Die Zahl der Grundschüler wird in Egenhausen laut Prognose auf rund 130 steigen. Bereits jetzt besuchen 28 Kinder die erste Klasse (Bild). Foto: Manfred Köncke

Trotz kontroverser Diskussionen hat der Gemeinderat Egenhausen einstimmig den Grundsatzbeschluss für die Komplettsanierung und Erweiterung der örtlichen Grundschule gefasst. Die Gesamtkosten werden mit knapp 5,2 Millionen Euro beziffert.

Nach Überprüfung gemeindeeigener Gebäude und der erfolgreichen Aufnahme ins Landesförderprogramm stand die Frage im Raum, ob auch die örtliche Grundschule saniert und erweitert werden sollte, um für die erwartete Zunahme der Schülerzahl und die gesetzlich vorgeschriebenen Ganztagesbetreuung gerüstet zu sein. Die Notwendigkeit wurde sowohl von Bürgermeister Sven Holder als auch von Rektor Andreas Schrade bejaht.

 

Einig war man sich, wegen der Nähe zur Silberdistelhalle und der „guten und engen Kooperation“ mit dem benachbarten Kindergarten „Spatzennest“ am jetzigen Standort festzuhalten. Architekt Andreas Hartmaier wurde beauftragt, eine Machbarkeitsstudie auszuarbeiten, Grundzüge der Planung aufzuzeigen und eine Kostenschätzung vorzunehmen.

Nach der Präsentation in der vorangegangenen Sitzung ging es diesmal um den Grundsatzbeschluss. Im Beisein der Lehrkräfte Birgit Rentschler und Daniel Neudert informierte Schrade über aktuelle Entwicklungen. Die Zahl der Grundschüler werde in den nächsten Jahren durch Zuzüge und der Ausweisung eines neuen Baugebiets auf 130 steigen, damit reichten die vorhandenen Klassenräume nicht mehr aus. Außerdem bestehe ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung, die bis zum Schuljahr 2026/2027 umgesetzt werden müsste.

Rektor befürchtet gravierende Auswirkungen

Wenn man auf diese Entwicklungen nicht reagiere, befürchtet der Rektor gravierende Auswirkungen, die von einer Zusammenlegung bis zur Schließung des Schulstandorts Egenhausen gehen könnten. Jetzt habe man das Steuer in der eigenen Hand.

Ein weiterer Punkt ist für Schrade die Inklusion. Die Schule in Egenhausen sei nicht barrierefrei. Niemand sollte aber wegen einer körperlichen Behinderung abgelehnt werden müssen. Die Komplettsanierung und Erweiterung des Gebäudes könnte sich auch beim Werben um Lehrkräfte positiv auswirken.

Digital „zeitgemäß aufgestellt“

Ein Pluspunkt sei schon jetzt, „dass wir bei der Digitalisierung sehr gut und zeitgemäß aufgestellt sind“. Für Bürgermeister Holder spielen nicht nur pädagogische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle, sondern auch bauliche Mängel, zum Beispiel bei sanitären Anlagen. Vorgesehen sind sechs Klassenzimmer im Unter- und Erdgeschoss des Altbaus, Ausweisung weiterer Räume für unterschiedliche Nutzungen, im Obergeschoss die Unterbringung des Lehrerzimmers mit Verwaltung sowie ein Besprechungs-, Musik- und Werkraum.

Pausenhalle fällt weg

Im Untergeschoss des Anbaus sind Flächen für Toiletten, das Archiv und ein Lager vorgesehen, im Erdgeschoss ein Mehrzweckraum mit Küche für den Mittagstisch sowie zwei bis drei Betreuungsräume im Obergeschoss. Die Verbindung zum bestehenden Schulgebäude funktioniert durch ein Treppenhaus und einen Aufzug als barrierefreien Zugang. Die bisherige Pausenhalle würde wegfallen.

Der Architekt geht davon aus, dass im Zuge der Sanierung sämtliche Leitungen erneuert werden müssen; ob das auch für Decken und Böden gelte, müsse die Entwurfsplanung zeigen. Ausdrücklich wies Hartmaier darauf hin, dass aus Kostengründen nur das wirklich Erforderliche saniert beziehungsweise ausgetauscht werde.

Holder erwartet Zuschüsse

Bürgermeister Holder erklärte, beim Anbau können momentan 70 Prozent der Aufwendungen für Betreuungsräume bezuschusst werden, deshalb sollte man schnell eine fertige Planung mit Kostenberechnung vorlegen, weil sich das schnell ändern könne. Für die Sanierung des Altbaus gebe es ebenfalls Fördermöglichkeiten, deshalb schlug Holder die Aufnahme eines zinsverbilligten Darlehens mit Tilgungszuschuss von 30 Prozent bei der KFW-Bank vor.

Bei einem Gesamtvolumen von rund 5,2 Millionen Euro müsste die Gemeinde einen Eigenanteil von rund 1,73 Millionen aufbringen. Die Maßnahme sei im Haushaltsplan finanziert.

Keine Gegenstimmen

In der anschließenden Debatte wurde das Vorhaben kontrovers diskutiert. Für einige Ratsmitglieder stehen die Kosten für den Anbau in keinem Verhältnis zur geplanten Sanierungsmaßnahme, andere vertraten die Ansicht, wegen der vorgeschriebenen Ganztagesbetreuung sollte man nur den Anbau errichten und auf eine energetische Sanierung des Altbaus verzichten.

Es gab aber auch zustimmende Aussagen. Nach weiteren Wortmeldungen wurde nach zwei Stunden auf Antrag des Vorsitzenden ohne Gegenstimmen der Grundsatzbeschluss zur Entwicklung, Sanierung und Erweiterung des Schulgebäudes gefasst.