Arturo Sandoval beim Konzert im Sparda Eventcenter Stuttgart Foto: Jazz Open

Arturo Sandoval hat bei den Jazz Open in Stuttgart die German Jazz Trophy für sein Lebenswerk entgegengenommen.

Der Trophäenschrank von Arturo Sandoval füllt sich zusehends. Nach zehn Grammys, einem Emmy und sechs Billboard Awards wurde dem vielseitigen US-kubanischen Trompeter zu Beginn seiner Europa-Tour und als Auftakt der Jazz Open 2022 im Sparda Eventcenter Stuttgart die German Jazz Trophy für sein Lebenswerk überreicht. Und zwar in Form einer farbenfrohen Kleinplastik von Otto Herbert Hajek und – zur großen Freude des Preisträgers – einem Scheck über 15 000 Euro.

 

Nachfolger Dizzy Gillespies

Der 72-Jährige bedankte sich bei Vorstandschef Martin Hettich, dem Jazz-Open-Promoter Jürgen Schlensog, dem Laudator Thomas Siffling und den zahlreichen Gästen mit einem spektakulären Konzertauftritt, bei dem er sich als Trompetenvirtuose, Multiinstrumentalist und humorvoller Geschichtenerzähler erwies. Mit Wucht treffen die Schallwellen seines Septetts auf das staunende Publikum. Ein temporeicher Bebop mit Latin-Klangfarben und Salsa-Touch bietet Sandoval die Möglichkeit, seine tollen musikalischen Fähigkeiten auszuspielen. In der Nachfolge seines großen Mentors Dizzy Gillespie zeigt er, was er kann. Normale Trompeter verfügen über einen Tonumfang von drei, vielleicht vier Oktaven. Sandoval hat fast so viel wie ein Klavier: deren sieben! Von tubamäßigen Untiefen geht es bei ihm hinauf bis in stratosphärische Höhen. Das lässt einen im Konzert staunen, birgt aber Risiken. Sandovals Vorführeffekte stören mitunter den Fluss der Musik. Alles ist auf den Boss zugeschnitten.

Lieber Porsche als Lada fahren

Die ihn mit starken Chorussen entlastenden sechs Bandmitglieder – allen voran der Gitarrist William Brahm und der Saxofonist Tedd Baker – nehmen brav lächelnd eine dienende Funktion ein. Sandoval erzählt, dass er nach seiner Flucht von Kuba nach Miami nicht mehr „einen beschissenen Lada“, sondern endlich einen Porsche 911 fahren konnte, setzt sich ans Keyboard, trommelt auf den Timbales, spielt noch ein Trompetensolo, scattet, wischt sich den Schweiß von der Stirn und singt „Smile“ von Charlie Chaplin. Das Publikum fühlt sich von dem Showman mit dem glänzenden Horn bestens unterhalten, steht auf, schwingt die Hüften und applaudiert begeistert.