Aus den Nadeln des Weihnachtsbaumes lassen sich so einige gesunde Leckereien zaubern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Er ist nicht nur wunderhübsch anzusehen, sondern kann zur Wellness-Kur für unseren Körper werden: der Tannenbaum. Sind Kugeln und Lametta nach der Weihnachtszeit erst mal abgehängt, schlummern in den Nadeln noch immer Kräfte. Kräuterfrau Jasmin Grütering aus Bad Dürrheim verrät uns, wie man sie nutzt.

Für ein paar Wochen holen wir uns im Dezember ein duftendes Stück Wald ins Haus. Ist der weihnachtliche Trubel vorbei, hat der Tannenbaum ausgedient und wird entsorgt. „Wenn die Leute wüssten, wie viele Heilkräfte sie da ungenutzt wegwerfen“, bedauert die 31-jährige Wildpflanzenpädagogin.

 

Schon die Kelten und Hildegard von Bingen wussten von der Wirkung der immergrünen Bäume. „Leider ist das inzwischen in Vergessenheit geraten, die Leute kaufen sich lieber in der Drogerie ein teures Erkältungsbad oder einen Kräutertee. Das bietet uns die Natur doch alles umsonst an“, lacht die zweifache Mutter und Ortsvorsitzende der Landfrauen Unterbaldingen beim gemeinsamen Spaziergang.

Jasmin Grütering schätzt die Heilkräfte unserer heimischen Pflanzen. Foto: Privat

Jasmin Grütering ist täglich mit ihren Kindern in den Wäldern auf der Baar unterwegs und sammelt allerlei wilde Leckereien. Regelmäßig integriert die Familie auch Fichten-und Tannennadeln in den Speiseplan.

Ätherische Öle, Harze, Flavonoide, Mineralstoffe und auch Vitamine seien darin enthalten, erzählt sie. Besonders reich an gesunden Inhaltsstoffen seien die jungen Triebspitzen im Frühjahr, die sogenannten Maiwipfel. Daraus lasse sich beispielsweise Sirup oder Gelee für die kleinen Naschkatzen herstellen.

Hilfreich bei Erkältungen

Auch die angetrockneten Nadeln des Adventskranzes oder Weihnachtsbaumes könnten noch genutzt werden, vorausgesetzt, sie stammen aus Bioanbau, fährt Grütering fort. Aber: „Immer gucken, dass man keine Eibe erwischt. Die ist nämlich giftig“, wirft der sechsjährige Sohn ein. Genau. (Hier gibt es eine Übersicht der heimischen Bäume und wie man sie erkennt). 

Bevor der Weihnachtsbaum das Haus verlassen darf, heißt es: Her mit den Nadeln, egal ob Tanne oder Fichte. „Am besten trocknet man eine große Portion davon auf einem Backblech oder in einem feinmaschigen Gemüsesäckchen“, erklärt Jasmin Grütering. Vor allem bei Erkältungen, Bronchitis und Husten habe man damit eine natürliche Wunderwaffe in der Vorratsdose. Auch für die direkte Verarbeitung gibt es Möglichkeiten.

Die Fachfrau für Wildpflanzen verrät uns nachfolgend ihre Lieblingsrezepte, die sich auch zum Verschenken eignen.

Tannennadel-Tee

Hilfreich bei Erkältungen: Tee aus Kiefern- oder Tannennadeln. Foto:  Andrey Solovev/ Shutterstock

Er ist ein bewährtes Hausmittel zur Stärkung des Immunsystems. Der Tee habe eine schleimlösende Wirkung, was die Grüterings durch zahlreiche „Selbstversuche“ bestätigen können. Bevor die getrockneten Nadeln mit heißem Wasser übergossen werden, sollten sie zerkleinert werden. Dadurch werden die ätherischen Öle freigesetzt. Sie dürfen nicht gekocht werden, denn dadurch geht das enthaltene Vitamin C verloren. Die Ziehzeit beträgt zwischen sieben und zehn Minuten (je länger, desto stärker wird der Geschmack).

