „Natürlich sollte man Respekt davor haben, und Schmerzen gehören dazu. Aber am Ende hat man etwas davon. Jede Wehe bringt eine Frau ihrem Kind näher.“ Sie selbst sei durch ihren Beruf keinesfalls abgeschreckt, eines Tages selbst Kinder zu bekommen, sagt Franziska Haas lachend. Das werde sie oft gefragt.
Schade sei, dass Hebammen mittlerweile Mangelware sind. Nicht nur Blut und Schmerzensschreie würden viele abschrecken. Teure Versicherungen und bürokratische Hürden erschwerten die Selbstständigkeit. Und dass eine Hebamme eher wenig verdiene, helfe da auch nicht, meint die 26-Jährige. Das sei bedauerlich. Man verpasse viele schöne Momente: „Denn bei einer Geburt dabei sein zu dürfen, ist einfach ein Privileg“.