Als „weißer Fleck“ in Sachen Breitbandversorgung kann Nagold sicher nicht bezeichnet werden. Und doch geht da mehr. Die Deutsche GigaNetz GmbH plant den Komplettausbau von Nagold und Iselshausen mit einem „Glasfasernetz der Zukunft“.
Eine gute Versorgung mit Internet ist längst zu einem Standortvorteil geworden. In Nagold selbst ist die Versorgungslage eigentlich nicht schlecht. Lohnt sich da ein großflächiger Ausbau mit Glasfasernetz überhaupt?
Offensichtlich! Die Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) jedenfalls ist fest dazu entschlossen, die gesamte Kernstadt mit ihren Wohngebieten und auch den Teilort Iselshausen mit einem eigenen Glasfasernetz zu versorgen. Der Clou dabei: Es geht um einen so genannten „eigenwirtschaftlichen Ausbau“ der Breitbandversorgung. Das wirtschaftliche Risiko für den großflächigen Ausbau liegt also bei dem Unternehmen, und nicht etwa bei der Stadt Nagold.
Der Gemeinderat und auch die Stadtverwaltung begrüßen das Engagement des Privat-Unternehmens. „Damit haben wir die große Chance Nagold für die Digitalisierung und die Zukunft gut aufzustellen und zu stärken“, heißt es in der Sachdarstellung der Verwaltung für die Gemeinderäte.
Die Kooperationsvereinbarung
Und so stimmte auch der Gemeinderat einer Kooperation zu und ermächtigte die Verwaltung zum Abschluss eines Kooperationsvertrags. Diese Vereinbarung soll „analog“ der Vereinbarung mit der Firma NetCom gestaltet werden – jenem Unternehmen, das derzeit in den meisten Nagolder Stadtteilen die Breitbandversorgung vorantreibt, jüngst erst in Pfrondorf zum Spatenstich geladen hatte.
Das FTTH-Glasfasernetz
Die DGN sieht in Nagold einen attraktiven Markt. Und die Zahlen sind ehrgeizig. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern plant das Unternehmen in Nagold ein komplettes so genanntes FTTH-Glasfasernetz aufzubauen. FTTH steht für „fiber to the home“ – also „Glasfaser bis in die Wohnung“. Und wirklich alle Wohneinheiten sollen abgedeckt werden – wobei der eigentliche Anschluss ins Haus natürlich die Entscheidung der Eigentümer ist.
Und die Zahlen sind imposant: Bis 2026 sollen in Nagold und Iselshausen mehr als 4000 Adresspunkte (Gebäude) und mehr als 9500 Privat- und Gewerbeeinheiten mit einem Glasfaseranschluss versorgt werden. Dabei soll laut Unternehmensangaben der Bestand soweit wie möglich mitgenutzt werden. „Hier liegt schon einiges. Das werden wir auf jeden Fall anfragen“, verdeutlichte Sebastian Bergmann von der DGN. Genauso sollen anderer Anbieter die von der DGN aufgebaute Glasfaser-Infrastruktur mitnutzen können.
Die Vermarktung
Die Vermarktungsphase beginnt zwar frühestens im März nächsten Jahres, doch im Nagolder Gemeinderat, war Bergmann bereits kräftig am Werben. „Für Sie bauen wir Lichtgeschwindigkeit“, war da auf der Präsentation zu lesen, ein Glasfasernetz der Zukunft soll in Nagold und Iselshausen entstehen. Der eigene Anspruch des Unternehmens dabei: „100 Prozent Glasfaser FTTH für alle.“ Was die DGN dabei eigenen Angaben zufolge auch von anderen unterscheidet. „Bei uns bekommen Sie auch, was Sie bestellen“, so Bergmann. Die versprochenen Bandbreiten werden garantiert.
Die Voraussetzung
Wie viele letztlich bei der DGN dann wirklich ihren Glasfaseranschluss buchen? Die DGN strebt eine Quote von 35 Prozent an. Dabei geht die Vermarktungsphase etwa fünf Monate lang. In der Sitzungsunterlage heißt es dazu: „Zwischen 20 und 35 Prozent der Haushalte“ müssen einen Internet-Vertrag abgeschlossen haben. Erst dann entschließe sich die DGN zu einem eigenständigen Ausbau.
Eines der Hauptargumente für die Vermarktung wird dabei sicherlich sein, dass ein eigener Glasfaseranschluss den Wert einer Immobilie erhöht. Und natürlich entsprechende Angebote, wie zum Beispiel, dass bei einem Abschluss in der Vermarktungsphase, die DGN den Anschluss ins Haus auf eigene Kosten legt.
Die Baustellen
Insgesamt geht die DGN wegen der kompakten Siedlungsstruktur in Nagold von einem „schnellen Ausbau“ von 80 Kilometer Trasse in 1,25 bis 1,5 Jahren aus. Verlegt wird im Regelfall im Gehweg in einer Tiefe von 45 bis 60 Zentimeter. Um die Baustellenbelastung gering zu halten, wird eine „taggleiche Verschließung“ nach der Verlegung angekündigt. Und: Mindestens ein deutschsprachiger Tiefbaumitarbeiter sei auf jeder Baustelle.
Das Unternehmen
Die Deutsche GigaNetz GmbH ist ein relativ junges Unternehmen. Die Gründung erfolgte 2019. Investoren sind verschiedene Banken. Unter anderem steht die DGN als exklusiver Partner hinter der „Gigabitregion Heilbronn Franken“ mit 110 Kommunen. Zudem ist man in der Gigabitregion „Frankfurt-Rhein-Main als einer von drei Partner aktiv – unter anderem mit 163 Kommunen und mehreren Landkreisen.
Und die DGN ist auch im Kreis Calw schon bekannt. Sie hat bereits Kooperationen mit den Kommunen Calw und Schömberg abgeschlossen.
Die Bandbreiten
In der Präsentation der DGN kündigte das Unternehmen „Highspeed-Internet“ an – für den Privatkunden reicht die Spanne beim Download von 300 und geht bis zu 1000 Mbit/S. Beim Upload geht die Spanne von 150 bis 500 Mbit/S.
Hinzu kommen Modelle für Geschäftskunden die bis zu 10 000 Mbit/S symmetrischen Up- und Download bieten.