Der baden-württembergische Grünen-Co-Chef Pascal Haggenmüller Foto: Florian Freundt

Grünen-Bundeschefin Ricarda Lang fordert mehr Selbstreflexion in der eigenen Partei. Finanzminister Bayaz sieht das ähnlich. Der Südwest-Chef Pascal Haggenmüller widerspricht: In bundesweiten Umfragen stehe die Partei gar nicht schlecht da.

Der Grünen-Parteichef im Südwesten hält die Selbstkritik von Bundeschefin Ricarda Lang für zu weitgehend: „Wir betreiben bereits viel Selbstreflexion. Aber wir müssen nicht in Sack und Asche gehen“, sagt Grünen-Co-Chef Pascal Haggenmüller unserer Zeitung. „Wir haben klare Werte, aber auch pragmatische Lösungen.“ Beim Thema Migration etwa habe sich die Partei bereits bewegt. Das Thema wird auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe auch in einem Dringlichkeitsantrag debattiert.

 

Grünen-Chefin Ricarda Lang hatte kurz vor dem Bundesparteitag zu mehr Selbstreflexion gemahnt: „Wir sollten uns schon fragen, warum manche Vorurteile gegen uns immer noch verfangen“, sagte Lang dem Nachrichtenportal „t-online“. „Wir sind nicht ganz unschuldig daran.“

Der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz sieht das ähnlich: „Boris Rhein hat uns trotz erfolgreicher Koalition eiskalt fallen gelassen, die absurden Fake News von Markus Söder über die Grünen haben im Wahlkampf verfangen“, sagte er. „Nun kann man das als böse Kampagne beklagen. Oder wir fragen uns, wie es dazu kommen konnte und welche Verantwortung wir selbst dabei tragen?“ Die Grünen müssten stärker ausstrahlen, dass sie es ernst meinten mit Stabilität im Wandel. „Dazu gehört es auch, unsere Politikkonzepte immer wieder einem Realitätscheck zu unterziehen und Allianzen in die Mitte der Gesellschaft zu schlagen.“ Man solle sich am baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann oder Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir orientieren.

Bayaz pflichtet Lang bei

Haggenmüller sieht das Problem vor allem in radikalen und populistischen Debatten in sozialen Medien. „Wir brauchen mehr Sachlichkeit in der Debatte. Dazu sind alle demokratischen Parteien angehalten“, sagte er. Die Grünen müssten sich aber auch harten Debatten stellen. „Nur so werden wir aus dem Umfragetief in Baden-Württemberg herauskommen. Bundesweit stehen wir in Umfragen mit Blick auf das Ergebnis der letzten Bundestagswahl nicht schlecht da.“