Waimer Werner (Zweiter von links), Kommunalpolitiker aus Zollhaus, erhält für seine Verdienste die Reinhold-Maier-Nadel der Liberalen. Mit ihm freuen sich seine Ehefrau Jutta Waimer (links), Birgit Homburger und Laudator Ernst Burgbacher, sowie (sitzend, von links) Bürgermeister Markus Keller, FDP-Landtagsabgeordneter Niko Reith und SPD-Fraktionssprecherin Ursula Pfeiffer. Foto: Bernhard Lutz

Der verdiente Kommunalpolitiker erhielt die Reinhold-Maier-Nadel. Sie ist die höchste Auszeichnung der FDP im Ländle.

Viel Prominenz erlebte die Verleihung der Reinhold-Maier-Nadel an Kommunalpolitiker Werner Waimer aus Zollhaus im Städtlesaal.

 

Die Nadel, die die Reinhold-Maier-Stiftung, benannt nach Baden-Württembergs erstem Ministerpräsidenten, verdienten „Graswurzeldemokraten“ verleiht, ist die höchste Auszeichnung der Liberalen im Ländle.

Werner Waimer ist der fünfte so Geehrte der Südbaar nach Harald Mattegit und Gustav Wiggert (beide Blumberg), Adolf Baumann (Hüfingen) und Hansjürgen Bühler (Donaueschingen), der mit seiner Ehefrau anwesend war, ebenso wie viele Weggefährten und Doris Pfister, Witwe des Wahlkreisabgeordneten und Wirtschaftsministers Ernst Pfister.

So wichtig ist Toleranz

Draußen tobte ein Schneesturm, als die frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Birgit Homburger vom Verwaltungsrat der Stiftung anhand der Konflikte in Europa und Nahost deutlich machte, wie wichtig liberales Denken und Toleranz sind.

Ein roter Faden führte zu Reinhold Maier. Er war mit einer Jüdin verheiratet, die mit ihren Kindern vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach England floh. Um die Familie zu schützen, ließ sich das Paar scheiden. Nach ihrer Rückkehr heirateten sie erneut, ein Aspekt, der kaum bekannt war.

Netzwerker mit Weitblick

Bürgermeister Markus Keller würdigte Werner Waimer als echten Graswurzeldemokraten und Netzwerker. Mit dem Gemeinderat hätten sie vieles auf den Weg gebracht, in vielem sei Blumberg führend, etwa bei den Glasfaseranschlüssen. Waimer habe Weitblick und „ging immer konstruktiv kritisch“ an die Themen ran. Bisher unerfüllt sei sein Wunsch nach einer B 27-Umfahrung von Zollhaus geblieben. „Du bist ein Vorbild für die Kommunalpolitik“, betonte der FDP-Landtagsabgeordnete Niko Reith.

Waimer habe stets seine Meinung geäußert und den Blick für die Gesamtstadt wie für Zollhaus gehabt. Für den Rat dankte SPD-Fraktionssprecherin Ursula Pfeiffer Waimer. Fast zehn Jahre hätten sie in einer Fraktion von SPD und FDP zusammengearbeitet und viel bewerkstelligt. „Wichtig war dir immer die Begegnung mit den Menschen.“ Langweilig werde es ihm nicht bei seinen Hobbys wie Bergsteigen, Wandern oder Fahrradfahren. Auch die Vorsitzenden der anderen Fraktionen, Dieter Selig von der CDU und Hannes Jettkandt von der Freien Liste, waren da.

Burgbacher hält Laudatio

Und dann kam Ernst Burgbacher aus Trossingen, der frühere Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär, der Waimer seit 50 Jahren kennt. In seiner Laudatio gab er zunächst einen Rückblick auf den Liberalismus in der Nachkriegszeit im Südwesten, geprägt von Menschen wie Theodor Heuss, Reinhold Maier, Wolfgang Haußmann, Willy Stahl, letzterer aus Südbaden.

Menschen wie Harald Mattegit, Helmut Ochs, Hansjürgen Bühler, Gustav Wiggert, Eugen Waimer, Udo Reichmann, Hans und Norbert Reiner hätten für einen fließenden Generationswechsel gesorgt. Mattegit, habe ihn motiviert, für den Bundestag zu kandidieren. Gemeinsam seien er und Werner Waimer bei den Jungdemokraten gewesen.

In Südbaden versteht man zu feiern

Unvergessen sei ein Seminar über die deutsch-schweizerische Verkehrsplanung im Kranz in Zollhaus, bei dem sie viel erfahren hätten. Es folgten Feste, bei denen er, Burgbacher und Ernst Pfister schnell gemerkt hätten, dass die Parteifreunde in Südbaden „viel besser feiern“ konnten und die Feste dann hier ausgerichtet hätten. Als Pfister 1976 erstmals für den Landtag kandidierte, war Waimer Zweitkandidat. Das Denken Reinhold Maiers erläuterte er mit Zitaten von Maier: „Die großen Probleme der Politik sind die Summe der vielen kleinen Probleme der Bürgerinnen und Bürger“. Und: „Demokratie muss unten da sein. Ist sie unten nicht da, dann fehlt sie oben ganz gewiss.“ Dies passe zu Waimer.

Das hätte Heuss gesagt

Theodor Heuss habe über Reinhold Maier geäußert: „Hat er Fantasie? Er pflegt auf jeden Fall von der Wirklichkeit her sich seine Fantasie, das heißt die Gestaltungsaufgabe vorzustellen und ihr dann ohne Sprüche und ohne Phrasen einfach zu dienen.“ Dies hätte Heuss auch über Waimer sagen können. Dieser konnte sich „durch seine praktische Berufserfahrung, seine Auslandsaufenthalte und seine tiefe Verwurzelung in Blumberg diese Heuss’sche Gestaltungsaufgabe sehr gut vorstellen.“

Vater des Pfetzergerichts

Er würdigte auch Waimers Verdienste als Vereinsmensch, unter anderem bei der Pfetzerzunft. Er sei der Vater des Pfetzergerichts, bei der Rentnergruppe Aktivis aktiv und in Hohenems in Vorarlberg bei den Alpenverein-Senioren. Ein besonderer Dank galt Jutta Waimer und den Kindern Alexandra und Silvio. Nach der Ehrung folgte ein Stehempfang. Für musikalische Unterhaltung sorgten Thomas Sausen und Sebastian Schnitzer.

Zur Person

Werner Waimer (73) stammt aus einer liberalen Familie in Zollhaus bei Blumberg, sein Vater Eugen Waimer hatte im FDP-Ortsverband Blumberg die Mitgliedsnummer 2. Der gelernte Maschinenschlosser, der sich ständig weiterbildete, war ab 1970 in der Schweiz im Anlagenbau tätig, die letzten 25 Berufsjahre dann weltweit im Kraftwerkbau im Nuklear-Service als Supervisor für Sicherheitseinrichtungen. 1968 trat er bei den Jungliberalen ein, 15 Jahre lang war er Stadtrat in Blumberg. Von klein auf galt seine Liebe der Narretei, 22 Jahre war er Zunftmeister der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen. Er ist verheiratet mit Jutta Waimer, sie haben zwei Kinder. Seine Liebe gilt außerdem den Bergen.