Josef Sauter ist fassungslos. Trotz Glasfaserausbau vor der Haustür bleibt er außen vor. Foto: Alt

In Feckenhausen erfolgt derzeit der Breitbandausbau mit Fördermitteln von Bund und Land. Dabei zeigt die Telekom Mut zur Lücke, wie der Fall von Josef Sauter zeigt.

Josef Sauter fühlt sich in die 80er zurückversetzt. Jene Zeit, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und Motorola die ersten massentauglichen Handys auf den Markt brachte. YouTube und „Alexa“ hätten damals keine Chance gehabt – die Geschwindigkeiten im Netz waren lahm, verglichen mit den heutigen Anforderungen an einen Anschluss geradezu mittelalterlich. Wer ein bisschen ab vom Schuss wohnt, kennt das auch heute noch – so wie der ehemalige Feckenhausener Ortsvorsteher Josef Sauter. An manchen Tagen verkümmert sein Anschluss zu Übertragungsraten von sieben MBit pro Sekunde und weniger.

 

Nicht jeder Kunde wird bedient

Ein Glück also, dass die Telekom in März in Feckenhausen im Auftrag des Bundes großflächig Glasfaserkabel verlegt – könnte man meinen. Doch nicht jeder weiße Fleck auf der Breitband-Landkarte wird bedient, wie Sauter nun erfahren muss. Und dass, obwohl der Feckenhausener sich bereits für einen Anschluss bei der Telekom vormerken lies. Doch von vorn.

Es ist Sommer 2022 als Sauter den Telekom-Laden in Rottweil aufsucht. Er will sich über seinen „lahmen Anschluss“ beschweren, worauf ihn die dortige Kundenbetreuerin direkt darauf aufmerksam macht, dass in seinem Heimatort ab März 2023 ein Glasfaserausbau stattfindet. Für 60 Millionen Euro werden im Kreis Rottweil bis 2024 Glasfaserkabel verlegt. Bund, Land, Landkreis und Kommune finanzieren den Breitbandausbau gemeinsam. Ausbaupartner ist die Telekom, wie der Landkreis auf unsrer Nachfrage erklärt. Also lässt sich Sauter für einen schnellen Anschluss auf die Vormerkliste bei der Telekom setzen.

Die Enttäuschung ist groß

Als die Bauarbeiten vor Ort beginnen, wundert sich Sauter, dass auf dem Gehweg vor seinem Haus in der Habsburger Straße, anders als bei den Nachbarn, keine Farbmarkierungen angebracht werden. Nach Rücksprache mit dem Bauleiter erfährt Sauter, dass für sein Haus kein Anschluss geplant ist. „Die Enttäuschung meinerseits war riesengroß“, erzählt der Feckenhausener. Es folgen unzählige Anrufe beim Telekom-Kundenservice. Vordergründig wird versichert, man kümmere sich um Sauters Problem. Doch entweder versandet sein Anliegen oder man vertröstet ihn auf einen späteren Anschlusszeitpunkt. „Wann der erfolgen soll, wusste niemand“, sagt Sauter.

Das Sauters unmittelbare Nachbarschaft einen Glasfaseranschluss erhält, aber „mein Haus, das in zehn Metern Entfernung steht, wird nicht angebunden“, empfindet er als Schildbürgerstreich. Selbst der Bauleiter vor Ort, kann das Vorgehen nicht nachvollziehen, wo doch die Baumaschinen und das Material schonmal da sind. Der Auftraggeber lehne es vehement ab, den Graben für die Kabel um zehn Meter zu verlängern.

Nur ein Bruchteil wird angeschlossen

„In meinen Augen ist das unfassbar, und ich erinnere mich an eine bestimmte Fernsehsendung mit Mario Barth“, ärgert sich Sauter. Der Glasfaserausbau sei eigentlich ein lobenswertes Projekt, „um uns nicht weiter in der digitalen Wüste stehen zu lassen“. Medienwirksam werde dieser proklamiert. „Dass aber nur ein Bruchteil der Häuser einer Ortschaft angeschlossen werden, bleibt unerwähnt.“

Der violett markierte Bereich zeigt, wo überall Glasfaserkabel verlegt werden. Der blaue Pfeil zeigt das Gebäude von Josef Sauter. Foto: Landratsamt

Warum Sauter trotz seines oft langsamen und instabilen Anschlusses nicht ans neue Netz angeschlossen wird, diese Frage stellen wir dem Landratsamt als verantwortliche Behörde. Die Antwort: „Innerhalb des geförderten Ausbaus ist sehr klar definiert, was ausgebaut werden darf: sogenannte weiße Flecken, also unterversorgte Anschlüsse mit weniger als 30 MBit/s, Gewerbegebiete und Adressen entlang der Trassen, die gefördert werden – dort können die Anwohner kostenlose Hausanschlüsse erhalten.“ Sauter hat einen 33-MBit/s-Anschluss und fällt damit knapp raus.

Weiter schreibt das Landratsamt: „Die Habsburger Straße 11 liegt nicht innerhalb unseres geförderten Ausbaus und wurde folglich auch nicht von uns angeschrieben.“

Die zweite Ausbau-Achse, nämlich direkt über die Telekom erfolge privatwirtschaftlich, so das Landratsamt. Heißt: Die Telekom baut auf eigene Kosten das Breitbandnetz dort aus, wo die Förderung nicht greift, wenn es aus Sicht der Telekom wirtschaftlich erscheint.

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit

Ob das in Sauters Fall so ist, oder wenn nicht, warum – das haben wir die Telekom gefragt. Und die verweist auf die geringen Fördermittel, die für den Breitbandausbau zur Verfügung stehen. „Ausgebaut werden jene Adressen, die vertraglich mit dem Landkreis vereinbart wurden und für die wegen geringen Bandbreite Fördermitteln eingesetzt werden dürfen. Darüber hinaus investiert die Telekom im Landkreis Rottweil im Rahmen eines großangelegten Eigenausbaus (und ohne Förderung) weitere Millionen Euro, um zusätzlich Tausende Haushalte mit Glasfaseranschlüssen im Haus zu versorgen. Dennoch ist es uns finanziell nicht möglich, in kürzester Zeit 100 Prozent der Haushalte im Landkreis mit FTTH zu versorgen.“

Es bleibt wie es ist

In Fall der Habsburger Straße 11 seien auf Basis der Netzstruktur der Telekom 80 Meter Tiefbau und eine Straßenquerung nötig. „Das ist aktuell nicht wirtschaftlich zu machen“, schreibt die Telekom. Dennoch sei in den kommenden Jahren ein weiterer Ausbau denkbar.

Für Jürgen Sauter heißt das, es wird sich am Status quo erst einmal nichts ändern. „Ich bin Steuerzahler wie die meisten Bürger in unserem Land und ich erwarte eine Gleichbehandlung. Ich fühle mich diskriminiert und übergangen“, sagt er. An einen späteren Ausbau glaubt er nicht. „Der würde – wenn überhaupt – ein Vielfaches mehr kosten“, ist er sich sicher.