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Haigerloch Veranstaltung erinnert an Reichspogromnacht

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Foto: Fechter/Kost

Haigerloch - Vor 80 Jahren flogen Steine in die Fenster von Synagogen, jüdischen Geschäften und Häusern. Mit den Scheiben zerbrach das Leben der jüdischen Bürger. Nicht zuletzt deshalb stand die Veranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 in der Ehemaligen Synagoge unter dem Motto "Wenn Steine sprechen".

Das in Zeiten, in denen Rassismus und Antisemitismus wieder salonfähig wird, Erinnerungsarbeit wichtig ist, bewies der gute Besuch der Veranstaltung. 120 Personen waren am Freitag zum Gedenkfeier in die Ehemalige Synagoge im Haigerlocher Haag gekommen.

Helmut Opferkuch, Vorsitzender des Gesprächskreises erinnerte an das Grauen der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als in Haigerloch SA-Leute die Synagoge, das Haus des Rabbiners und viele jüdische Wohnhäuser zerstörten. Zwölf jüdische Männer wurden damals in "Schutzhaft" genommen. Dies war auch in Haigerloch der Auftakt zur systematischen Deportation und Vernichtung jüdischen Bürger.

Opferkuch erinnerte auch an die engagierten Menschen, die in den 1980er Jahren die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Haigerlochs zur Aufgabe machten und sich im Gesprächskreis Ehemalige Synagoge zusammenschlossen mit dem Ziel, die frühere Synagoge wieder einer ihr angemessenen Nutzung zuzuführen.

Mit Erfolg: Die Stadt kaufte das Gebäude, 2003 wurde die ehemalige Synagoge nach ihrer Restaurierung eingeweiht und 2004 dort eine Dauerausstellung mit dem Titel "Spurensicherung – jüdische Geschichte in Hohenzollern" eröffnet.

Diese Ausstellung entwickelt sich weiter: So verfügt sie jetzt über ein neues Exponat, die Spur Nummer 12, die Rainer Schimpf vom Haus der Geschichte an diesem Abend vorstellte. Dabei handelt es sich um eine schriftliche Erklärung in der die nach der Pogromnacht in "Schutzhaft" genommenen jüdischen Männer aus Haigerloch bestätigten, dass ihre Familien für die Verpflegung im Haigerlocher Amtsgerichtsgefängnis selbst aufkommen.

Dieses unscheinbare Stück Papier – ein Zettel ohne amtlichen Stempel und Unterschrift – zeige den ganzen Zynismus des Naziregimes, so Schimpf. Opfer seien in einer höhnischen Umkehrung der Tatsachen zu Tätern gemacht worden und mussten für das an ihnen verübte Unrecht auch noch bezahlen – ein Grauen, das kaum in Worte zu fassen sei. Das Fehlen einer offiziellen Unterschrift der Gefängnisverwaltung deute daran hin, dass niemand Verantwortung für diese Taten übernehmen wollte.

Entdeckt hat das Dokument der Dusslinger Antiquar Thomas Leon Heck, der es in einem Buch, das vermutlich aus der Bibliothek des Haigerlocher Amtsgefängnisses stammt, gefunden hat.

Jeder der Gäste der Gedenkveranstaltung hatten eingangs einen Stein mit dem Namen eines jüdischen Haigerlochers in die Hand gedrückt bekommen. Was kann ein Stein alles sein? Vieles: Stolperstein, Wurfstein, Gedenkstein, aber auch Baustein und Feuerstein – die Schüler des Literatur- und Theaterkurses des Haigerlocher Gymnasiums unter der Leitung von Kerstin Gotthardt reflektierten das Thema Stein mit Spielszenen, Liedern und der Rezitation des Gedichts "Chor der Steine" der jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs. Vor 80 Jahren wurden Steine geworfen "von Menschen mit Herzen aus Stein". Aber, so die heute wieder sehr aktuelle Botschaft, Steine dürfen niemals gegen Menschen geworfen werden.

Berührend war auch die musikalische Umrahmung des Abends mit Klezmerstücken, die Carlotta Koch und Vanessa Noschka, zwei ehemalige Schülerinnen des Gymnasiums, auf ihren Violinen spielten. Die Besucher der Gedenkveranstaltung verharrten nach dem Verklingen der letzten Tons schweigend, bevor sie mit minutenlangem Applaus die Leistung aller Akteure würdigten

Ausgestellt werden zudem Linoldrucke der jetzigen Klasse 10b, die im vergangenen Schuljahr unter dem Thema "Jüdische Grabsteine" im Kunstunterricht unter der Leitung von Stefan Albiez entstanden sind.

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