Auf Basis diese Tees kann auch ein toller Waldpunsch kreiert werden. „Mit etwas Honig, Zitrone und Gewürzen darf man da echt kreativ werden. Für die Erwachsenen kann auch ein Schuss Rum oder Gin für eine wahre Geschmacksexplosion sorgen“, grinst die 31-Jährige. Für die Herstellung eines Likörs sollten die jungen Maiwipfel genutzt werden.

Der heiße Tee-Aufguss kann auch zur Inhalation verwendet werden.

Tannen-Öl

Hierfür füllt man einige getrocknete und grob gehackte Tannennadeln in ein Schraubglas und übergießt sie vollständig mit einem hochwertigen Speiseöl. Nun braucht man Geduld, denn erst nach etwa einem Monat Ruhezeit ist das wunderbar duftende Tannenöl fertig. Diese kann als Badezusatz, Massageöl oder für die Duftlampe genutzt werden. „Ich verwende das Öl auch für Dressings oder zum Anbraten von Wildfleisch“, erklärt die Landfrau.

Tannennadeln als Gewürz

Wenn man die getrockneten Nadeln fein zermahlt, bietet das Pulver allerlei Einsatzmöglichkeiten. Ab in den Brotteig oder ins Müsli damit. In einem verschließbaren Glas abwechselnd mit Salz aufgeschichtet, lässt sich daraus ein wunderbares Waldgewürz zaubern. Jasmin Grütering hat noch einen Tipp für Feinschmecker: „Man kann beim Kochen auch einfach einen Tannenzweig hinzugeben, ähnlich wie beim Rosmarin, das verpasst dem Essen einen kraftvollen Geschmack. Vor allem bei Wildfleisch.“

Hustensirup

Gegen Erkältungen hat der Weihnachtsbaum so einiges auf dem Kasten. Ein Mittel gegen Hustenreiz ist schnell gemacht.

Nadeln von Fichte oder Tanne in einem Topf mit Wasser bedecken. Dann das Wasser zum Kochen bringen und 20 Minuten leicht köcheln lassen. Dann absieben. Die Flüssigkeit mit dem Zucker aufkochen und noch heiß in kleine Glasflaschen abfüllen. „Besser schmeckt es allerdings, wenn frische Maiwipfel verwendet werden“, ergänzt Grütering.

Weiter geht es mit der äußerlichen Anwendung.

Tinktur

Eine Tinktur aus Tannennadeln hilft bei Zerrungen, Gelenkschmerzen, Muskelkater und kann auch für Sportmassagen genutzt werden. Das Einreiben wirke durchblutungsfördernd und kühlend. Dazu schneidet man die Nadeln klein, fügt evtl. noch ein paar Wacholderbeeren hinzu und übergießt das Ganze mit hochprozentigem Alkohol (mind. 40%). Das Glas verschließen und ungefähr einen Monat an einem warmen Ort ziehen lassen. Danach absieben und dunkel aufbewahren.

Badezusatz

Waldbaden pur! Für ein Erkältungsbad werden die Nadeln gehackt und mit grobem Meersalz vermischt. Die Wildpflanzenexpertin empfiehlt, das Ganze in eine alte Socke zu füllen. Dann bleibe die Wanne sauber. Alternativ kann auch Fichtenöl ins Wasser gegossen werden. Eine weitere Möglichkeit sei es, die Nadeln einige Minuten aufkochen zu lassen, abzusieben und dem Badewasser zuzugeben.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind der Wildpflanzenpädagogin bislang nicht bekannt. Tannen- und Fichtennadeln seien sehr gut verträglich. Es gebe Empfehlungen bei der Dosierung, die von einer Tagesmenge von sechs Gramm, bei Kindern drei Gramm, sprechen. Dort ist bei Überdosierung in Einzelfällen von Reizungen der Haut oder der Schleimhäute die Rede.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 21. Dezember 2023 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.