Ministerpräsident Markus Söder hat sein Herzensprojekt verwirklicht. Foto: dpa/Peter Kneffel

Der Freistaat verbietet gegenderte Sprache in Behörden und Schulen. Es ist ein Herzensthema von Ministerpräsident Markus Söder.

Im Kampf gegen das Gendern haben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Kabinett einen sprachpolitischen Pflock eingeschlagen: Es ist künftig verboten in den Behörden des Freistaates und in den Schulen. „Ausdrücklich unzulässig“, so heißt es in dem Beschluss, ist es also künftig beispielsweise, von „Beamt:innen“, „Lehrer_innen“ oder auch „Ministerpräsident*innen“ zu schreiben. Wie es mündlich ist, wenn etwa der mittlerweile recht bekannte Gender-Knacklaut verwendet wird, regelt der Beschluss nicht.

 

Was ist dran an „einheitlich Tonke“ für Tante und Onkel?

Auf dem Thema reitet Söder schon länger rum. Beim Gendern sieht er eine Art von „politisch korrekter“ Sprachpolizei am Werk, die ihre im Zweifelsfall immer links-grüne Ideologie durchsetzen will. In und außerhalb von Bierzelten zieht er unter großem Beifall und viel Gelächter über angebliche Gender-Fanatiker her, die etwa statt der Worte „Tante“ und „Onkel“ einheitlich „Tonke“ sagen wollten.

Vor einem Jahr echauffierte sich Söder über einen – zurückgezogenen – Entwurf aus dem Bundesfamilienministerium, in dem das Wort „Mutter“ durch „entbindende Person“ ersetzt worden war. Der Ministerpräsident damals: „Mutter und Vater gibt es für jeden nur einmal. Die ersten Worte eines Kindes sollen weiter Mama oder Papa heißen und nichts anderes.“ Finden hier Spiegelgefechte statt und wird eine angebliche „Wokeness“ zum riesenhaften Gegner aufgeblasen? Söders Vorpreschen jedenfalls wird im Freistaat von vielen kritisiert. Die SPD etwa meint, das Kabinett zwinge „Lehrkräften und Behördenpersonal ein ideologiegetriebenes Verbot auf“. Man wünsche sich, dass sich der Ministerpräsident in ähnlich rasantem Tempo mit den großen Baustellen der Bildungspolitik befasse. Dominik Krause, der grüne Zweite Bürgermeister von München, sieht die CSU als „Verbotspartei“, die einen „Kulturkampf“ führe. Stattdessen solle man sich mehr um bezahlbares Wohnen kümmern.

Vorstöße schießen manchmal über das Ziel hinaus

Auf der einen Seite stehen jene, die im Gendern den Untergang des Abendlandes sehen. Auf der anderen bemüht man sich mehr oder minder angestrengt um eine geschlechtsneutrale und geschlechtssensible Sprache - und schießt mit Vorstößen manchmal weit übers Ziel hinaus.

Das bayerische Kabinett jedenfalls scheint sich mit großer Akribie damit befasst zu haben. Begründet wird das Verbot mit der derzeitigen Haltung des Rats für deutsche Rechtschreibung, der Sonderzeichen und ähnliches nicht empfiehlt, da diese die „Verständlichkeit von Texten beeinträchtigen können“. Dabei haben Söder und die seinen sogar den „Mediopunkt“ entdeckt und gleich verboten. Dieser ist auch bei Gender-getriebenen Experten bislang eher unbekannt, es handelt sich um einen Punkt in der Mitte der Zeile, der so aussieht: ·. Er ist recht schwer mit der PC-Tastatur zu erstellen, für die Kombination „ALT + 0183“ braucht es Übung.

Welche Folgen hat das Gender-Verbot?

Nun rätselt man im Freistaat, welche Folgen das Genderverbot mit sich bringen könnte. Muss die Bürokratie aufgestockt werden, um Verstöße dagegen zu ermitteln? Wie werden sie sanktioniert? Was ist mit den Universitäten, wo ja manch freidenkender Geist lehrt und forscht? Und wie sollen etwa die Münchner Pinakotheken und andere Institutionen damit umgehen, die von Bayern betrieben werden? Antworten dazu gab es am Mittwoch noch keine.