Am gemeinsamen Standort von Berufsförderungswerk und Heinrich-Sommer-Klinik ist nicht mehr genug Platz für die nötige Klinik-Erweiterung vorhanden. Foto: Hans Schabert

Am Südende des Wildbader Kurparks soll nach Verzögerungen endlich der Neubau entstehen. Die Trägerin der Klinik sucht mit einem Wettbewerb nach den richtigen Planern dafür.

Es ist deutschlandweit einmalig, dass wie in der Bäderstadt eine Spezialklinik wie die Heinrich-Sommer-Klinik als medizinisches Rehazentrum für querschnittgelähmte Menschen und ein Berufsförderungswerk (BFW) unter einem Dach und sogar unter einer Führung arbeiten. Letzteres soll sich in nicht allzu ferner Zukunft bei weiterhin gemeinsamer Leitung ändern.

 

Neubau Eine Klinik mit Modellcharakter bei auf die Patienten noch besser zugeschnittenen räumlichen Voraussetzungen und guten Arbeitsbedingungen für das Personal soll am südlichen Ende des Bad Wildbader Kurparks entstehen. Der Geschäftsführer beider Einrichtungen, Wolfgang Dings, unterstreicht: „So schnell wie möglich.“ Geschuldet ist dies dem wachsenden Bedarf, denn die 53 Betten in der Paulinenstraße reichen nicht mehr aus. Eine entsprechende Ausweitung am Standort ist nicht möglich.

„Das Vorhaben wird nicht auf die lange Bank geschoben, aber der Prozess von Entscheidungen, Planung, Genehmigung und Umsetzung wird doch noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen“, sagte Wolfgang Dings 2018 unserer Redaktion. Schon damals war der künftige Bauplatz erworben und in der Hand der bundesweit agierenden, gemeinnützigen Josefs-Gesellschaft (JG). Damals wurde das auf dem Platz stehende ehemalige, zuletzt 30 Jahre lang als Flüchtlingsunterkunft dienende Hotel Windhof aus den 1960er-Jahren abgebrochen. Man hatte eine Fertigstellung der neuen Klinik 2025 im Auge. Dann kam aber Corona.

Pandemie bringt Zeitplan durcheinander

Verzögerungen Froh zeigt sich der Geschäftsführer, dass die Menschen in seinen beiden Institutionen die Pandemie „dank konsequenter Schutzmaßnahmen gut überstanden haben“, ohne einen Todesfall beklagen zu müssen. Aber die Massenerkrankung brachte die erste Verzögerung. Dann folgten der Ukrainekrieg, der extrem steigende Baukosten nach sich zog, sowie steigende Zinsen. Dies alles erforderte neue wirtschaftliche Einschätzungen und zusätzlichen Zeitaufwand. „Wir haben aber nie von dem Plan gelassen“, unterstreicht Wolfgang Dings.

Noch steht die Heinrich-Sommer-Klinik am jetzigen Standort in der Paulinenstraße mit auf dem Schild. Das wird sich ändern. Foto: Hans Schabert

Jetzt ist es so weit, dass ein Architekturwettbewerb startet. Bei den Planungen sind auch der Genesung dienliche psychologische Gestaltungsaspekte einzubeziehen.

Planung stellt besondere Aufgaben

Klinik Die Planung der neuen Heinrich-Sommer-Klinik stellt besondere Aufgaben. Die Patienten, die sich wohlfühlen sollen, werden zur Hälfte frisch aus Akutzentren überwiesen, die anderen kommen teils drei bis vier Wochen lang, teils sogar bis zu einem halben Jahr lang zur Behandlung. Die Pläne sollen das Vorhaben in der JG noch in diesem Jahr vollends zur Entscheidungsreife bringen. Mit der Stadt Bad Wildbad besteht parallel guter Kontakt.

Aus dem „pflegeverdichteten Bereich“ des Wildbader BFW ist 1992 die „medizinische Rehaklinik“ geworden, die seit 2004 ihren heutigen Namen trägt. Entstanden ist sowohl die berufliche, als auch die medizinische Rehabilitation unter einem Dach abdeckende Einrichtung aus der Historie heraus. Die Einrichtung arbeitet mit unterschiedlichen Sozialversicherungszweigen zusammen.

Geschichte Als im September 1945 die französische Besatzungsmacht den damals längst in Versorgungskuranstalt umbenannten Gebäudekomplex der einstigen Militärkuranstalt in der Baetznerstraße für ihre Zwecke beschlagnahmte, zog die Einrichtung mit 120 Betten in das LVA-Krankenheim in der Paulinenstraße um.

Unter den Patienten waren sieben Querschnittgelähmte. Sie wurden zu Remonteuren ausgebildet. Dies war der Start in die Umschulungsmaßnahmen des heutigen BFW und als Spezialklinik.

JG-Gruppe hat über 11.000 Beschäftigte

Träger Die JG-Gruppe bietet nicht nur in der Bäderstadt differenzierte Hilfe auf verschiedenen Gebieten. Sie hält in mehreren Bundesländern mehr als 10 000 Plätze für Behinderte vor.

In rund 50 Leistungsbereichen arbeiten laut jüngstem Jahresbericht über 11.000 Beschäftigte. In den Einrichtungen gehen die dort betreuten Menschen eigenverantwortliche Schritte der schulischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation.

Das Projekt zur „Heilung, Pflege und gewerblichen Ausbildung“ Behinderter hatte der Pfarrer Heinrich Sommer (1872 bis 1918) im Jahr 1904 gestartet. Sommer soll auch einmal in Wildbad zur Reha geweilt haben.