Engelbert Schreijäg in seinem Element: Während das Musikhaus Schreijäg mit Creativstudio und Postfiliale zum Jahresende schließen, geht es mit der Musikschule im Obergeschoss weiter. Foto: Marschal

Nach 42 Jahren endet in Schömberg eine Ära: Das Musikhaus Schreijäg schließt zum Jahresende und mit ihm das Creativstudio und die Postagentur. Bei der Musikschule wird es allerdings weitergehen.

Auch wenn das Musikhaus und das Creativstudio mit Postagentur in der Alten Hauptstraße 6 zum Jahresende schließen, bleibt die Musikschule Schreijäg weiterhin bestehen. „Daran hängt mein Herz“, betont Engelbert Schreijäg. Daher ist er auch besonders stolz, dass sein Sohn Benjamin Schreijäg und seine Frau Patrizia Lormes Schreijäg sein Lebenswerk, die Musikschule, weiterhin betreiben werden. Engelbert Schreijäg bleibt als Lehrer erhalten. „Wenn ich etwas gerne mache – warum soll ich dann aufhören?“, sagt der 66-Jährige. In den Anfangsjahren waren Musikhaus und -schule ein paar Häuser weiter, in der Alten Hauptstraße 12, untergebracht, ehe sie 1989 in die größeren Räume in der ehemaligen Sparkassenfiliale umzogen.

 

Nachfrage nach Instrumenten ist eingebrochen

Das Musikhaus, wo es neben Instrumente und Zubehör auch Noten zu kaufen gibt, wurde in den vergangenen Jahren nach und nach verkleinert. Vor allem nach der Jahrtausendwende sei der Instrumentenmarkt nach und nach eingebrochen: Die Kinder und Jugendlichen lernten seltener ein Instrument aufgrund vieler digitaler Freizeitangebote und auch der Internethandel tat sein übriges. Weil der Instrumentenhandel zuletzt nicht mehr sonderlich rentabel gewesen sei, fällt es Schreijäg auch nicht sehr schwer, das Geschäft zum Jahresende zu schließen.

Das „Tante-Emma-Lädle“ von Schömberg

Etwas wehmütiger hingegen ist seine Frau Heidi Schreijäg, die seit 1989 im selben Haus ihr Creativstudio betreibt. Während das Musikhaus irgendwann ins Nebenzimmer wanderte, wurde das „Tante Emma Lädle von Schömberg“, wie es Heidi Schreijäg nennt, immer größer. Im Creativstudio gab es nahezu alles, was schön und dekorativ ist: Allerlei „nette Sächle“, Geschenk- und Dekorationsartikel, Grußkarten, Kleidung, Wolle, Kinder- und Babyartikel und vieles mehr. Auch viele ihrer Stammkunden sind traurig über die Geschäftsaufgabe – schließlich lernte man sich über die Jahre gut kennen. Vor 20 Jahren wurde die Postagentur in das Creativstudio integriert, die ebenfalls zum Jahresende schließt. Auch wenn der Abschied schmerzt: Die Umsätze seien in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden und nun freut sie sich, Zeit für Enkel und Garten zu haben.

Modenschauen in der Stauseehalle

Dabei hatten Musikhaus und Creativstudio einst goldene Zeiten: Unvergessen sind die großen Modenschauen in der Stauseehalle mit teilweise bekannten Models. Am selben Ort fanden einige Jahre lang auf Initiative Schreijägs die Weltmeistervorentscheidungen an der Heimorgel statt. Das Musikhaus Schreijäg hatte von 2000 bis 2013 auch eine Filiale in Trossingen betrieben, der Stadt, in der Engelbert Schreijäg einst Musik studierte.

Klavierunterricht für die Kleinsten

Im Gespräch merkt man, dass Engelbert Schreijäg für die Musikschule brennt: Stolz erzählt er, wie er mit eigener Unterrichtsliteratur, die an japanische Lehrmetoden angelehnt ist, selbst Drei- und Vierjährigen das Klavierspielen beibringt. Sechs Lehrer sind derzeit an der Musikschule tätig und unterrichten um die 130 Schüler zwischen drei und 83 Jahren am Klavier und Keyboard, am Akkordeon, an der Gitarre, der Violine und in Gesang. „Das was ich vermittle, bekomme ich von meinen Schülern zurück“, erzählt der Musikschullehrer. Ihm gehe es nicht um die großen Konzerte, sondern dass die Kinder mit Hilfe der Musik auch für andere Lebensbereiche lernen – selbst wenn das Instrument später nicht mehr gespielt wird.

Das Rathaus zieht in die Geschäftsräume

Wenn zum Jahresende die Lichter in Musikhaus und Creativstudio ausgehen, wird erstmal umfangreich umgebaut. Denn im Zuge des Rathausneubaus wird die Stadtverwaltung von der gegenüberliegenden Straßenseite vorübergehend, aber für mindestens drei Jahre, in die ehemaligen Geschäftsräume ziehen. Die Musikschule im Obergeschoss bleibt von der Interimslösung des Rathauses unberührt.