Er spielte zuletzt nur in der Zweiten Handball-Bundesliga, bringt aber viel internationale Erfahrung mit. Auf Neuzugang Bart Ravensbergen ruhen bei Frisch Auf Göppingen große Hoffnungen. Was zeichnet den niederländischen Nationaltorwart aus?
Den Trainingsauftakt hätte er um ein Haar verpasst: Bart Ravensbergen saß in den Flitterwochen mit seiner Ehefrau Laura auf einer kleinen Insel fest. Der indische Ozean war zu wild, um das Paar per Boot zum Flughafen nach Bali zu bringen. Auf den letzten Drücker klappte es dann doch noch, dass der Torwart pünktlich zum Trainingsauftakt beim Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen aufschlug. „Inzwischen haben wir uns schon ganz gut eingelebt“, sagt der niederländische Nationalkeeper und ergänzt mit einem Grinsen: „Obwohl ich nun nicht mehr nur ein paar Kilometer über die Grenze muss, um in einem niederländischen Supermarkt einzukaufen.“ In seinen Heimatort Voorschoten, zwischen Den Haag und Leiden, fährt er mit den Auto nun über sieben Stunden.
Die vergangenen fünf Jahre konnte der 30-Jährige die heimatnahen Annehmlichkeiten genießen. Da stand er beim der HSG Nordhorn-Lingen zwischen den Pfosten. Er blieb dem Club auch 2021 nach dem Abstieg aus der Bundesliga treu. Jetzt bot sich die Chance, durch einen Tapetenwechsel auch im Verein wieder auf höchstem Niveau zu spielen. „Ich habe nicht aktiv gesucht, aber das Angebot von Frisch Auf hat mich wirklich überzeugt. Ich wollte einen attraktiven Erstligaclub, bei dem ich nicht nur die Ersatzbank warmhalte“, sagt Ravensbergen.
Anderer Typ als Sego
Gegen eine festgeschriebene Ablösesumme konnte er aus seinem Vertrag in Nordhorn aussteigen. Frisch Auf schlug zu und holte ihn als Ersatz für Daniel Rebmann, den es zu Ligarivale VfL Gummersbach zog. Kein Zufall: Wie Rebmann ist auch Ravensbergen ein völlig anderer Torwarttyp als Marin Sego, der gemeinsam mit U-19-Nationalkeeper Julian Buchele das künftig von Primoz Prost trainierte Göppinger Torwarttrio komplettiert. Der kroatische Nationaltorwart Sego verkörpert den Prototyp der alten „jugoslawischen“ Torwartschule. Er steht lange, wartet ruhig und geduldig mit seiner Reaktion, bis sich der Schütze entschieden hat, wohin er wirft.
Ravensbergen hat eine ganz andere Körpersprache als Sego, zeigt mehr Explosivität und Emotionalität. „Privat bin ich eher der ruhige Typ, aber auf dem Feld feier ich meine Paraden.“ Seinen Stil beschreibt er selbst als eine Mischung aus skandinavischer und osteuropäischer Schule. Sein Vorbild war früher der ehemalige französische Nationaltorwart Thierry Omeyer, ein Weltklassemann von ähnlicher Statur. Auch Ravensbergen hat mit einer Länge von 1,90 Meter nicht die größte Spannweite, arbeitet mit sehr viel Wurfbildern und legt ganz besonders viel Wert auf Absprachen mit seiner Deckung.
Abwehrsystem modifizieren
Da zudem 2,03-m-Abwehrriese Blaz Blagotinsek (zur SG Flensburg-Handewitt) nicht mehr zur Verfügung steht und vom lange verletzten, zehn Zentimeter kleineren Vid Poteko ersetzt wird, muss das Frisch-Auf- System ohnehin modifiziert werden. „Wir müssen offensiver, höher, aggressiver verteidigen – und mein Job ist es dann, die Bälle zu halten“, sagt Ravensbergen. Zu seine Kernkompetenz kommt noch eine Spezialität hinzu: Das blitzschnelle Einleiten von Tempogegenstößen oder der schnellen Mitte.
13 Tore im Nationalteam
„Bart ist schnell im Kopf und schnell auf den Beinen. Sein Umschaltspiel ist wirklich allererste Sahne“, lobt ihn sein Trainer Markus Baur. Ab und an wählt er auch den direkten Weg zum gegnerischen Gehäuse: 13 Tore hat er in 92 Länderspielen auf dem Konto – eine rekordverdächtige Bilanz für einen Keeper.
Überhaupt die niederländische Nationalmannschaft. An ihrer beeindruckenden Entwicklung hat er neben den Stars Luc Steins, Kay Smits und Dani Baijens den größten Anteil. Mit seinem Heimatland nahm er an den vergangenen Großturnieren teil – und fiebert jetzt schon der EM im Januar 2024 in Deutschland entgegen. „Wir haben eine hoch motivierte Truppe, die mit einer Riesenfreude ins jedes Länderspiel geht. Unser erstes Ziel ist es, die Vorrunde gegen Schweden, Bosnien-Herzegowina und Georgien zu überstehen“, sagt er.
Start am 27. August in Melsungen
Zunächst aber will er mit Frisch Auf (nach der verpatzten 32:34-Generalprobe gegen Zweitligist TV Großwallstadt) an diesem Sonntag (16.30 Uhr) bei der MT Melsungen gut in die neue Saison starten. Was vom Team zu erwarten ist? „Wir wollen natürlich besser abschneiden als im Vorjahr“, sagt er. Womit er sich in Anbetracht von Vorjahresplatz 14 nicht allzu weit aus dem Fenster lehnt. Allerdings sagt er auch: „Es wäre schön, auch mit dem Verein wieder international zu spielen.“ Von der deutschen Meisterschaft zu träumen sei natürlich unrealistisch. „Da ist leider wohl genauso wenig wahrscheinlich wie der EM-Titel mit den Niederlanden“, sagt er mit einem Lächeln.
Frisch-Auf-Termine
Bundesliga
MT Melsungen – Frisch Auf (Sonntag, 27. August, 16.30 Uhr), Frisch Auf – Rhein-Neckar Löwen (Donnerstag, 31. August, 19 Uhr), ThSV Eisenach – Frisch Auf (Mittwoch, 6. September, 19 Uhr), Frisch Auf – VfL Gummersbach (Samstag, 9. September, 19 Uhr), HSG Wetzlar – Frisch Auf (Sonntag, 17. September, 16.30 Uhr), Frisch Auf – HSV Hamburg (Donnerstag, 21. September, 19 Uhr), SC DHfK Leipzig – Frisch Auf (Sonntag, 1. Oktober, 16.30 Uhr), Frisch Auf – SC Magdeburg (Samstag, 7. Oktober, 20.30 Uhr), TBV Lemgo Lippe – Frisch Auf (Sonntag, 15. Oktober, 16.30 Uhr). (jüf)