OB Markus Ibert (vorne) Bürgermeister Tilman Petters rechts und Adrian Frick, Sachgebietsleiter Grün (links), freuen sich mit Udo Baum, Wolfgang Bahr und Walter Caroli vom Naturschutzbund (Nabu) Lahr über die neue Amphibienleiteinrichtung am Hohbergsee Foto: Köhler

Mehr als 10 000 Amphibien kommen nun sicher vom Langenhard an den Hohbergsee: Nabu und Stadt haben gemeinsam die neue Leiteinrichtung eingeweiht. Diese entlastet nicht nur die Tiere, sondern auch die ehrenamtlichen Naturschützer.

Wer im Hohbergweg spazieren geht, kann die neue Einrichtung kaum übersehen: Eine metallene Planke ziert den Waldrand, unterbrochen wird sie nur durch ein Gitter auf der Straße. 460 Meter lang ist die Orientierungshilfe, die Frösche, Mulche, Kröten und Co. zu ihrem Laichgewässer, dem Hohbergsee, lotsen soll.

 

Oberbürgermeister Markus Ibert freute sich beim Pressetermin sichtlich eine „ganz besondere Einrichtung“ einweihen zu dürfen. Er hob hervor, dass im Lahrer Osten drei wichtige Themen aufeinander treffen: Die Siedlungsentwicklung, das FFH-Habitat in Form des Waldes und eben der Hohbergsee eines der bedeutendsten Laichgewässer in Baden.

„Es ist wichtig, dass man gute Lösungen findet“, betonte der OB. Die neue Leiteinrichtung sehe er als „Vorbild“ für andere verdichtete Regionen.

Tiere können auf einer Laufschiene wandern

Die Vorrichtung, die später noch durch einen Wildzaun ergänzt wird, beginnt an der Feuerwehrstraße und führt in einem Bogen oberhalb des AKAD-Geländes zur Straße in Richtung Langenhard. Unter dieser Straße werden die Tiere hindurch zum See geleitet. Entlang des Zauns finden sie auf der Waldseite eine Laufschiene vor, um sich leicht fortzubewegen. Am Montagmittag war allerdings keine Spur von ihnen – trotz des feuchten Wetters und Temperaturen um zehn Grad. „Ideales Wetter für die Kröten“, sagte Wolfgang Bahr, stellvertretender Vorsitzender der Lahrer Nabu-Gruppe. Doch die Tiere wanderten lieber nachts und zeigten sich daher nicht den Pressevertretern.

Die Leiteinrichtung ist 460 Meter lang. Foto: Köhler

„Es ist ein guter Tag für die Kröten und den Nabu“, kommentierte Bahr weiter. Die Naturschützer seien seit Jahrzehnten dafür verantwortlich, dass die Tiere sicher zu ihrem Laichplatz finden. Nachdem die alte Leiteinrichtung zerstört wurde, habe man sich mit einem Gutachter abgesprochen und eine neue Route festgelegt. „Er hat uns gesagt, dass eine Einrichtung entlang der Wohnanlage nicht angenommen wird“, erklärte Bahr. Deshalb nehme der Zaun diesen ungewöhnlichen Bogen.

Manche Amphibien brauchen noch Übung

„Die Tiere wandern gegen ihren Instinkt“, schilderte Bahr eine Folge daraus. Die Leiteinrichtung werde von den Amphibien angenommen, manche fänden aber den Weg noch nicht. „Unsere Helfer setzen diese Tiere direkt in den See“, erläutert Bahr. Auf dem Rückweg könnten sie dann die Route kennenlernen und sich im kommenden Jahr leichter tun.

Auf einer Laufschiene können die Tiere wandern. Foto: Köhler

Bahr freute sich zudem, dass die Stadt den Teil an der Langenhard-Straße noch mitgebaut hat. „Die Tiere werden nicht mehr überfahren.“ Und auch für die Nabu-Helfer sei das neue Bauwerk eine Erleichterung. Denn sie müssen die Tiere nun nicht mehr per Hand und Eimer zum See bugsieren. „Wir hatten drei Jahre lang einen enormen Mehraufwand“, schilderte der stellvertretende Vorsitzende. Sein Dank galt Stadt und Gemeinderat, dass diese das Vorhaben ermöglicht haben. Die Stadt trägt mit 32 000 Euro bei, weitere 90 000 Euro kommen vom Land.

OB Markus Ibert betonte, dass der Bau unter schwierigen Vorzeichen stand. Eigentlich wollte man im Dezember fertig werden, die Witterung verhinderte dies jedoch. Im Februar konnte es dann weitergehen, sodass man noch rechtzeitig für die Hauptwandersaison der Kröten fertig wurde. Diese ging zwar früher als geplant los und der Nabu beklagte einige Verluste, nun jedoch werde die Hilfe von den Amphibien gut angenommen. Das hätten die Nabu-Helfer der Stadtverwaltung bereits so zurückgemeldet, erklärte Ibert, der dem Nabu einen „unverzichtbaren Beitrag zum Artenschutz“ attestiert.

Fläche aufgewertet

Die Stadt hat am Waldrand nicht nur die Leiteinrichtung gebaut, sondern auch das Begleitgrün an der Feuerwehrstraße neu gestaltet. Diese war bis zum Waldrand zurückgedrängt, stark verwildert und lud dazu ein, Gartenabfälle oder Ähnliches dort zu entsorgen, teilt die Stadt mit. Ziel sei, Vandalismus, illegale Müllablagerungen sowie Langzeitparken einzudämmen und einen optisch und ökologisch wertvollen Abschluss in Richtung Wald herzustellen.