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Gütenbach Fast in jedem zweiten Haushalt wurden Uhren hergestellt

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Das Dorf- und Uhrenmuseum Gütenbach hat geöffnet. Hier ist Fritz Sprenger vor Flötenuhren der Gebrüder Siedle zu sehen. Er ist begeistert von der Präzision der Orgelwalzen. Foto: Schwarzwälder Bote

Von Siegfried Kouba

Gütenbach. Das Dorf- und Uhrenmuseum Gütenbach hat im Corona-Modus geöffnet. Jeden Mittwoch und Sonnabend sind von 14 bis 16 Uhr Gäste willkommen. Man ist gerüstet, achtet auf Einbahn-Regelungen, sorgt für Handdesinfektion und verlangt Nasen- und Mundschutz. Sachkundig und heimatverbunden geben abwechselnd Siegfried Behler, Manfred Danner, Gerold Ganter, Hardy Faller und Fritz Sprenger Auskünfte.

Letzterer war am vergangenen Samstag an der Reihe und konnte stolz berichten, dass Neuerwerbungen einer Lackschilduhr des Gütenbachers Dominik Schätzle und einer Uhr aus der "Hochburg" das Museum bereichern. Dankbar ist man für die erst vor wenigen Tagen erreichte Schenkung einer Hanhart-Uhr in Form einer Armbanduhr aus den 1960er-Jahren durch die Neukircherin Sieglinde Hermann.

Bausteine der Gütenbacher Uhrentradition sind damit eingefügt. Über drei Etagen sind die ungezählten Ausstellungsobjekte verteilt. Wieviel Exponate es gibt, wurde noch nicht festgestellt. Sie reichen jedenfalls von zarter Stickerei über landwirtschaftliche Geräte bis hin zur Turmuhr der ehemaligen römisch-katholischen Barockkirche. Sie wurde von Philipp Furtwängler (gestorben 1800 in Elze) geschaffen, einem Großonkel des Dirigenten Wilhelm Furtwängler. Die Schauspielerin Maria Furtwängler-Burda, die zu der weit verzweigten Familie gehört, hatte das Museum mit ihrem Ehemann besucht und zeigte großes Interesse.

Publikumsmagnete sind offenbar die Flötenspieluhren von Matthias Siedle (1770 bis 1846) und seinem Bruder (1817 bis 1845). Die Besucher sind "ganz verrückt nach Uhren", meinte Fritz Sprenger. Sie seien erstaunt, wie viele Uhren in einem kleinen Ort wie Gütenbach entstanden. Man geht davon aus, dass fast in jedem zweiten Haus Uhren hergestellt wurden. Wie groß die Präzision ist, beweisen explizit die Uhrenwalzen, mit denen Flöten komplexe Melodien erklingen lassen.

Schon im Eingangsbereich sind die vielfältigsten Uhren zu bewundern. Im ersten Obergeschoss kann man sich am Bürgermeister-Zimmer, an Großuhren, der historischen Schlafkammer, einer alten "Rauchkuchi" und einer Wohnstube mit Uhrmacherwerkstatt unter dem Motto "Leben, wohnen, arbeiten in vorindustrieller Zeit" erfreuen.

Im Dachgeschoss befindet sich eine reiche Sammlung: Phonogeräte, alte Radios, eine Schuhmacher- und Schreinerwerkstatt, Zeugnisse der Firma Faller, alte Schulerinnerungen, Trachten und eine vornehme Stube. Historiker, Freunde antiker Gegenstände und Liebhaber verschiedenster Stilrichtungen können in einer wahren Fundgrube stöbern. Dazu gehören auch Geräte aus der Landwirtschaft und der Feuerwehr.

Hier erinnert sich Sprenger an seine Jugendzeit, als mit dem Spritzwagen am Schmutzige Dunnschdig die Bewohner kräftig mit Wasser "versorgt" wurden.

Das Museum verfügt auch über einen Vortragsraum, in dem Trauungen vollzogen werden. So auch die Überraschung vom vergangenen Samstag: Bürgermeisterin Lisa Wolber gab Benni Hengstler das Ja-Wort. Museumführer Fritz Sprenger war davon völlig überrascht. Er hatte die Rathaus-Chefin noch wenige Tage zuvor gesprochen und gefragt, ob er noch etwas vorbereiten müsse, worauf entgegnet wurde, dass alles geregelt werde. Kein Wort von ihrer eigenen Heirat – die Geheimhaltung war perfekt.

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