Die Finanzkrise ist nur noch eine ferne Erinnerung. Die Aktionäre der italienischen Bankinstitute, die stabiler denn je sind, erhalten nach gigantischen Gewinnsteigerungen hohe Ausschüttungen.
Italiens Banken strotzen vor Kraft. Knapp zehn Jahre nach einer tiefen Krise, die zu einer beispiellosen Bereinigung und kostspieligen staatlichen Rettungsaktionen geführt hat, gehören die Banken des Landes nun zu Europas ertragsstärksten. Selbst die Volksbank von Bari, die verstaatlicht werden musste, wies für 2023 einen Gewinn aus.
Die größte Bank Italiens hat ihren Nettogewinn 2023 um 76,4 Prozent gesteigert.
Die fünf größten Institute Italiens haben vor allem dank stark gestiegener Zinsüberschüsse, niedrigerer Kosten und einer Reduzierung der Kreditrisikovorsorge ihre Nettogewinne gegenüber dem Vorjahr um 64 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro gesteigert – ein absoluter Rekordwert. Die Aktionäre erhalten Rekordausschüttungen, sei es in Form von Dividenden, sei es in Form von Aktienrückkäufen. Und trotz der tendenziell sinkenden Zinsen erwarten alle Institute auch für dieses Jahr Gewinne mindestens auf dem Niveau des Vorjahres. Auch im Hinblick auf die Kapitalausstattung sind sie stärker denn je.
Die, gemessen an Bilanzsumme und Börsenkapitalisierung, größte Bank Intesa Sanpaolo hat ihren Nettogewinn 2023 gegenüber 2022 um 76,4 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro gesteigert. Die Aktionäre sollen zusätzlich zu der bereits 2023 gezahlten Interimsdividende von 2,6 Milliarden Euro weitere 2,8 Milliarden Euro erhalten.
Intesa-Sanpaolo-Chef Carlo Messina plant ein Aktienrückkaufprogramm
Außerdem plant Intesa-Sanpaolo-Chef Carlo Messina für Ende Mai ein Aktienrückkaufprogramm. Er rechnet für 2024 und 2025 mit einem Gewinnanstieg auf jeweils mehr als acht Milliarden Euro. Man habe bereits jetzt die ursprünglich für 2025 gesteckten Ziele übertroffen. Messina erwartet für 2024 wachsende Einnahmen, getrieben von einem steigenden Zinsüberschuss, einem Wachstum des Provisionsergebnisses und einem positiven Beitrag des Versicherungsgeschäfts. Positive Impulse sollen von der Vermögensverwaltung kommen, die gezielt ausgebaut wird, sowie vom Versicherungsgeschäft, in dem die Bank durch Übernahmen, aber auch durch die Entwicklung eigener Angebote, stark gewachsen ist.
Die Italiener verfügen mit insgesamt 11 000 Milliarden Euro über ein wesentlich höheres Privatvermögen als etwa die Deutschen und sind außerdem stark unterversichert. Das ist der Grund dafür, dass auch die HVB-Mutter Unicredit und andere Banken sehr stark auf den Ausbau dieser beiden Geschäftsfelder setzen. Denn die alte Generation der Unternehmer tritt langsam ab und die nächste Generation erbt teilweise gewaltige Vermögen.
Die Aufwandsquote gibt an, wie effizient eine Bank wirtschaftet
Mit einer Aufwandsquote von 45 Prozent liegt Intesa Sanpaolo im europäischen Vorderfeld, schneidet aber um knapp sechs Prozentpunkte schlechter ab als Unicredit. Die Aufwandsquote gibt an, wie effizient eine Bank wirtschaftet. Je niedriger sie ist, desto besser. Unicredit etwa muss 39 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen und ist damit in Europa ganz vorn, Intesa Sanpaolo 45 Cent.
Die im Vergleich zu Intesa Sanpaolo wesentlich internationalere Unicredit, die etwa in Deutschland (HVB) und Osteuropa über starke Bastionen verfügt, hat den Rivalen mit einem Nettogewinn von 8,6 Milliarden Euro übertroffen. Die Aktionäre der HVB-Mutter erhalten für 2023 rund 8,6 Milliarden Euro, davon 5,6 Milliarden Euro im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms, und sollen für 2024 sogar zehn Milliarden Euro kassieren.
Anders als Unicredit verzeichnete Intesa Sanpaolo steigende Kosten
Getrieben wurde die positive Entwicklung bei allen Banken von deutlich höheren Zinsüberschüssen. Sie profitieren von den hohen Zinsen. Das in der Beratung erwirtschaftete Provisionsergebnis gab dagegen nach, soll aber bei beiden Instituten künftig wachsen. Anders als Unicredit und andere Banken verzeichnete Intesa Sanpaolo steigende Kosten: Das lag an den Neueinstellungen im Zuge des Aufbaus der Online-Bank Isybank. Beide Großbanken haben ihre Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle massiv reduziert.
Ähnlich positiv ist die Tendenz bei den anderen Banken. Die teilstaatliche Monte dei Paschi di Siena (MPS), die 2007 vom Staat mit einer Kapitalspritze von 5,4 Milliarden Euro gerettet werden musste, ist 2023 nach vielen Jahren in die Gewinnzone zurückgekehrt und zahlt für 2023 erstmals seit 13 Jahren eine Dividende. Getrieben von dem stark gestiegenen Zinsüberschuss und sinkenden Kosten wies das Institut nach einem Vorjahresverlust von 205 Millionen Euro einen Gewinn von 2,05 Milliarden Euro aus. Bankenchef Luigi Lovaglio erwartet für 2024 weiter steigende Gewinne.
Für 2023 wird eine doppelt so hohe Dividende gezahlt wie 2022
Rekordwerte vermeldeten auch Banco BPM sowie BPER, mit deutlichem Abstand zur Intesa Sanpaolo und Unicredit die Nummer drei bzw. Nummer vier in Italien. BPM steigerte den Nettogewinn um 85 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro, erhöhte die Dividende für 2023 um 143 Prozent und erwartet 2024 weitere Zuwächse. BPER konnte den Gewinn „nur“ um fünf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigern. Für 2023 wird eine doppelt so hohe Dividende gezahlt wie 2022. Sowohl die BPM als auch die BPER gelten als potenzielle Kandidaten für eine Übernahme der Monte dei Paschi, die noch zu 39 Prozent staatlich ist und demnächst privatisiert werden soll.
Italiens Banken sind viel wert
Unicredit
Die HVB-Mutter Unicredit hat an der Börse deutlich gegenüber Intesa Sanpaolo aufgeholt. Sie ist an der Börse derzeit mit 49,5 Milliarden Euro bewertet, Intesa Sanpaolo mit 50,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kommt nur auf 23,7 Milliarden Euro.
Mediobanca
Italiens größte Investmentbank Mediobanca, die ebenfalls Rekordergebnisse ausgewiesen hat, ist am Aktienmarkt mit 9,9 Milliarden Euro bewertet, die BPM mit 7,9 Milliarden Euro, BPER mit fünf Milliarden Euro und die Monte dei Paschi mit 4,4 Milliarden Euro.