Gedenkfeier in der Ehemaligen Synagoge mit Foto-Ausstellung über das KZ Dachau

Von Birgit Fechter

Haigerloch. Es ist nichts wirklich Grauenvolles zu sehen auf Joachim Wolfers Bildern aus dem KZ Dachau. Dennoch erfasst kalte Beklemmung den Betrachter. Die Fotos lassen das Schreckliche ahnen, das so vielen Menschen an diesem Ort widerfahren ist.

Die 13 großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien von Joachim Wolfer sind derzeit in der ehemaligen Synagoge in Haigerloch zu sehen. Am vergangenen Freitag wurde die Ausstellung bei der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht eröffnet.

"Eine Fotografie ist kein Zufall, sondern Absicht", lobte der Vorsitzende des Gesprächskreis Ehemalige Synagoge, Klaus Schubert, bei der Begrüßung das Engagement des Fotografen um das Wachhalten der Erinnerung an die Verbrechen während der Nazi-Zeit.

Mathias Frankenberg, Erster Landesbeamter des Zollernalbkreis, mahnte, dass jüdisches Leben nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Diese Verantwortung werde gerade in Haigerloch besonders deutlich, wo nur noch Spuren vom einst blühenden Leben der jüdischen Gemeinde zeugten.Er dankte dem Gesprächskreis dafür, die Erinnerung wach zu halten, denn, "Das Vergessen-Wollen verlängert das Exil, das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung" zitierte Frankenberg einen jüdischen Mystiker des 18. Jahrhunderts.

Cordula Hans vom Haigerlocher Gymnasium hatte mit einigen Schülern die musikalische Gestaltung vorbereitet. Teresa Brunner und Sophia Wiest (Klarinette), Patrizia Dania, Alexandra Ellinger Maria Schulz und Benjamin Steil (Gesang) interpretieren das jiddische Lied "Shlof main fegele" (Schlaf mein Vögelchen) aus dem Repertoire des letzen Konzerts des jüdischen Liederkranz im Februar 1938. Jessica Sick (Violine) und Johanna Fischer (Klavier) trugen Schuberts "Der Tod und das Mädchen" vor, das der Liederkranz aus seinem Repertoire streichen musste. Beide Stücke, so Cordula Hans, erscheinen im Wissen um die schrecklichen folgenden Ereignisse in einem neuen Licht.

Fotograf Joachim Wolfer gab eine sehr persönliche Einführung in seine Ausstellung, ließ die Zuhörer teilhaben am Entstehungsprozess. Im November vergangenen Jahres besuchte er einige Tage lang das KZ Dachau. Er nutzte für seine Bilder die trübe kalte Stimmung der Novembertage, nahm sich für jede einzelne Aufnahme viel Zeit. Er fotografierte Appellplatz, Lagerstraßen und Baracken, natürlich menschenleer. Das Grauen, das dort geschah, ist, wenn es auch unvorstellbar bleibt, zu ahnen. Er habe er keine glatten Bilder machen wollen, erklärt Wolfer.

Zusätzlich zu den Titeln hat Wolfer die Bilder mit Namen versehen, die mit dem KZ Dachau in Verbindung stehen, darunter auch Namen Haigerlocher Juden wie zum Beispiel Gustav Spier. Somit wird das Grauen erschreckend persönlich.

Weitere Informationen: Die Ausstellung ist bis Anfang Januar während der Öffnungszeiten der Ehemaligen Synagoge Samstags und Sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung zu besichtigen.

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