Thomas und Ilona Wössner (von links), Evi Kirschenmann, Nadine Blocher und Petra Kirschenmann vor dem Salon Foto: Fritsche

Der Rötenberger Friseursalon Wössner hat die wegen der Corona-Pandemie reduzierter Mehrwertsteuer nicht einbehalten, sondern an gemeinnützige Einrichtungen gespendet.

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Aichhalden-Rötenberg - Wie alle anderen hat auch der Friseursalon Wössner wegen der Beschränkungen der Corona-Verordnung keine einfache Zeit hinter sich. Als staatliche Unterstützungsmaßnahme war von Juli bis Dezember 2020 auch für die Friseurdienstleister die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent herabgesetzt worden. "Im Gegensatz zu vielen anderen Friseuren haben wir unsere Preise nicht erhöht und auch keine Hygienezuschläge berechnet. Wir wollten unsere Kunden nicht zusätzlich belasten, da sie ja auch bereit waren, sehr lange auf ihren Friseurtermin zu warten", erklärte Friseurmeister Thomas Wössner kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung.

"Allerdings haben wir uns dann überlegt, die Mehrwertsteuer-Ersparnis vom vergangenen Jahr nicht an unserer Kundinnen und Kunden weiterzugeben, sondern zu spenden", berichtete Wössner weiter. An der Kasse wurde ein Aushang mit dem entsprechenden Hinweis angebracht, ob die Kunden damit einverstanden sind oder lieber eine entsprechende Minderung des Rechnungsbetrags wollten. "Keiner wollte die Mehrwertsteuer erstattet haben, alle waren damit einverstanden", freute sich Wössner.

Ein Betrag im vierstelligen Bereich ist auf diese Weise zusammengekommen, der wegen des Lockdowns nicht wie geplant im Januar, sondern erst im Mai überreicht werden konnte: Und zwar an den Kindergarten Rötenberg und das Kinderhaus Aichhalden für Spielzeug, außerdem an die Kinder-Nachsorge-Klinik Tannheim.

Überbrückungshilfe kommt schleppend, aber beim Kurzarbeitergeld klappt’s

Von Mitte Dezember bis 1. März hatte Wössner das Geschäft wie alle anderen Friseursalsons schließen müssen. Die Überbrückungshilfe II für ihn als Dienstleister sei schleppend und spät ausgezahlt worden, andererseits habe ihm der Steuerberater fallweise geraten, wegen der ständigen Änderungen der Bestimmungen mit der Beantragung zu warten. Erstattungsfähig seien auch nur die Fixkosten für den Salon gewesen. Was der Friseurmeister aber richtig gut findet: "Das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiterinnen hat tadellos funktioniert".

Als er nach dem Lockdown wieder öffnen konnte, war die Nachfrage groß: "Sehr erfreut waren wir über die Treue unserer Kundinnen und Kunden, die sich ja zum Teil mit unzumutbaren Frisuren hatten abfinden müssen. Aber Ostern hatten wir dann alles im Griff und es kehrte wieder Normalität ein".

Aber leider nur so lange, bis die Testpflicht eingeführt wurden. Die Kunden waren dadurch verunsichert und es gab viele Lücken im Terminplan. "Die Situation war nicht optimal, aber besser als ein erneuter Lockdown", so Wössner. Nicht nachvollziehbar sei für ihn, dass der Test beim Friseur nur 24 Stunden gegolten habe, während sonst überall von 48 Stunden die Rede sei. Inzwischen hat sich die Situation entspannt: Wegen der gesunkenen Inzidenzzahlen ist für den Friseurbesuch kein Test mehr nötig.

Betrieb wird schon in der dritten Generation geführt

In dritter Generation hat Thomas Wössner den Friseursalon 1997 von seinem Vater übernommen, nach einer Lehre in Alpirsbach und der Meisterschule in Lörrach. Begonnen hatte damit schon sein Großvater. Damals ließen sich die Herren am Sonntagvormittag rasieren und die Haare schneiden. Das Gebäude wurde 1925 errichtet und die Geschäftsräume im Lauf der Zeit stetig erweitert und erneuert.

Heute hat Wössner ein gut eingespieltes Team von fünf Mitarbeiterinnen im Damen- und Herrensalon. Darunter Petra Kirschenmann, die im März ihr 20. Betriebsjubiläum feiern konnte, wegen der Corona-Beschränkungen in einer kleinen Feierstunde im engsten Kreis. Wössners Frau Ilona kümmert sich unter anderem um die Rezeption und Buchhaltung. "Wir haben zu 100 Prozent Stammkunden aus einem Umkreis von 20 Kilometern", berichtet Wössner. Für die Kinder hat er sogar einen speziellen Friseursessel angeschafft: Diese können in einem kleinen BMW Platz nehmen und beim Haare schneiden ein Video anschauen.

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