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Gitarrist Dick Dale gestorben Der Surf-König ließ Verstärker platzen

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Dick Dale war unter Gitarristen eine Legende: König der Surf-Gitarre und Inspirationsgeber des Heavy Metal. Foto: dpa

Los Angeles - Die meisten der Beach Boys mochten Wasser am liebsten im Swimming Pool: mit Ausnahme ihres Schlagzeugers Dennis Wilson trauten sie sich kaum auf ein Brett und schon gar nicht an Strände mit hohen Wellen. Der Gitarrist, Bandleader und Rockinnovator Dick Dale, der am 16. März 2019 im Alter von 81 Jahren gestorben ist, war da eine ganz andere Type: Er surfte mit Leidenschaft, er liebte die intensiven Momente im Wellentunnel zwischen Naturrausch und Lebensgefahr, und das Röhren und Brausen der Wassermassen war für ihn Musik, die er nachbilden wollte: „Ich habe versucht, den Klang des Meeres einzufangen“, hat er seine Instrumentals beschrieben, die eine ganz andere Qualität hatten als die netten Strandparty-Hits anderer Surfmusiker.

Libanon trifft Surfkultur

Dale, der eigentlich Richard Anthony Monsour hieß, war Linkshänder und Autodidakt, und er brachte ein exotisches Musikerbe mit ein: Sein Vater stammte aus dem Libanon, in der Familie wurde auch die Musik der alten Heimat gepflegt, Dale selbst lernte, die Tarabaki-Trommel zu spielen, deren rasche Fingerspitzenwirbel sein Gitarrenspiel beeinflussen würden. Auf seinem Hit „Misirlou“, den Quentin Tarantino dann 1994 in „Pulp Fiction“ zu neuem Ruhm brachte, holte er souverän arabische Skalen in den Surfsound, lange bevor westlicher Pop und Rock sich für solche Einflüsse öffneten.

Überhaupt hatte Dale von Anfang an sehr eigene Vorstellungen, wie seine Musik klingen sollte. Dazu gehörte der starke Hall, der berühmte „Wellensound“ also, den andere Surfbands sofort kopierten, ein virtuoses Stakkato-Picking, dessen Geschwindigkeit und Präzision Konkurrenten baff staunen ließ, und ein Ziehen von Noten, das er mit ungemein kräftigen Fingern auf extradicken, für normale Spieler kaum beherrschbaren Saiten praktizierte.

Bis zum Kollaps der Verstärker

Am wenigsten tauglich fürs Plattenstudio – und das vorhandene Equipment – war jedoch Dales Interesse an Lautstärke, Verzerrung, Tonmanipulationsmöglichkeiten. Regelmäßig trieb er Gitarren an ihre Grenzen und brachte Verstärker zum Platzen, was vor allem der Gitarrenbauer Leo Fender für sich zu nutzen wusste. Der entwickelte seine heute klassischen Modelle, die Stratocaster und den Showman-Amp etwa, in intensivem Dialog mit Dale weiter: Was den auf der Bühne aushalte, so Fender, tauge auch für jeden anderen Sterblichen.

So wurde Dale zum Urvater des Heavy Metal, zum Freund und Lehrmeister von Jimi Hendrix, zum Ideengeber unzähliger Gitarristen – aber nie zum wohlhabenden Mann. Der „König der Surf-Gitarre“, wie sein nie von jemand anderem beanspruchter Titel lautete, war wohl zu authentisch, zu sehr an die eigentliche Surf-Kultur gebunden, als dass er gut zu vermarkten gewesen wäre. In seinen Instrumentals ging es um Aussteigercourage, nicht um bloßen Freizeitspaß. Als Aussteigerideen dann aber eine Weile das angesagteste Angebot der Popmusik wurden, kämpfte Dale gegen eine Krebserkrankung und konnte lange kaum auftreten.

Eine Naturgewalt

Als der Krebs Jahrzehnte später wiederkehrte, legte Dale über Jahre hinweg einen strapaziösen Auftrittsmarathon hin. Er müsse, hat er gesagt, monatlich 3000 Dollar für Medikamente aufbringen. Mancher Rockstar, der ohne Dale nicht vorstellbar wäre, hätte das nebenbei am Tag bezahlen können.

In seiner Musik aber ist weder Verbitterung noch Aggressivität zu hören. Das Laute, Schroffe, Überwältigende in den Notenstürmen dieses Alkohol und allen anderen Drogen abgeneigten Gitarrenrebellen war einfach die Kraft einer Naturgewalt, majestätisch, nicht fies. Das mit dem Meeresklang hat er eben gut hinbekommen. Und wer vorab wissen möchte, was ihn beim echten Surfen erwarten würde, käme mal die ganz große Welle, der sollte unter dem Kopfhörer mal Dick Dales Album „Tribal Thunder“ von 1993 hören.

Und wer noch ein bisschen mehr Zeit hat, kann sich einen von Dales letzten großen Auftritten auf Youtube ansehen, 2018 im Viper Room, Los Angeles.

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