Zahlreiche Menschen kamen zur Großdemo gegen rechts in Villingen. Foto: Birgit Heinig

Zur Großdemo in Villingen hat unser Leser Marc Schuler die folgende Meinung.

Die Demos gegen die AfD – nichts anderes sind diese Kundgebungen – sind in Ordnung. Das gehört zu den elementaren Grundrechten unserer Demokratie. Allein ihnen fehlt aufgrund ihrer auffälligen Orchestrierung die Authentizität und Strahlkraft. Wenn Regierungspolitiker, nahe stehende Partei- und Verbandsfunktionäre, Lehrer und Schüler, die anlässlich der Teilnahme daran noch eine Note „sehr gut“ einheimsen können, daran teilnehmen, dann wirken sie darüber hinaus unehrlich bis blutleer. Demokratie – Happening. Demonstrationen für eine Regierung sind eigentlich das Wesensmerkmal totalitärer Staaten. Zumal sämtliche Umfragewerte eine deutlich andere Sprache sprechen.

 

Proteste der Bauern

Ganz anders die anhaltenden Proteste der Bauern, Handwerker und Fuhrunternehmer, die nach wie vor die breite Unterstützung in der Bevölkerung hinter sich haben und von dieser auch mitunter geradezu rührend versorgt werden. Offenbar geht es aber darum, diese aus dem Fokus zu nehmen. Von ähnlichen Protesten in beinahe sämtlichen Nachbarstaaten ganz zu schweigen. Die mutigste und bewegendste Veranstaltung, ohne jegliche mediale Kenntnisnahme, fand jedoch in Köln statt, als etwa 150 Impfgeschädigte für ihr Anliegen und wegen fehlender Unterstützung auf die Straße gingen. Ganz nebenbei schält sich der Kristallisationskern für diesen Anti-Rechts-Hype mehr und mehr als einzigartiger Skandal heraus. Eigentlich ein gefundenes Fressen für investigativen Journalismus: Der Verfassungsschutz spioniert mit geheimdienstlichen Mitteln, ein privates Treffen aus, das Ergebnis, das mit Fug und Recht als Flop betitelt werden darf, wird als Leerverkauf an Correctiv verschachert. Greenpeace ist auch mit dabei – ,der Scoop wird sechs (!) Wochen danach losgetreten und nach drei Tagen macht das Berliner Ensemble noch – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Schmierenstück daraus. Hans-Georg Maaßen musste für deutlich weniger seinen Stuhl räumen. So gesehen bedarf es noch einiger Demonstrationen für Demokratie und – vor allem – Rechtsstaatlichkeit.

Marc Schuler, Villingen-Schwenningen

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